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Chronik der Therapiestudie
Die Weserbergland-Klinik in Höxter ist ein seit 1949 bestehendes Fachkrankenhaus für Physikalische Medizin. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren lag ein Schwerpunkt der Klinik in der Behandlung von Patienten mit spinaler Kinderlähmung, einer infektionsbedingten Nerven- und Muskelerkrankung. Bereits damals sammelte das Team auch Erfahrungen in der Therapie anderer neuromuskulärer Erkrankungen. Das physikalische Behandlungskonzept bei solchen Kranken sah laut Literatur ausschließlich die Ganzkörperisometrie nach Teirich-Leube in Verbindung mit der Klopf - Druck - Massage vor. Dynamische, mit Bewegung verbundene Übungen galten als schädlich.
1985 begann der Ärztliche Direktor und Chefarzt der 1. Inneren Abteilung der Weserbergland- Klinik, Prof. Dr. med. Georg Weimann, mit Unterstützung des Vorsitzenden der Deutschen Muskelschwund-Hilfe, Joachim W. A. Friedrich, eine Therapiestudie, die von 1992 bis 2005 von Chefarzt Dr. Claus-Rüdiger Arnold fortgeführt wurde. Sie sollte klären, ob neben Ganzkörperisometrie und Klopf -Druck -Massage auch andere physikalische Therapiemöglichkeiten bestehen. Die speziell zur Behandlung von Patienten mit verschiedenen Formen der Muskeldystrophie sowie der spinalen und neuralen Muskelatrophie eingesetzten Therapeuten erheben umfangreiche Funktionsbefunde zu Beginn und am Ende jeder stationären Therapie. Im Rahmen der täglichen krankengymnastischen Einzeltherapie werden teils isometrische, teils dynamisch orientierte Übungen im Trockenen oder im Wasser durchgeführt - in Verbindung mit leichten lockernden Massagen sowie warmen Bädern (Überwärmungsbäder nach Lampert). Zum Teil erfolgen auch spezielle Elektrotherapien zur Muskelkräftigung oder Analgesierung. Dieser Aspekt der Studie kann inzwischen als geklärt betrachtet werden.
Aufgrund der zwischenzeitlich gesammelten Erfahrungen wurde die Kombination der physikalischen Behandlungen im Laufe der Jahre mehrfach geändert. Diverse Auswertungen zeigten, dass die früher als schädlich geltenden Maßnahmen (dynamische Bewegungsübungen) von den Patienten durchaus gut vertragen werden und ihnen funktionell sogar mehr Gewinn bringen, als die früher übliche, einseitig ausgerichtete Therapie. Die in der Weserbergland-Klinik gemachten Erfahrungen sowie die entsprechenden Publikationen und Kongressvorträge führten dazu, dass diese Erweiterung des Therapiekonzeptes allgemein übernommen wurde und Eingang in die Literatur fand. Seit 1985 wurden im Rahmen der Studie knapp 2.000 Patienten während mehr als 3.500 stationärer Aufenthalte besonders intensiv untersucht und behandelt. In zahlreichen Vorträgen, insbesondere auf den Kongressen der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation, wurden die Ergebnisse dargestellt. Das 1994 im Pflaum-Verlag München, erschienene und von Georg Weimann herausgegebene Buch "Neuromuskuläre Erkrankungen - Grundlagen, Krankengymnastik, physikalische Therapie, Ergotherapie" fasste die bisherigen Ergebnisse zusammen und gilt derzeit als wesentliches Werk zur Behandlung solcher Patienten.
Um das Therapiekonzept bekannter zu machen, wurden neben zahlreichen Publikationen sowohl in der Weserbergland-Klinik als auch in anderen Orten Deutschlands Fortbildungsveranstaltungen für Therapeuten durchgeführt, die stets lebhaften Zuspruch fanden. Das ursprüngliche Ziel der so genannten Muskelstudie ist damit erreicht. Die Fortsetzung der Untersuchung soll nun die Frage klären, ob die den Alltag des Patienten betreffende funktionelle Verbesserung auch eine Verlangsamung des Krankheitsverlaufes insgesamt bewirken kann. Das zumeist über Jahre langsame Fortschreiten der Erkrankungen macht lange Beobachtungszeiten erforderlich, um den Verlauf ohne oder mit wiederholten Therapieserien beurteilen zu können.
Die Langzeitauswertungen zeigen für die entsprechenden Erkrankungen (verschiedene Formen der progressiven und myotonen Muskeldystrophie, spinale und neurale Muskelatrophie) bei regelmäßig behandelten Patienten nur ein sehr langsames Fortschreiten der Erkrankung, so dass sich durch die regelmäßig wiederholten stationären Therapiemaßnahmen möglicherweise eine Verlangsamung des Gesamtverlaufes erreichen lässt. Problematisch sind hierbei aber fehlende Daten zum Spontanverlauf, da eine unbehandelte Kontrollgruppe zur Beobachtung verständlicherweise nicht zur Verfügung steht.
Mittlerweile sind die Schwerpunkte des physiotherapeutischen Therapiekonzeptes am Behandlungszentrum Asklepios Weserbergland-Klinik in Höxter so differenziert, dass für jede Symptomkombination eine angemessene Behandlungslinie konzipiert werden kann.
Dr. Claus-Rüdiger Arnold,
Dr. Thorsten Diercks,
Martin Kemper
für das „Myopathie-Team“
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