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Willkommen in Holland

Die US-amerikanische Schriftstellerin Emily Perl Kingsley wurde 1940 geboren und schrieb viele Jahre für das Team der Sesamstraße. Ihr Sohn Jason wurde 1974 mit Trisomie 21 geboren. In einem Essay von 1987 beschreibt sie, wie es sich anfühlt, ein Kind mit einem Handicap zu bekommen. Das Essay trägt den Titel

„Willkommen in Holland

Wenn man ein Kind erwartet, ist es ungefähr so, als würde man eine fabelhafte Urlaubsreise planen. Zum Beispiel nach Italien. Man kauft einen Haufen Reiseführer und macht wundervolle Pläne. Das Kolosseum. Der David von Michelangelo. Die Gondeln von Venedig. Vielleicht lernt man sogar schon mal ein paar praktische italienische Redewendungen. Es ist alles sehr aufregend. Nach Monaten der gespannten Erwartung ist endlich der Tag gekommen. Du packst deine Koffer und los geht’s! Nach der geglückten Landung einige Stunden später tritt die Stewardess ans Mikro und sagt: „Willkommen in Holland.“

„Holland?“ rufst du entsetzt und schaust dich panisch um. „Was soll das heißen: Holland? Ich hatte doch Italien gebucht! Ich sollte jetzt in Italien sein! Mein ganzes Leben habe ich davon geträumt, nach Italien zu reisen! Das kann doch wohl nicht wahr sein!“ Aber der Flugplan wurde geändert. Das Flug­zeug ist in Holland gelandet und dort musst du von Bord gehen. Das Erste was du feststellst ist, dass sie dich nicht in einem schrecklichen, dreckigen und von Krieg, Hunger und Seuchen geplagten Land ausgesetzt haben. Es ist einfach nur ein anderer Ort.

Also musst du losgehen und andere Reiseführer kaufen. Und du musst jetzt eine völlig neue Sprache lernen. Und du wirst viele besondere Menschen kennenlernen, denen du in Italien niemals begegnet wärest. Es ist nur ein anderer Ort. Es ist langsamer als Italien, weniger spektakulär. Aber wenn du eine Zeitlang dort bist und erstmal Luft geholt hast, schaust du dich um. Und du stellst fest, dass Hol­land Windmühlen hat… und Holland hat Tulpen. Holland hat sogar Rembrandts. Aber jeder, den du kennst, ist auf dem Weg nach Italien oder kommt gerade von dort und alle geben damit an, was für eine wundervolle Zeit sie in Italien hatten. Und den Rest deines Lebens wirst du sagen: „Ach ja… Ita­lien! Da wollte ich damals auch hin, das hatte ich auch für mich geplant.“

Der Schmerz darüber wird niemals vergehen, denn der Verlust dieses Traumes wiegt sehr schwer. Aber wenn du dein Leben nur damit verbringst, der Tatsache nachzutrauern, dass du nicht nach Ita­lien gekommen bist, wirst du niemals frei sein, die ganz speziellen und liebenswerten Seiten zu se­hen… von Holland.“

Gott und die besonderen Mütter

Von Emma Bombeck (übersetzt aus dem Englischen)

Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter. Manche freiwillig, einige unter gesellschaftli­chem Druck, andere haben es lange geplant und erhofft, und ein paar werden Mutter aus reiner Gewohnheit. Dieses Jahr werden mehr als 100.000 Frauen Mütter behinderter Kinder werden.

Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten die Mütter behinderter Kinder ausgewählt werden? Ich stelle mir Gott vor, wie er auf die Erde sieht und seinen Engeln Anweisungen gibt.

„Meier, Susanne: einen Sohn, Schutzheiliger Matthias.“
„Förster, Sabine: eine Tochter, Schutzheilige Caecilie.“

Schließlich nennt er dem Engel einen Namen und sagt lächlend: „Ihr gebe ich ein behinder­tes Kind“.

Der Engel fragt voller Mitleid: „Warum gerade ihr, oh Herr? Sie ist doch so glücklich.“

„Eben deswegen“, sagt Gott lächelnd. „Kann ich einem behinderten Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam.“

„Aber hat sie denn die nötige Geduld?“ fragt der Engel.

„Ich will nicht, dass sie zuviel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweiflung. Wenn der erste Schock und Zorn abgeklungen sind, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbständigkeit und Unabhän­gigkeit, der bei Müttern so selten und so notwendig ist. Verstehst du, das Kind, das ich ihr schenken werde, wird in seiner eigenen Welt leben. Und sie muss es dazu bringen, in der ihren zu leben. Das wird nicht leicht werden.“

„Aber Herr, soviel ich weiß ist ihr Glaube nicht besonders stark.“

Gott lächelt. „Das macht nichts, das bringe ich schon in Ordnung. Nein, sie ist hervorragend geeignet. Sie hat genügend Egoismus.“

Der Engel ringt nach Luft. „Egoismus? Ist das denn eine Tugend?“

Gott nickt. „Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen. Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde. Sie weiß es zwar noch nicht, aber sie ist zu beneiden. Nie wird sie ein gesprochenes Wort als Selbstver­ständlichkeit hinnehmen. Nie einen Schritt als etwas Alltägliches. Wenn ihr Kind zum ersten Mal „Mama“ sagt, wird ihr klar sein, dass sie ein Wunder erlebt. Wenn sie ihrem Kind einen Baum, einen Sonnenuntergang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöpfung sehen. Ich werde ihr erlauben, Vieles deutlich zu erkennen, was auch ich erkenne – Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile – und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben. Sie wird niemals allein sein. Ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie ihre Arbeit ebenso sicher tut, als wäre sie hier neben mir.“

„Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?“ fragt der Engel.

Da lächelt Gott: „Ein Spiegel wird genügen.“