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Tagebuch der Pilgerreise nach Rom (19.7.08 - 24.9.08)



 

NEU: Hier gelangen Sie zur kompletten Bildergalerie Romreise 2008

 

 

24.9.2008: Die Reise ist beendet !

 

Herr Joachim W. A. Friedrich und sein Team waren bis zum 24. September 2008 unterwegs nach Rom. Alle Berichte, Fotos und weitere Informationen finden Sie hier an dieser Stelle.

 

Vielen Dank für Ihr reges Interesse und Ihre herzhafte Unterstützung !

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*** Fotos der 10. Reisewoche, 22.9. bis 24.9.2008 ***

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*** Fotos der 9. Reisewoche, 15.9. bis 21.9.2008 ***

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Reisetagebuch (nach Venedig)

 

Es geht weiter. Das große Erlebnis Venedig liegt hinter uns. Jetzt sind wir – trotz September – noch einmal im Sommerurlaub angekommen: Auf dem Campingplatz „Drei Musketiere“ am Lido di Pomposa in der Nähe von Ravenna. Wer möchte, kann sich am Strand in die Sonne knallen, andere baden im warmen Adria-Wasser – Entspannung!

Und auf dem Kultur-Programm stehen Ravenna und Padua. In Ravenna haben wir uns die Stadt angesehen – im Mittelpunkt des Erlebnisses stand die achteckige Basilika San Vitale mit ihren eindrucksvollen Mosaiken. Ganz anders: Die große Kirche St. Antonius von Padua mit dem Grab des Heiligen Antonius. Besonders beeindruckend: Die im Alltag gelebte Frömmigkeit der Menschen, die in stillen Gebeten die Verehrung für den Heiligen Antonius zeigen. Im Kontrast dazu erleben wir eine strahlende Hochzeit, die ein bekannter Kommunal-Politiker in der Taufkapelle der Kathedrale feiern durfte.

Joachim Friedrich lag ein Besuch ganz besonders am Herzen: Der Badeort Cervia, 20 Kilometer von Ravenna entfernt, in dem er vor 18 Jahren das letzte Mal seinen Urlaub verbrachte. Hier traf er einen alten Bekannten: Mauro, den Besitzer des „Bagno Bologna“, wo er früher oft gewesen ist. In einem langen Gespräch erinnerten sich beide an die „gute alte Zeit“.

Der Rückweg dauerte länger als erwartet, weil wir den Parkplatz der Wohnwagen nicht wiederfanden. Auch Stephans 70minütiger Irrweg durch Cervia blieb ohne Ergebnis. Erst mit Hilfe von Mauro konnten wir die Autos abholen. Doch das Abenteuer war noch nicht zu Ende. Es wurde dunkler und dunkler. Und der Campingplatz bei Novafeltria kaum auffindbar. Die Kolonne der drei Tourfahrzeuge hatte sich aufgelöst. Wie ein Wunder: In einem kleinen Bergdorf, wohl an der engsten Stelle, begegneten sich die Fahrzeuge – es war kaum aneinander vorbeizukommen. Jetzt verloren wir uns wieder. Und drei Straßen weiter standen wir wieder voreinander.

Erst nach 21 Uhr erreichten wir das Ziel. Und schon drei Stunden später fingen wir an, Stephans Geburtstag zu feiern.

Der Tag nach seinem Geburtstag war alles andere als ein Geschenk für ihn: Eine Etappe, so anstrengend wie bisher noch nie für die Radfahrer. Es ging immer wieder lange lange bergauf, dann steil bergab – keine Chance, sich zu erholen – die Radfahrer mussten aufgeben. Joachim Friedrich fuhr mit dem Rollstuhl nur mit Autobegleitung weiter. Regen setzte ein, es wurde dunkel – und dann wurde das Team von den Carabinieri angehalten. Nach einem kurzen Dialog in Stephans bestem Schulenglisch ließen sie alle weiterfahren. Am Ende des Tages hatte Joachim seinen eigenen Rekord gebrochen: 80 Kilometer in Kälte und Regen.

Der Regen hielt mehrere Tage an – langsam breitete sich Frust aus. Auch ein Grund, früher nach Rom zu fahren als geplant.

Entschädigt wurden wir von einer tollen Landschaft: Joachim Friedrich: „Ich erlebe auf dieser Strecke atemberaubende Landschaftsbilder, die von einer Schönheit geprägt sind, wie ich sie mir nie zuvor hätte vorstellen können.“ Begeistert waren alle von dem Anblick der Stadt Orvieto, die wie eine Krone hoch auf dem Berg thront.

Der erste Verkehrshinweis „Rom 158 km“ wirkte geradezu beflügelnd. Bei strahlendem Wetter und einem Verkehrsgemenge, das von Hamburg niemand kennt, trafen wir auf dem Campingplatz „Tiber“ ein. Wir sind gespannt auf die Stadt und freuen uns schon auf die Papstaudienz.

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Venedig - und auf dem Weg dahin (Siegfried Koril, 9.9.2008)

 

Auf dem Weg nach Venedig verließen wir gerade Conegliano, eine ziemlich große Stadt, und das weite flache Land erstreckte sich wieder vor uns. Nach einiger Zeit wurde eine kleine T- und P-Pause eingelegt – dann ging es weiter. Doch nur für den Rollstuhl und den Radfahrer, unser Schutzfahrzeug stand noch unbewegt am selben Platz. Der Motor ließ sich nicht mehr starten. Schnell wurde klar, dass entweder die Batterie oder der Anlasser der Grund für diese Panne war. Zum Glück war es die Batterie, die dann in der nächsten BMW-Werkstatt erneuert wurde.

 

Da unser Standpunkt an der stark befahrenen Straße recht verkehrsungünstig war und unser zweites Geleitfahrzeug eine weitere Verkehrsbehinderung darstellte, war es nur natürlich, dass schon bald ein Polizeifahrzeug aufkreuzte. Zwei freundliche Polizeibeamte stiegen aus, die sich um uns kümmerten. Der dritte sicherte uns mit seinem Polizeiauto und Blaulicht ab. Der ADAC, den wir bereits angerufen hatten, hatte uns für die nächste 1 ½ Stunde Hilfe in Aussicht gestellt. Die italienische Polizei schaffte innerhalb von 10 Minuten einen Mechaniker heran, der uns mit seiner Starthilfe wieder flott machte. Die 20 Euro für seinen Einsatz gab er J. Friedrich sofort zurück, als er sich, angeregt duch die Beschriftung der Wohnwagen, nach unserer Mission erkundigt hatte und war auch nicht zu bewegen, das Geld zu nehmen. Er und die Polizisten wünschten uns noch alles Gute und eine erfolgreiche Weiterfahrt.

 

Wir erreichten ohne Zwischenfälle Venedig, wo wir eine bewegte Zeit hatten. Weder die Fähren noch die Stadt selber ist auf Menschen mit Rollstühlen eingestellt. Doch unsere kräftigen Begleiter schafften auch diese Hürden und so kam J. Friedrich auch an Orte, die normalerweise für Menschen im Rollstuhl nicht zu erreichen sind.

 

Es ist Sonntag, der 7. September. Wir brechen auf und begeben uns weiter in Richtung Süden. Unser heutiges Ziel ist Lido di Pomposa in Comacchio. Da wir heute eine für den Rollstuhl zu große Strecke zu überwinden haben und die Straße stark befahren und sehr schmal ist, wird der Rollstuhl eingeladen und wir fahren bis zu einer günstigen Nebenstrecke, um die Reststrecke mit dem Rollstuhl zu fahren. Gerade wollen wir losfahren, als unser BMW erneut stehenbleibt. Die Ladekontrolleuchte zeigt rot, ein sicheres Zeichen dafür, dass die Lichtmaschine nicht arbeitet.

 

Das jedoch wurde angezweifelt, da der Motor doch nach ein paar Minuten Ruhe wieder ansprang, um sofort wieder „abzusterben“. Wieder wurde der ADAC angerufen und nach einer guten Stunde kam ein Abschleppwagen, der unser Auto auflud und in die Werkstatt brachte. Das wollte ich aber nicht so einfach hinnehmen. So fuhr ich mit dem Abschlepfahrzeug mit und landete in einem ca. 20 Km entfernten, abgelegenen Gewerbegebiet, während Oliver beim Wohnwagen blieb. Stephan holte mich von dort ab und wir konnten, nachdem wir den Wohnwagen abgeholt hatten, endlich zum Campingplatz fahren. Der BMW sollte heute am Montag in die Werkstatt gebracht und repariert werden.

 

Nun am Nachmittag wissen wir endlich, dass eine Lichtmaschine in Italien nicht vorrätig ist und wir damit rechnen dürfen, das Auto morgen Abend oder übermorgen zurück zu bekommen. Lassen wir uns überraschen.

 

Siegfried Koril

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*** Fotos der 7. Reisewoche, 1.9. bis 7.9.2008 ***

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*** Fotos der 6. Reisewoche, 25.8. bis 31.8.2008 ***

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Stephan Oelke, Bergtour 08 – Die Berge rufen

 

Schön sind sie ohne jeden Zweifel, die Berge. Ständig sehen sie anders aus, je nachdem wie die Sonne steht und wie viele Wolken sie schmücken. Landschaftlich unersetzlich, aber aus Sicht eines Radfahrers eine Katastrophe. Bis zu 12 % Steigung haben wir bergauf bewältigt, abwärts sogar 16 %. Für Herrn Friedrich in seinem „roten Blitz“ absolut kein Problem. Er saust die Berge rauf wie runter mit 12 km/h. Klingt einfach oder? Machen Sie es doch mal wie wir! In der letzten Woche sind wir von Wiesing zur Kanzlerkehre raufgefahren. 6,5 km, nur bergauf und ohne größere Pausen. Dazu einen kalten Wind, der den Schweiß im Rücken scheinbar gefrieren lässt.

 

Mit Müh und Not bin ich dann oben angekommen, ohne den vor mir herfahrenden Rollstuhl auch nur einmal mehr als zwei Meter wegfahren zu lassen. Bemerkenswert sind dann oftmals die Sprüche von Passanten, die Herrn Friedrich fragen, wie er diese steilen Berge meint meistern zu können. An dieser Stelle möchte ich Ihnen die Antwort geben. Er drückt den Joystick nach vorne und gibt Gas, um dann alle 500 Meter zu fragen: “ Stephan kannst du noch? Soll ich langsamer fahren? Willst du absteigen?“

 

Nett gemeint, aber warum aufgeben, denke ich da meistens. Jedenfalls sieht Herr Friedrich oben am Berg aus, als käme er gerade aus dem Bad. Nett angezogen, die Haare sitzen wie immer, keine Anzeichen von Anstrengung. Und wie geht es mir? Butterweiche Knie, nasse Hemden, und schwere Beine den Rest des Tages.

 

Für solche Dinge entschädigt dann die Natur, mit ihren herrlichen Sehenswürdigkeiten oder andere Radfahrer, die es noch schwerer haben. Bei unserer Fahrt von Innsbruck nach Italien haben wir es zum ersten Mal geschafft, einen Radfahrer am Berg abzuhängen. Den Blick dieses Radfahrers werde ich niemals vergessen, aber verstehen kann ich ihn trotzdem, denn man wird mit Sicherheit nicht jeden Tag von einem rasenden Rollstuhl überholt. Dieser Sprint am Berg sichert uns nicht nur das Bergfahrertrikot, sondern gibt uns auch weitere Kraft, die nächsten Berge in diesem Tempo zu erklimmen.

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*** Fotos der 5. Reisewoche, 18.8. bis 24.8.2008 ***

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Joachim Friedrich, 21. August 2008

 

München liegt hinter uns und die Alpen vor uns. Die Spannung wächst.

 

Aber zunächst ein kleiner Rückblick. Ich habe Regensburg als eine sehr lebendige Stadt erlebt. Bei gutem Wetter waren die Straßencafes gefüllt, wie ich es zuvor nicht erlebt habe. Es schien mir als würde das Leben mehr auf der Straße stattfinden.

Sicherlich steht das im Zusammenhang mit der Tatsache, dass Regensburg bei 145.000 Einwohnern 25.000 Studenten hat. Die vielen kleinen Gässchen dieser Stadt haben mich zutiefst beeindruckt. Beeindruckt hat mich der Empfang des Bürgermeisters, nicht nur weil er unseren Gedanken zum Pflegenotstand unterstützt.

 

Landshut. Erster Eindruck auf dem gemütlichen Campingplatz an der Isar fühlten wir uns gleich richtig wohl. Ein weiteres mittelalterliches Städtchen mit einem wunderschönen Rathaus, wo wir im alten Plenarsaal begrüßt wurden. Wir genossen die Atmosphäre des alten Stadtkerns. Besichtigten die St. Martins Kirche mit dem höchsten Backsteinturm der Welt und spazierten durch die engen Gassen.

 

Inge wurde im Rahmen der Presseberichterstattung zum großen TV-STAR !!! J

 

Aber Landshut war nicht Station der Pilgerfahrt sondern auch der Aufbruch zur Allianz-Arena in München, wo wir das Fussballspiel Bayern München gegen den Hamburger Sportverein, auf Einladung von Adidas erleben durften. Im Hochgefühl des 2:2 Sieges brachen wir am nächsten Morgen nach München auf.

 

Unterwegs wurden wir von einer Mutter mit Ihren zwei Töchtern überrascht.

 

[Audio verfügbar: 21.08.2008 - Joachim Friedrich im Interview mit dem BR]

 

Eine Stadt die uns in Atem hielt, damit meinte ich nicht den Campingplatz, den wir mehr als Parkplatz denn als Übernachtungsstätte betrachteten.

Der Besuch der Messe in der Frauenkirche hat uns alle sehr berührt. Berührt, weil wir als Pilgergruppe in den Gottesdienst eingebunden wurden und einen ganz besonderen Reisesegen empfingen. Im Kontrast dazu die Lebendigkeit in der Stadt, die dazu führte, dass Inge und Oliver die Filmaufnahmen so weit trieben, dass wir selbst auf dem Stachus aus einem Springbrunnen heraus Ihre Filmaufnahmen mitmachen mußten. Pudelnass zogen wir weiter in den Englischen Garten zum Chinesischen Turm, wo wir uns von diesen Attacken erholen konnten.

Am nächsten Tag trafen wir uns mit Claus Fussek, der als Pflegeexperte in Deutschland gilt. Das Gespräch mit ihm bestätigte unsere Überzeugung zum Pflegenotstand.

 

München brachte uns aber auch einen persönlichen Abschied von Anzelika und unseren Stimmungsmacher Don King. Beide wären gerne bei uns geblieben, und sie werden uns fehlen. Dafür machten wir die Bekanntschaft mit Märy. Sie wird uns die nächsten Tage begleiten und Herrn Friedrich betreuen.

 

Als wir München verließen, rückte die Alpenüberquerung näher. Zum 1. Mal erschien am Horizont das Alpenpanorama deutlich. Nie zuvor habe ich so die Schönheit der bayrischen Landschaft erlebt. Es war ein Traum. Weite Blicke ins Tal. Die Almen. Kühe, Schafe, Schweine auf den Weiden. Die frische Landluft. Meine Fahrt über Berge und Täler, über kurvenreiche Straßen, die sich durch die Landschaft schlängelten, hat mein Herz zum Überlaufen gebracht. Und bestätigt wieder: Rollifahren macht unglaublichen Spass.

 

Jetzt sitzen wir in Bad Feilnbach in der Nähe von Rosenheim auf einem super Campingplatz und genießen den Comfort und die selbstgeschmierten Stullen von Märy.

Geruhsamer Abschluss eines ereignisreichen Tages, der mit einem Empfang bei der Caritas in Rosenheim und der Begrüßung des 2. Bürgermeisters begann. Nach dem Empfang gab es eine offene Gesprächsrunde, in der wir uns mit den zahlreichen geladenen Gästen bei einem kleinen Imbiss austauschen konnten.

 

Müde bin ich geh zur Ruh. Schließe meine Äuglein zu. Nach so viel Emotionen ist jetzt fofftein !

Liebe Grüße Johann von Friedhelm alias Joachim W.A. Friedrich.

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Inge Averdunk, 20. August 2008

 

Ich habe mich in die Reise gestürzt, ohne mir vieles im Detail vorzustellen. Ich wusste, es wird eine Herausforderung. Angefangen vom Campen. Ich sehe jetzt noch die Gesichter der Kollegen vor mir, als ich es erzählte: Du - campen?!

Und nun ist es schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Genauso wie die zahlreichen spannenden Begegnungen mit vielen Menschen in den Städten unserer Tour.

Vieles läuft auch völlig anders als wir es uns vorstellten - erst meuterten wir - jetzt gewöhnen wir uns daran. Zum Beispiel, dass so wenig Zeit zur Besinnung bleibt. Daß wir unser Tagebuch so vernachlässigen - nicht, weil wir keine Lust zum Schreiben haben, sondern weil die Tage tatsächlich von morgens bis abends ausgefüllt sind. Es dauert eben, bis zwei Wohnanhänger und ein Wohnmobil morgens startklar sind, bis die Anhänger angekuppelt, die Beleuchtungstests durchgeführt und die Routen besprochen sind. Eine lange Mittagspause ist wichtig. Und abends nach der Ankunft: Abkoppeln, einrichten, Essen einkaufen, Essen zubereiten - Zusammensitzen. Manchmal war es dann schon zehn Uhr.

Und so haben sich auch die Schwerpunkte der Wahrnehmung geändert.

Was mir fiel stärker auffällt als je zuvor: Die Hilflosigkeit und Abhängigkeit eines schwer behinderten Menschen. Ich habe schon oft über Menschen mit Behinderung berichtet, habe sie in Einrichtungen oder zu Hause besucht. Ich weiß, wie schwer sie es haben. Doch noch nie habe ich so hautnah erlebt, wie jemand auf jede Handreichung angewiesen ist.

Joachim Friedrich zu begleiten, ist eine ganz neue Erfahrung: Ich ahne jetzt, was das für ein Gefühl sein muß, nur wenige Dinge selbständig erledigen zu können. Immer fragen und bitten zu müssen. Und sich deshalb manches zu versagen. Und nie, nie allein zu sein: Immer ist jemand in der Nähe - so sympathisch die Menschen auch sind - für mich wäre es unvorstellbar.

Das sind die Gedanken, die sich bei mir in den Vordergrund drängen. Die es mir auch leicht machen, so manche eigene Strapaze durchzustehen. Ist ja alles nicht so wichtig!

Wichtig ist, dass wir unser Ziel erreichen. Daß wir die Menschen aufmerksam machen auf die Situation kranker und behinderter Menschen. Und deshalb sind Tage schön wie es heute einer war: Wir wurden mit einem herzlichen Empfang in Rosenheim begrüßt - wir erfuhren so viel Aufmerksamkeit für unser Anliegen und soviel Zuspruch - behinderte Menschen, gesunde Menschen, Vertreter der Stadt und der Behindertenverbände, Pressevertreter - ein ganzer Saal voll Menschen hörte uns zu und sprach machte Mut, die Reise erfolgreich weiterzuführen.

Und so freue ich mich auf jeden Tag!

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Dienstag, den 19. August 2008

Mit dem Fahrrad als Begleitung von Herrn Friedrich im Rolli von München Süd-West nach Rosenheim / Campingplatz mit Blick auf die Alpen

Nun habe ich einen völlig anderen Blickwinkel von Allem bekommen.

Herr Friedrich hat es mit seiner Idee geschafft, dass ich mich nach vielen Jahren der Fahrradabstinenz wieder auf den Drahtesel geschwungen habe, um neben seinem Rolli her zu fahren, um ihm Begleitschutz zu gewähren.

Die Landschaft zu sehen - den Blick fast immer auf die Alpen gerichtet - und ein Gefühl von Freiheit zu spüren, waren wunderbar. Gleichzeitig habe ich mich über mich selbst gewundert dass "DIE ORGANISATION MUSKELSCHWUNDHILFE" mit der Reise nach Rom gegen den Pflegenotstand es schafft, dass ich mich dieser Herausforderung stelle.

Normalerweise fahre ich sehr gern Motorrad, wenn es mir denn meine wenige Freizeit erlauben würde.

Ich habe sehr viele neue Eindrücke gewonnen.

Wir wurden überall aufs Herzlichste aufgenommen und begrüßt.

Menschen an den Straßen winken und wir verursachen längere Autostaus.

Oft wird uns auch nur ungläubig nachgeschaut.

Aber es ist ein Gefühl von Freiheit, auf einer Anhöhe eine Rastzeit einzulegen und ins Tal zu schauen. Ich werde diese schöne Zeit genießen und versuchen die Herausforderungen nach bestem Gewissen zu meistern.

Einen lieben Gruß an alle Daheimgebliebenen, besonders an meine Familie!

Danke an Alle.

 

Märy aus Seevetal bei Hamburg

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Montag, 18.August 2008

Ich freue mich heute einfach hier zu sein und sage Danke an das gesamte Team.

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Sonntag, 17. August 2008

 

Der Besuch eines Gottesdienstes in der Münchner Frauenkirche.

Die Messe mit anschließendem Abendmahl war ein wunderbares Erlebnis. Wir wurden auf das Herzlichste begrüßt in einer Ansprache des Pfarrers und bekamen liebe Worte zu hören über unsere Reise nach Rom. Wir erhielten einen Segen, und man wünschte uns gutes Gelingen und dass uns auf dieser Fahrt nichts passiert, und dass wir heil und gesund wieder kommen.

Es waren sehr ergreifende Worte, die mir bis ins Herz gingen.

Anschließend genossen wir einen schönen Tag mit vielen Begegnungen und einem Ausflug in den wunderschönen ENGLISCHEN GARTEN von München.

Immer wieder fällt mir die Herzlichkeit und Gastlichkeit der Menschen auf bei all unseren Begegnungen. Ein Danke für diesen schönen Tag in München.

 

Märy aus Seevetal bei Hamburg

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*** Fotos der 4. Reisewoche, 11.8. bis 17.8.2008 ***

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Dony, 13.8.08

 

Ich erlebe die Reise als ein schönes Ereignis. Ich mache nicht immer alles richtig, aber die anderen verstehen das oft.

 

Alles ist anders als zu Hause. Das fängt mit dem Aufstehen an: Zu Hause stehe ich in den Ferien nicht so früh auf und koche auch keinen Kaffee. Ich bekomme auch sonst nicht mit, wie meine Mutter arbeitet.

 

Zu Hause essen wir morgens nicht in so großer Runde zusammen – Mama arbeitet und ist schon weg. Ich lasse mir sonst auch nicht soviel Zeit beim Frühstücken.

 

Ich finde es gut, dass wir viel gemeinsam unternehmen und dass ich mich mit allen gut verstehe.

 

Abends sitzen wir zusammen und essen – und wir bereden die Sachen für den nächsten Tag. Ich kann da nicht viel mitreden, aber ich höre gerne zu.

 

Nächste Woche muß ich leider nach Hause, und es wird mir sehr viel fehlen: Der Spaß und das Zusammensein mit den anderen.

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Anzelika, 13.8.08

 

Ich bin ganz begeistert von der Reise, die Herr Friedrich macht. Es geht um Hilfe für kranke und behinderte Menschen. Auf dem Weg besuchen wir Pflegeheime, wo die Menschen uns unsere Sorgen erzählen, und wir können unsere Pläne vorstellen: Bis hin zum Besuch des Papstes.

Es war schön, dass uns die Bürgermeister in den Städten zugehört haben. Es war auch schön, unterwegs viele Menschen zu treffen: Zum Beispiel kam ein Rollstuhlfahrer auf dem Campingplatz zu uns und hat von seinem Leben erzählt – wie er gegen seine Behinderung gekämpft hat. Er ist Rollstuhlsportler – hat Weltmeistertitel geholt – und will zeigen, dass man trotz Behinderung viel leisten kann. Bei Edeka kam eine Frau mit ihrer behinderten Schwester (sie ist mongoloid) und bat um Hilfe. Sie pflegt und betreut nicht nur die behinderte Schwester, sondern auch die Mutter, die 24 Stunden am Tag beatmet werden muß. Sie lebt in Amberg – und die Mutter möchte zurück in ihre Heimat Thüringen. Sie weiß nicht, wie sie das bewerkstelligen soll: Die Krankenkasse möchte den Liegend-Transport nicht bezahlen – sie bekommt keinerlei Beratung und Hilfe. Herr Friedrich hat zugesagt, sich darum zu kümmern, damit der Wunsch realisiert wird.

Ich bin auch begeistert, so viele schöne Städte kennenzulernen. Zum Beispiel Regensburg. Ich stand vor dem Dom: Wie gelähmt vor soviel Schönheit. Auch die Altstadt in Bayreuth hat mit sehr gut gefallen. Ich freue mich über das Zusammenleben im Team – wir haben viel Spaß und arbeiten gut zusammen.

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*** Fotos der 3. Reisewoche, 04.08. bis 10.8.2008 ***

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Artikel 3: Rollstuhlfahrer vorweg

 

Inzwischen sind seit dem Start unserer Romreise drei Wochen vergangen. Wir haben ganz neue Erfahrungen machen dürfen, von denen wir vorher nicht einmal geträumt hätten. Anfängliche Schwierigkeiten, wie deutlich zu machen, dass vor unserem Wohnwagen ein Rollstuhlfahrer fährt, haben wir dadurch gelöst, dass wir a) auf der Rückseite des Wohnwagens eine Aufschrift: Rollstuhlfahrer vorweg!!! und b) eine rotierende orangefarbene Lampe angebracht haben. Seitdem erleben wir viel mehr rücksichtsvolle und freundliche Verkehrsteilnehmer, die uns auch immer wieder Aufmunterungen wie „viel Glück, gutes Gelingen" u. ä. zurufen.

 

Ganz schwierig allerdings wurde es, als die gesamte Lichtanlage an unserem „Leitungswohnwagen“ ausgefallen war. Da war auch mein Latein zu Ende, und ein Werksattbesuch war angesagt. Nachdem der geschickte Autoelektriker die elektrische Verbindung zum Wohnwagen erneuert und dazu noch einige Kontakte und Glühlampen erneuert hat, konnte die Fahrt mit einem verkehrssicheren Gespann fortgesetzt werden.

 

Eine große und gleichzeitig spannende Herausforderung ist es, Joachim Friedrich in seinem Rollstuhl mit dem Fahrrad zu begleiten. Die Geschwindigkeit des Rollstuhls beträgt zwischen 10 und 11 km/h. Für einen Radfahrer zu langsam; doch muss man sich voll auf diese Geschwindigkeit einstellen. An Kreuzungen, Übergängen und Bürgersteigen / Radwegen, wird man zum unersetzlichen Assistenten. Ein Radweg, der mit einer hohen Bordsteinkante endete und ein Wenden des Rollstuhls unmöglich machte, konnte mit Hilfe eines freundlichen Passanten gelöst werden, indem wir mit vereinten Kräften den Rollstuhl auf die Straße hievten.

 

Da unsere deutschen Straßen im Norden unseres Landes sehr eben sind, werden sie im Süden zu einer echten Herausforderung. Denn da, wo der Rollstuhl mit unveränderter Geschwindigkeit weiterläuft, hatte ich bei so manchem „genommenen“ Berg das Gefühl, dass „es mich zerreißt“. Um einen Berg mit dem Fahrrad zu bezwingen, muss ein guter Anlauf genommen werden und so habe ich denn einige Male den Rollstuhl für kurze Zeit verlassen, um mit „Schmackes“ die Steigung zu schaffen. Doch die „richtigen“ Berge warten bereits. Darüber wäre noch zu berichten.

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Artikel 2: Zusammen draußen

 

Ich möchte heute beschreiben und Einblick geben, wie ein typischer Tagesablauf bei uns aussieht.

 

Nach allgemeinem „Schlaf aus den Augen wischen“ fängt der Tag gegen 8 Uhr, so wie es sein soll, mit Frühstück an. Mit lautem „Kaffee, Tee…“ sorgt Don King für ein Lebenszeichen und den so wichtigen heißen, frischen Kaffee, der die Lebensgeister weckt. Alle 8 Teilnehmer unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht so einfach.

 

Da wir 3 Wohnfahrzeuge haben. Kann jeder relativ leicht kalkulieren, dass im Wohnmobil, dem so genannten Männerhaus (ein Frauenhaus gibt es auch…), 4 Herren die Nacht auf sehr engem Raum verbracht haben und das es nicht immer einfach ist und ohne Probleme abläuft (Anmerkung von mir… „Ich kann nach diesen Erfahrungen nicht verstehen, warum Frauen aus freien Stücken mit Männern zusammenleben wollen. Alleine das allnächtliche Schnarchkonzert in ungeahnten Lautstärken ist eine große Herausforderung…)

 

Da ist das Frauenhaus und das Friedrich-Headquater doch wesentlich besser dran, hat aber natürlich dadurch auch wesentlich weniger Abenteuer und Spaß.

 

Nach Gebet fängt das allgemeine Stärken an. Brotmaster Siegfried geht ans Werk. Joachim bedient seine Diabetes, und die Erlebnisse der Nacht werden verarbeitet, die Pläne des Tages besprochen. In der 1. Woche war noch alles neu und spannend. In der 2. Woche haben wir uns Routine erarbeitet. Vieles ist einfacher, und ein Rad greift ins andere. Jetzt, in der 3. Woche, kommen wir uns noch näher. Was nicht immer problemlos abläuft - 8 Personen so eng auf einem Raum - 24 Stunden zusammen. Da ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ganz normal.

 

Bis jetzt haben wir alle Hürden gemeistert, aber es bedarf noch ein großes Stück Offenheit, Toleranz und guten Willen, dass es auch so bleibt. Auch eine Pilgerreise nach Rom unter solch einem Motto, mit lauter guten Vorsätzen und Gedanken, schönen Erlebnissen und tollen Begegnungen, verleiht den Teilnehmern noch keinen Heiligenschein.

 

Aber zurück zum Tagesbeginn. Frühstücken draußen in der Natur ist klasse. Wir alle verbringen mehr Zeit draußen unter freiem Himmel als sonst. Bis jetzt hat uns die Sonne sehr großzügig bedacht. Was einfach toll ist und hoffentlich so bleibt und als angenehmen Nebeneffekt das Käseweiß aus unseren blassen Gesichtern vertrieben hat.

 

Danach wird gepackt. Tische, Bänke, Planen, Sonnenschutz. Stromverbindungen gekappt. Fahrräder, Rollstuhl werden vorbereitet. Karten verteilt. Wohnwagen angehängt. Licht getestet. Alles so verpackt, dass es während der Fahrt nicht rutschen kann. Der Chef de Cuisine trifft Erasco-Vorbereitungen, damit die Truppe auf dem Weg nicht verhungert.

 

Dann geht es endlich los. Weiter Richtung Süden. Die Zeit rennt. Zeit für Besinnung und Einkehr ist auch hier rar. Um so schöner, wenn die Stationen und Campingplätze uns mit schöner Umgebung und wunderschöner Natur verwöhnen.

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Artikel 1: Campingplätze…

 

Ganz ehrlich ? Wir waren naiv am Anfang. Keiner hatte Campingerfahrung. Keiner kannte die notwendigen Kniffe und Tricks. Die Fahrzeuge waren Neuland. Rangieren ist immer noch eine großer Herausforderung.

 

Wir haben von Campingplatz zu Campingplatz mehr gelernt. Durch eigene Erfahrung, aber auch durch die sehr offenen und hilfsbereiten Mit-Camper. Man hilft sich eben, und das ist schön so. Überall stoßen wir mit unserem Tross, alleine schon durch die Anzahl an Fahrzeugen, auf Aufmerksamkeit. So viele bunt beklebte Fahrzeuge und Personen sieht man ja auch nicht oft.

 

Wenn Olli dann noch mit der Kamera auf der Schulter durchs Camp läuft, wird es spannend und aufregend. Es wird sich frisiert, geschminkt. Das Fernsehen ist da …. :-)

 

Unsere Wagenburg ist mit Sicherheit auch durch Ihre Lebendigkeit inzwischen weit bekannt.

 

Wir werden mehr und mehr Teil der Camper-Gemeinschaft und genießen es. Bis jetzt haben wir fast ausschließlich schöne bis sehr schöne Campingplätze besucht. Mal an einem Fluss, gerade die Saale hat uns verfolgt oder wir sie. Häufiger an einem See, was gerade bei der Wärme nach einem langen, anstrengenden Tag eine tolle Abkühlung bedeutet. Mal in einer Schlucht. Mal ruhiger. Mal belebter. Aber durchweg positiv. Idyllisch.

 

Was gehört zum Campen dazu ? Richtig, Grillen. Auch da haben wir es schon weit gebracht und grillen regelmäßig. Wenn wir so weitermachen, werden alle von uns mit mehr Gewicht nach Hause kommen. Die gute Küche und Verpflegung zeigt Wirkung. Pilgertour und kasteien? Fehlanzeige. Nicht zu vergessen, Österreich und Italien liegen erst noch vor uns.

 

Ein anderes Thema ist natürlich immer die Mode. „Metrosexualität“. Ein Camper hat sowas nicht nötig. Hier ist Männlichkeit gefragt. Anfassen können. Der Begriff „Kulturbeutel“ bekommt hier eine ganz andere Bedeutung. Zweimal duschen pro Tag? Quatsch. Einmal reicht. Ich mache normal ein bisschen Gel in die Haare. Aufgegeben.

 

Tägliches Rasieren? Nö. Selbst der Chef trägt jetzt das Hemd über der guten Stoffhose und die Haare offen. Siehe Bilder.

 

Ich kann jedem nur empfehlen, mal wieder zum Campen oder ins Planetarium zu gehen. Den Sternenhimmel anzusehen, ist einfach schön und soo romantisch. Also ran Männer. Punkten !! Die EM ist vorbei. Olympia läuft zwar aber…

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Sonntag, 3. und Montag, 4. August 2008 (Gera)

 

Zwei Wochen sind vorbei. Wir haben beschlossen, dass in den nächsten Tagen jedes Mitglied im Team seinen persönlichen Bericht schreiben wird.

 

Gera, 3. und 4. August

 

Tagebuch Joachim Friedrich

 

Ich habe in den ersten Etappen viele persönliche Erfahrungen gemacht. Aber das, was ich in Gera erlebte, wie man uns empfing und mit persönlichen Gefühlen annahm, ist für mich einzigartig. Das Auffällige: dass die Menschen sich mit uns beschäftigt haben, dass sie bereits im Vorfeld wussten, wer wir sind.

 

Die Programmpunkte, sie sie für uns vorbereiteten, sprechen für sich. Es begann mit einer Pressekonferenz und ging weiter mit einem ökumenischen Gottesdienst, der auf unsere Pilgerreise abgestimmt war. Wir konnten Kerzen anzünden und den Gemeindemitgliedern unsere persönlichen Beweggründe mitteilen. Wie wichtig den Vertretern der Stadt Gera unser Besuch war, spiegelt sich in dem gemeinsamen Essen, zu dem sie uns abends eingeladen hatten. Viele persönliche und zum Teil sehr individuelle Gespräche rundeten den Tag ab.

 

Am nächsten Morgen besuchten wir das Pflegeheim Edith Stein. Wir sprachen mit den Bewohnern. Nach anfänglicher Scheu entstand eine lebhafte Diskussion. Interessant war für uns das Gespräch mit der Heimleiterin und der Pflegedienstleiterin, die sehr offen ihre Probleme des Pflegealltags schilderten. Sie beklagten den Mangel an Zeit für persönliche Zuwendung den Heimbewohnern gegenüber. Dafür aber müssen die Mitarbeiter viel Zeit aufwenden, um Pflegedokumentationen zu erstellen. Verstärkt wird ihr Dilemma dadurch, dass viel zu wenig Pflegekräfte eingestellt werden können.

 

Der nächste Programmpunkt war ein Besuch bei einer von Muskelschwund betroffenen Frau. Dieser sehr persönliche Austausch zwischen mir und ihr war besonders intensiv. Ihre Probleme und meine Erfahrungen mit der Muskelkrankheit ähnelten sich sehr. Schön war, dass ich ihr persönliches Vertrauen gewinnen konnte. Daß dieser Kontakt über den Besuch hinaus auch weiterhin bestehen wird, freut mich sehr.

 

So, wie alles in Gera begann, setzte sich auch unser Abschied fort: Eine mir unbekannte Frau kam plötzlich zu mir, umarmte mich und erzählte mir unter Tränen, wie sie sich über unsere Pilgerreise nach Rom zum Papst freut. Der Hintergrund ihrer Emotionen ist, dass ihr Man an Parkinson erkrankt war und zwischenzeitlich verstorben ist. Als ich losfahren wollte, sprach mich ein Mann, der in seinem Auto saß, an. Auch er stellte voller Bewunderung fest, dass er die Notwendigkeit unserer Pilgerfahrt sieht. Er überreichte uns seine Visitenkarte und sagte: „Sie werden von mir noch hören. Als Geschäftsmann bin ich in der Lage, die Pilgerfahrt zu unterstützen.“ Der Grund seines Engagements ist seine persönliche Betroffenheit als Querschnittgelähmter und Rollstuhlfahrer.

 

Mit diesen emotionalen Erlebnissen startete ich die nächste Etappe nach Hof. Gera und seine Menschen haben auf mich einen nachhaltigen Eindruck gemacht, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Samstag, 2. August 2008

 

Wir sind schon zwei Wochen unterwegs, genießen die Ruhe auf dem komfortablen Campingplatz in Bad Kösen bei Naumburg. Wir wissen aus Telefongesprächen, dass viele Freunde und Bekannte enttäuscht sind, weil sie vergeblich nach unserer Tagebuch-Fortsetzung gesucht haben. Wir sagen: Sorry – und entschuldigen uns dafür. Aber wir sind immer noch dabei, unseren Rhythmus zu finden. Aufstehen, Frühstücken, Termine in den Orten oder Tagesstrecken, die häufig wegen schlechter Wege sehr viel länger sind als gepant -dazwischen Großeinkauf, Essenszubereitung für 8 Personen, Waschen, Diskussionen – da bleibt manches auf der Strecke. Aber nun sind wir wieder „da“ – und los geht’s erst mal mit einem Rückblick auf die vergangenen Tage:

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Freitag, 1. August 2008

 

Abends freundlicher Empfang in Naumburg: Auf dem Marktplatz begrüßt die Gleichstellungs- und Behinderten-Beauftragte der Stadt, Steffi Schikor, Joachim Friedrich und das Team. Sie verspricht ihre Unterstützung unserer Reise – denn auch sie kennt den Pflegenotstand aus eigener Anschauung. Konkret berichtet sie von ihren vielfältigen Bemühungen, die Stadt Naumburg behindertenfreundlich zu gestalten. Joachim Friedrich kann ihr nur zustimmen: Viele Pflasterstraßen in Naumburg sind mit dem Rollstuhl nur schwer zu befahren – schade, denn das Städtchen mit seinen schönen Häusern und dem bedeutenden Dom ist ein Erlebnis für jeden Gast!

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Sonntag, 27. Juli 2008 – Donnerstag, 31. Juli 2008

 

Wir lernen sehr unterschiedliche Campingplätze kennen – Barleber See bei Magdeburg, Bernburg, Seeburg bei Halle. Wir lernen Straßen kennen, die Joachim Friedrich als „Rollstuhl-Todesstrecken“ bezeichnet. Und wir lernen viele nette Menschen kennen, die mit uns über unser Vorhaben sprechen und von unterschiedlichen Erfahrungen berichten.

 

Beim „Prompt e.V.“ in Bernburg wird deutlich: Die Menschen mit Behinderung haben es nicht leicht, an die nötigen Informationen über ihnen zustehende Unterstützungen zu kommen. Noch fehlt die notwendige Infrastruktur. Behörden und Ämter sind viele Kilometer entfernt.

 

Jeden Tag wachen wir auf bei Sonnenschein – dann kommt die Hitze – macht vor allem für Rollstuhlfahrer Joachim Friedrich und den begleitenden Radfahrer die Tour zur Tortur....

 

Technik-Probleme: Eines Nachts fällt der Strom aus. Für uns Begleiter ist das nur lästig – für Joachim Friedrich eine Katastrophe: Sein Spezialbett funktioniert nicht mehr, lässt sich nicht verstellen. Dazu muß man wissen, dass er sich nur mit Hilfe der technischen Möglichkeiten dieses Bettes vom Rücken auf die Seite und umgekehrt bewegen kann. Auf der Suche nach dem Fehler wurde Stefan zum Helden: Er entdeckte eine funktionierende Steckdose am Bootshaus – der Rest der Nacht war gerettet.

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Sonntag, 27. Juli 2008

 

Kaum zu glauben, eine Woche lang sind wir schon unterwegs!

Und es war so viel los, so viel Neues zu entdecken, zu bedenken, zu organisieren, dass wir gar nicht zum Tagebuch-Schreiben kamen. Aber jetzt geht’s los:

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Samstag, 26. Juli 2008

 

Sonniger Fahrtag von Süplingen nach Magdeburg. Zuviel Sonne – Joachim Friedrich muß seine Hände vor Sonnenbrand schützen. Die Hitze (30 Grad) macht viele Stopps nötig, so dass wir erst relativ spät auf dem Campingplatz am Barleber See ankommen. Dort herrscht lebhaftes Treiben: Ein Sommerfest mit Ochs am Spieß und Unterhaltungsprogramm... Unsere Fahrzeuge erregen Aufmerksamkeit: Joachim Friedrich wird auf die Bühne gebeten und stellt seine Aktion vor. Das Publikum applaudiert und spendet für die Muskelschwundhilfe.

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Freitag, 25. Juli 2008

 

Empfang bei Bürgermeister Fuchs in Gardelegen. Er zeigt uns das idyllische Städtchen. Wir besuchen die Tages-Pflegeeinrichtung „Volkssolidarität“ und sind beeindruckt: Zum erstenmal hören wir von der Leiterin Schwester Sabine: „Wir haben ja genug Personal!“. In der farbenfroh gestalteten Tagesstätte werden auch Demenzkranke ganz nach ihren Bedürfnissen betreut – ein „Kindergarten für Erwachsene“.

Die zweite Einrichtung der „Volkssolidarität“ – die Begegnungsstätte – steht jedermann offen. Wie fit man hier bleiben kann, zeigt uns eine fröhliche Tanzgruppe – die älteste Teilnehmerin beim Holzschuhtanz („Holtentüffeln“) ist schon 80!

Jetzt steht noch Technik auf unserem Stundenplan: Wir wollen eine Warnlampe auf dem Wohnwagen anbringen, damit der davor fahrende Rolli auf der Straße besser gesichert ist. Siegfried Koril schafft eine elektrische Verbindung von Zugfahrzeug zur Warnlampe– lange nicht so einfach, wie er sich das gedacht hat...besonders, wenn lauter Laien mit klugen Sprüchen zusehen.

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Donnerstag, 24. Juli 2008

 

Fahrtag. Überraschung für Joachim Friedrich: Sein guter Freund und Vorstandskollege Peter Weise steht plötzlich an der Strecke. Er begleitet uns jetzt einen Tag lang mit seinem Smart. Er war einer der vielen, die Joachim Friedrich von der Tour abgeraten hatten. Jetzt ist er beruhigt, dass alles so gut läuft.

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Mittwoch, 23. Juli 2008

 

Empfang beim Bürgermeister Karl-Heinz Schultz und dem stellvertretenden Landrat Giese in Lüchow. Sie zeigen viel Verständnis für unser Anliegen. Beispiele aus Lüchow machen deutlich, dass hier viel für alte und behinderte Menschen getan wird.

Zur Erholung ein Spaziergang am See neben dem Campingplatz in Dannenberg. Joachim Friedrich rollt auf einen Steg und steht über dem Wasser. So etwas hat er schon lange nicht mehr erlebt: „Ich erinnere mich an alte Zeiten, als ich im Boot mit einer Angel im Schilfgürtel am See stand , um „Nichts“ zu fangen. Diesen Traum hat meine Muskelkrankheit mir genommen.“

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Dienstag, 22. Juli 2008

 

Auftakt: Sonne, blauer Himmel, Frühstück vor dem Wohnwagen. Es folgt ein Fahrtag mit Ziel Dannenberg. Anfänglich läuft alles gut. Wir haben festgelegt: Mirko Richter fährt mit dem Wohnmobil voran, um die Strecke zu überprüfen. Es folgt der erste Wohnwagen, der zweite Wohnwagen und Siegfried Koril auf dem Fahrrad begleiten Joachim Friedrich (die 10km/h des Rolli sind zu schnell, als dass man nebenher laufen könnte). Dann: Umleitungen, und wir landen auf der B 216. Der Radweg endet bei Dahlenburg. Rollstuhl und Fahrrad müssen auf die Straße. Ein LKW nach dem anderen rasen vorbei, überholen halsbrecherisch. Nehmen keinerlei Rücksicht. Wie gefährdet wir sind, wird deutlich, als ein Polizist anhält. Heinz Kern, unser „Retter“. Er überredet Joachim Friedrich, der eigentlich nicht aufgeben möchte, ins Auto umzusteigen. Die Straße sei einfach zu gefährlich. Immer wieder gebe es tödliche Unfälle.

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Montag, 21. Juli 2008

 

Wir wachen auf mit bösen Vorahnungen: Es hat die ganze Nacht geregnet – das Prasseln auf den Wagendächern übertönte sogar gelegentliches Schnarchen...

Wir drängen uns im Wohnwagen ums Frühstück. Doch alles hilft nichts: Der Bürgermeister von Lüneburg erwartet uns. Also. Mit Regenschirmen und in Schutzkleidung zum Rathaus. Bürgermeister Eduard Kolle empfing uns in der Sodmeister-Kör-Kammer. Er war beeindruckt vom Mut Joachim Friedrichs. Die Reise als Signal gegen den Pflegenotstand sei längst fällig. Er kenne Nöte und Kostendruck im Gesundheitswesen gut.

Abends: Immer noch Regen. Trotzdem grillen wir unter dem Vordach – die gute Laune lassen wir uns nicht verderben.

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Sonntag, 20. Juli 2008

 

Strahlender Sonnenschein: Viele Freunde hatten sich an der alten Süderelbbrücke versammelt, um uns zu verabschieden. Die Harburger Fußball-Altherrenauswahl, die sich schon oft für die Muskelschwundhilfe eingesetzt hat, entfaltete ein großes Transparent.Der NDR filmte fürs Hamburg Journal und für die Sendung „Menschen und Schlagzeilen“.

Punkt 10 Uhr gings los – immer am Deich entlang, Ein großes Erlebnis für Joachim Friedrich:“Ich habe nie gewusst, dass Rollstuhlfahren so toll und erlebnisreich sein kann. Noch nie in meinem Leben habe ich Natur und Gott so hautnah erlebt wie heute.“

Kleine Stärkung beim Künstlerehepaar Rousseau. Sie haben die Fackel nach einem Entwurf von Gestalter Peter Schmidt künstlerisch umgesetzt.

Böse Überraschung: Unser GPS leitete uns über Straßen, die eigentlich für einen Rollstuhl völlig ungeeignet sind. Und so dauerte es Stunde um Stunde, bis wir gegen 19 Uhr den Campingplatz „Rote Schleuse“ bei Lüneburg erreichten. Stolzes Ergebnis:70 Kilometer haben wir geschafft.

Zum erstenmal wurde die Wagenburg aufgebaut: Ein Spezialwohnwagen, der ganz auf die Bedürfnisse von Joachim Friedrich abgestimmt ist, ein zweiter Wohnanhänger und ein großesWohnmobil. Damals keine leichte Übung – heute funktioniert das schon viel besser.

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Samstag, 19. Juli 2008

 

Zum Start feierten wir mit Bekannten und Familie einen ökumenischen Pilgergottesdienst im Kleinen Michel. Dabei wurde eine Fackel entzündet und gesegnet, die uns auf dem ganzen Weg bis nach Rom begleiten wird. Sie soll für Menschen leuchten, die aus dem Blickfeld der Gesellschaft gefallen sind: Kranke, alte und behinderte Menschen.

Nach dem Reisesegen starteten wir zur ersten Etappe.

Gleich eine große Herausforderung für alle: Es regnete in Strömen, ein Unwetter war angekündigt. Amsinckstraße: Blitz und Donner – nur mit viel Mut war das auszuhalten. Siegfried und Renate Koril begleiteten Joachim Friedrich über die Elbbrücken bis nach Harburg.

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Die Aktion zum Pflegenotstand

 

Joachim Friedrich fährt mit dem Rollstuhl von Hamburg über die Alpen nach Rom. Mit dieser Aktion möchte der Vorsitzende der Deutschen Muskelschwundhilfe auf den Pflegenotstand aufmerksam machen. Viele Menschen rieten ihm davon ab. Sie waren der Meinung, dass für einen 70jährigen mit Muskelschwund die Reise viel zu anstrengend und beschwerlich sei. Doch Joachim Friedrich hat einen starken Willen. Er ist fest überzeugt, sein Ziel zu erreichen.

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Information zum Reisetagebuch (19.07.-24.09.2008)

 

Liebe interessierte Surfer,

 

hier an dieser Stelle finden Sie den Verlauf der "Pilgerfahrt nach Rom - Mit dem Rollstuhl über die Alpen" mit Berichten, Bildern & Videos, sofern diese schon vorhanden sind. Diese Einträge werden jeweils aktuell veröffentlicht und sind dann hier verfügbar.

 

Besuchen Sie diese Seite also gerne wieder und begleiten sie Herrn Joachim W. A. Friedrich auch online auf dem langen Weg von Hamburg nach Rom und der am 24.09.2008 dort stattfindenden Generalaudienz beim Papst.

 


Hier können Sie die gesamte Strecke mit allen Etappen betrachten:

Die Route im aktiven VirtualEarth-System

 

 

Für alle Reiseberichte, Bilder, Videos und andere Medien zu der Pilgerfahrt gilt:

Copyright (c) 2008 Deutsche Muskelschwund-Hilfe e.V., Hamburg

 

 

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