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Therapiezentrum für Muskelkranke / Infos für Betroffene, Therapeuten & Ärzte






In der Weserbergland-Klinik in Höxter werden die Beschwerden neuromuskulärer Erkrankungen mit physikalischer Medizin gelindert. Seit 1985 wird in der Weserbergland- Klinik eine Therapiestudie an Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen durchgeführt, wobei die verschiedenen Formen der progressiven Muskeldystrophie, der myotonen Dystrophie sowie der spinalen und neuralen Muskelatrophie (HMSN = hereditäre motorisch- sensible Polyneuropathie) einbezogen wurden. Auch Patienten mit amyotropher Lateralsklerose sowie kongeniale und erbliche metabolische Myopathien wurden behandelt. Diesen Erkrankungen ist gemeinsam, dass effektive medikamentöse oder operative Behandlungsmaßnahmen nicht zur Verfügung stehen. Auch eine kausale Therapie steht nicht zur Verfügung. Die aus den verschiedenen Erkrankungen resultierenden Behinderungen sind außerordentlich vielfältig. Bei leichteren Verlaufsformen wird u. U. nur eine Schwäche der Muskulatur auffällig, in anderen Fällen entwickeln sich hochgradige Behinderungen mit völliger Hilflosigkeit und entsprechender Pflegeabhängigkeit. In vielen Fällen bestehen Kardiomyopathien mit Rhythmusstörungen, und/oder Herzinsuffizienz kommt dazu. Pulmonal entwickeln sich häufig restriktive Ventilationsstörungen, die bis zu einer vorwiegend nächtlichen intermittierenden Beatmungsbedürftigkeit führen können. U. U. entwickeln sich Sprach- und Schluckstörungen, Katarakte, Gallensteinleiden und bei einem Teil der Erkrankten auch ein intellektueller Abbau. Die Vielfalt der mit diesen Erkrankungen einhergehenden weiteren Symptome kann hier nicht im Einzelnen aufgelistet werden. Nur physikalische Therapien sind in der Lage, motorische Behinderungen, die in der Regel in Form von schmerzlosen Muskelschwächen, teilweise mehr distal, teilweise mehr proximal oder rumpfbetont auftreten und zu den erwähnten z. T. schweren körperlichen Behinderungen führen, zu lindern. Wir führen dynamisch orientierte Krankengymnastik sowohl im Trockenen als auch im Wasser im Schlingentisch und als Kombination durch, jedoch kommen auch isometrische Behandlungselemente zum Einsatz. Hinzu kommen Ganzkörperüberwärmungsbäder nach Lampert, die den Muskelstoffwechsel anregen und eventuell durch Fehlhaltung bedingte Muskelverspannungen lockern. Aus oft asymmetrisch auftretenden Muskelschwächen können Fehlhaltungen resultieren sowie Vernachlässigungen von Muskelgruppen im Alltag des Patienten, die erst konsekutiv durch Inaktivität zusätzlich atrophieren und dadurch die Behinderung weiter verstärken. Weitere Therapiemaßnahmen sind lockernde und den Stoffwechsel leicht anregende manuelle Massagen sowie kombinierte mittel- und niederfrequente Reizströme zur Muskelkräftigung und bei Bedarf zur Schmerzlinderung (z.B. bei Hyperlordosierung oder sonstigen Fehlhaltungen). In einem Teil der Fälle kann auch ein vorsichtig dosiertes apparatives, vom Krankengymnasten kontrolliertes Muskeltraining angezeigt sein. Je nach Symptomatik kommen weitere Maßnahmen aus dem gesamten Spektrum der physikalischen Medizin in Betracht. Im Rahmen der Ergotherapie erfolgt nicht nur ein funktionell ausgerichtetes Training insbesondere zur Verbesserung der Selbsthilfefähigkeit, sondern auch eine Beratung und gegebenenfalls eine Erprobung von Hilfsmitteln. Vor und nach der Behandlung wird ein sehr ausführlicher funktionsdiagnostischer krankengymnastischer Befund erhoben, bei dem die Kraft zahlreicher Muskelgruppen nach der BMC-Skala von 0 bis 5 und das Bewegungsausmaß der großen Gelenke und die lokale Ausdauer besonders der Extremitätenmuskulatur getestet werden. Bewegungen im Alltag können nun leichter und ausdauernder durchgeführt werden Die Auswertung von mehr als 1.000 Therapieverläufen (mittlerweile sind bereits über 2.000 Behandlungen erfolgt) hat gezeigt, dass in den meisten Fällen Steigerungen der lokalen muskulären Ausdauer für viele Muskelgruppen erreichbar sind. Die Gelenkbeweglichkeit kann in unterschiedlichem Ausmaß verbessert werden. Komplexe Bewegungsabläufe werden von den Patienten häufig leichter bewältigt. Die Patienten stellen ganz überwiegend fest, daß sie Alltagsbewegungen leichter und ausdauernder durchführen können und ihre Beschwerden insgesamt gelindert werden. Es erfolgen regelmäßig Laborkontrollen von CK und CKMB Ein Überblick über die hier durchgeführten Maßnahmen und die daraus resultierenden Ergebnisse findet sich in dem von Prof. Dr. med. Georg Weimann herausgegebenen Buch „Neuromuskuläre Erkrankungen“, erschienen im Pflaum-Verlag, München 1994. Im Rahmen der stationären Behandlung erfolgen tägliche ärztliche Visiten, um den Effekt und die Verträglichkeit der Therapien zu überprüfen und ggf. die Therapien zu verändern. Es erfolgen regelmäßig Laborkontrollen von CK und CKMB vor und nach körperlich fordernden Therapien zur Überprüfung der tatsächlichen Belastungsintensität. Bei Bedarf erfolgen eine neurophysiologische Überprüfung der Diagnose sowie eine internistische Abklärung von begleitenden Kardiomyopathien und eine medikamentöse Einstellung sowie die Überprüfung von Ventilationsstörungen im Schlaflabor, um festzustellen, ob eine assistierte intermittierende Beatmung notwendig ist. So können Pneumonien vermieden oder in der Häufigkeit wesentlich verringert werden. Im Rahmen von Patientenseminaren erfolgen Informationen über grundsätzlichen Aspekte von neuromuskulären Erkrankungen, ihre Genetik, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. Bei Bedarf wird ein Psychologe hinzugezogen. Der Effekt der hiesigen Behandlung hält zu Hause ein halbes bis ein Dreivierteljahr an. Da Patienten infolge ihrer Grunderkrankung nur nach vorsichtiger Austestung aktiv therapiert werden können und außerdem die Trainierbarkeit der Muskulatur ohnehin im Vergleich zum Gesunden vermindert ist, bedarf es einer speziellen Erfahrung bei Ärzten wie Therapeuten, und es ist in der Regel eine Behandlungsdauer von mindestens 30 Tagen nötig, um zu einer für den Patienten spürbaren funktionellen Verbesserung und Linderung zu kommen. U.U. ist auch eine längere Behandlungszeit erforderlich. Bei Nacherhebungen geben die Patienten an, dass der Effekt der hiesigen Behandlung zu Hause ein halbes bis ein Dreivierteljahr anhält, bis erneut die Schwächen verstärkt spürbar werden. Die Patienten können durch die Therapie länger selbständig bleiben Langzeitbeobachtungen an wiederholt bei uns stationär behandelten Patienten zeigten bei den oben angeführten verschiedenen Erkrankungen eine überraschend langsame Progredienz der Symptomatik, so dass wir von einer Verzögerung des Krankheitsverlaufes durch wiederholte stationäre, physikalische Behandlungen ausgehen. Wir haben in den letzten Jahren zunehmend häufiger beispielsweise junge Männer mit Duchenne´scher Muskeldystrophie gesehen, die, legt man die gängige Fachliteratur zugrunde, eigentlich schon längst hätten verstorben sein müssen. Ein Teil dieser jungen Männer (bis ca. 25/ 28 Jahre) ist sogar trotz schwerster Behinderungen meist noch in der Informationstechnologie berufstätig. Die in der Literatur angegebenen Lebenserwartungen werden auch bei anderen Krankheitsbildern zzt. deutlich überschritten. Entsprechende Auswertungen sind vorgesehen. Die Patienten können durch die Therapie z.T. länger selbständig bleiben (in der Regel mit entsprechenden Hilfsmitteln), und die Pflegeabhängigkeit wird vermindert oder verzögert. Die Patienten müssen mitarbeitsfähig und mitarbeitswillig sein. Der Grad der Behinderung spielt keine entscheidende Rolle. Im Rahmen der stationären Behandlung können auch schwer- und schwerstbehinderte Patienten versorgt werden. Insgesamt ist die Behandlung in der Weserbergland-Klinik als ganzheitliche Behandlung angelegt. Die Weserbergland-Klinik ist als Fachkrankenhaus für Physikalische Medizin im Krankenhausbedarfsplan Nordrhein-Westfalen enthalten. Es findet somit eine stationäre Behandlung gemäß § 39 SGB V statt. Eine entsprechende Kostenübernahme wäre erforderlich. Das Therapiezentrum für Muskelkranke in der Weserbergland- Klinik in Höxter wurde und wird weiterhin unterstützt durch die DMH in Hamburg. Dr. med. C.-R. Arnold, Chefarzt der Abteilung für Physikalische Therapie u. der Inneren Abteilung Unermüdlich Siegfried Heimer setzt sich als Mitglied des Vorstandes der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. hauptsächlich für die Weserbergland-Klinik ein. S. Heimer

 

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