Deutsche Muskelschwundhilfe e.V.

Spendenkonto:

Deutsche Muskelschwund-Hilfe e.V.
Hamburger Sparkasse

IBAN:
DE 66200505501230125005
BIC:
HASPDEHHXXX

Konto-Nr. : 1230 125 005
BLZ : 200 505 50

Jetzt Spenden

Bildung, Wohnen und gezielte Therapie unter einem Dach

Das DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf ist eine Einrichtung, von der wir bisher viel Gutes gehört haben. Ganz aktuell sind 2 der Jungs, die mit ihren Familien von uns betreut werden, nach Raisdorf gezogen. Grund genug, uns persönlich ein Bild von dieser Einrichtung zu machen.

Am 29.9.2015 empfingen uns Lutz-Rainer Dräger, der Sonderschulrektor des Landesförderzentrums körperliche und motorische Entwicklung Schwentinental und Siegfried Tietze vom DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf-Schwentinental. Im Gespräch stellten sie uns sehr ausführlich das Zentrum vor und führten uns durch die hell und freundlich gestalteten Gebäude. Sie zeigten uns u.a. die individuellen Klassenzimmer, die Wohn- und Aufenthaltsräume, die Werkstatt sowie den Therapiebereich mit Schwimmbad und Snoozleraum.

Das DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf wurde 1973 gegründet und ist eine pädagogische Einrichtung, in der Menschen mit Behinderung anhand ihrer geistigen, seelischen und körperlichen Fähigkeiten so individuell gefördert werden, dass sie ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben in unserer Gemeinschaft führen können. Besonders wichtig ist die Vernetzung aller pädagogischen, pflegerischen, psychologischen und therapeutischen Maßnahmen, die sich an den individuellen Bedürfnissen der Bewohner und deren Lebenssituation orientiert. Zum Zentrum gehören: Ein Internat mit dem Landesförderzentrum körperliche und motorische Entwicklung, das Christof-Husen-Haus  und das Norddeutsche Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche.

Das Landesförderzentrum bietet verschiedene Bildungsgänge: Grundschule, Hauptschule, Realschule, Förderschwerpunkt Lernen und Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung. Die erworbenen Bildungsabschlüsse entsprechen denen der Regelschulen. Ein Bereich der Schule ist als offene Ganztagsschule für teilstationäre Schüler anerkannt. Diese in der Nähe wohnenden Schüler werden morgens von einem Fahrdienst zur Schule gebracht und nachmittags wieder abgeholt.

Pro Klasse werden ca. 6-9 Schüler von einer Lehrkraft unterrichtet und zusätzlich von einer pädagogisch-pflegerischen Fachkraft betreut.

Im Internat gibt es zwei Wohn- und Betreuungsbereiche mit insgesamt 8 Wohngruppen, in denen die Kinder und Jugendlichen außerhalb der Unterrichtszeit mit bis zu 9 Kindern zusammenleben. Im Wohnbereich gibt es für jeden Schüler zwei Bezugsbetreuer, die als Ansprechpartner für die Schüler, Therapeuten, Lehrer, aber auch für die Eltern fungieren.

In den 4 Internatswohngruppen fahren die Bewohner jedes Wochenende und während der gesamten Schulferien nach Hause. Die anderen 4 Wohngruppen firmieren als Schülerheim und dort werden alle Bewohner, die nicht regelmäßig nach Hause fahren können, an 365 Tagen im Jahr über 24 Stunden betreut.

Im Schülerheim gibt es auch eine Erwachsenenwohngruppe für ehemalige Schüler, die einen höheren Schulabschluss an externen Schulen anstreben oder sich in der Ausbildung oder im Studium befinden.

Die in den Internatsalltag integrierten therapeutischen Maßnahmen für die Kinder und Jugendlichen finden im Haus statt. Ergotherapeuten,  Physiotherapeuten, Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Heilerziehungspfleger, Psychologen und viele weitere Fachkräfte sind ständig vor Ort. Zwei Logopäden kommen aus der näheren Umgebung ins Haus.

Die hausärztliche Versorgung der Internatsschüler wird durch einen niedergelassenen Neuropädiater gewährleistet, der zwei Mal in der Woche zur Visite kommt, aber natürlich auch bei akuten Erkrankungen hinzugezogen wird.

Ein Mal pro Woche kommt zudem ein vertraglich gebundener Facharzt der Orthopädischen Universitätsklinik Kiel, der auch schleswig-holsteinischer Landesarzt für Menschen mit Körperbehinderungen ist, zur Visite. Dieser Facharzt verordnet die notwendigen Therapien. Bei Bedarf werden auch Vertreter von Sanitätshäusern hinzugezogen, um z.B. Sitzschalenanpassungen zu besprechen. Die invasiv beatmungspflichtigen Bewohner werden regelmäßig von einem Internisten mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin betreut. Was die einzelnen Fachdisziplinen angeht, werden notwendige Maßnahmen individuell mit den Eltern abgesprochen. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die psychologische Betreuung. Diese erfolgt durch zwei Diplom-Psychologinnen des Zentrums in Einzelgesprächen, aber auch wenn nötig oder gewünscht, im Beisein von Familienmitgliedern, Lehrern oder Betreuern.

Vor dem Einzug ins Internat durchläuft jeder mögliche Schüler eine Diagnose- und Beratungswoche  in Internat und Landesförderzentrum, um Schul- und Wohnalltag zu erleben.

In Schleswig-Holstein läuft die Finanzierung der Diagnose- und Beratungswoche über die Eingliederungshilfe. Sollte sich die Familie für das Schul- und Therapiezentrum entscheiden, wird der dauerhafte Aufenthalt separat beantragt. In Hamburg ist das etwas anders. Hier muss bei der Schulbehörde gleich ein dauerhafter Aufenthalt beantragt werden. Der Schüler absolviert die Diagnose- und Beratungswoche und entscheidet dann, ob er bleiben möchte. Wenn ja, dann geht alles seinen geregelten Gang. Wenn nicht, dann muss der Antrag wieder gekündigt werden.

Das Christof-Husen-Haus (CHH) ist eine Einrichtung des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein e.V. und bietet 18 Wohnplätze für junge Erwachsene mit schwersten Körperbehinderungen. Die Bewohner erhalten im CHH ein behindertengerechtes Apartment sowie individuelle Betreuung, Förderpflege und Therapie. Die Einrichtung wendet sich primär an außergewöhnlich betreuungsbedürftige Menschen mit progressiven Muskelerkrankungen, schweren cerebralen Bewegungs- und Kommunikationsstörungen und hohen Querschnittslähmungen. Für die notwendige Pflege und Betreuung stehen qualifizierte pflegerische und pädagogische Fachkräfte zur Verfügung.

Die Schwentinentaler Werkstatt von “Die Ostholsteiner“ befindet sich im Untergeschoss des CHH und bietet 22 Arbeitsplätze in den Bereichen Layout & Print, Webservice, Kunsthandwerk. Abgesehen von den 18 Bewohnern des CCH arbeiten dort auch Menschen mit schwersten Körperbehinderungen aus der Umgebung. Zum Teil sind dies ehemalige Bewohner der CCH, die in der Zwischenzeit eine eigene Wohnung haben. Sie werden mit einem Fahrdienst zur Arbeit und wieder nach Hause gefahren.

Die Werkstatt ermöglicht Menschen mit schwersten Körperbehinderungen die Teilnahme am Arbeitsleben und bereitet diese für den ersten Arbeitsmarkt vor. Die Computerarbeitsplätze sind individuell auf die Bedürfnisse des Mitarbeiters zugeschnitten. Therapeutische Anwendungen sind auch während der Arbeitszeit möglich, um Fehlbelastungen zu vermeiden.

Das Norddeutsche Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche (NEZ), das auch zum DRK-Schul- und Therapiezentrum gehört, ist eine zertifizierte Kinderklinik, die auf die Behandlung von Epilepsien bei Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr spezialisiert ist.

Die Behandlung der Kinder und Jugendlichen in der Klinik erfolgt möglichst alltagsnah mit einem ganzheitlichen Behandlungsansatz, der die individuelle Lebenssituation jedes betroffenen jungen Menschen erfasst und therapeutisch berücksichtigt.

Klinische Schwerpunkte sind die epilepsiespezifische Diagnostik einschließlich EEG, Video-EEG-Monitoring, Neuropsychologie, Schul- und Sozialberatung sowie die Therapieplanung und -einleitung.

Die Dokumentation erfolgt über den elektronischen Behandlungskalender EPI-Vista, der während und nach dem stationären Aufenthalt alle behandlungsrelevanten Daten erfasst. EPI-Vista ist ein wichtiges Instrument für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen betroffenen Patienten, Eltern, zuweisenden Ärzten und dem Norddeutschen Epilepsiezentrum und erleichtert die Nachsorge erheblich.

Wir danken Herrn Dräger und Herrn Tietze, dass sie sich so viel Zeit für uns genommen und uns die Einrichtung gezeigt haben. Wir hatten den Eindruck, dass die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf wirklich in guten Händen sind.

DRK-Schul- und Therapiezentrum Raisdorf
Henry-Dunant-Straße 6-10
24223 Schwentinental
Telefon: 04307 / 909-00
www.drk-sutz.de