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Aktuelle Einträge

Alle Einträge, auch ältere, finden sie in einer druckbaren Einzelansicht in unserem Archiv


Weitere umfangreiche medizinische FACHARTIKEL finden Sie hier.

 

24.08.2010 - Benefizkonzert der Künstler für ALS
24.08.2010 - Mitarbeit an Forschungsprojekt für die Entwicklung von Hilfsmitteln gefragt
22.04.2010 - Britische Forscher züchten Embryo mit Genmaterial von drei Menschen
22.04.2010 - Rütteln auf der Platte
22.04.2010 - Muskelschwund vorbeugen - Kraft behalten
05.04.2010 - Kunstprotein stoppt Muskelschwund
01.04.2010 - Forscher identifizieren die Muskelgene der Fruchtfliege
01.04.2010 - Muskelschwund oft unerkannt
25.03.2010 - Gentrick gegen Muskelschwund
12.03.2010 - Prinzessin Letizia bei Preisverleihung in Berlin
09.03.2010 - Gentherapie gegen Muskelschwund schlägt bei Mäusen an
27.01.2010 - Forscher entdecken bisher unbekannte Reparaturhelfer im Muskel
12.01.2010 - Der Muskel der Freude
06.11.2009 - Duchenne-Muskeldystrophie: Proof of concept gelungen ?
30.10.2009 - AUSDAUER: Training verhindert Muskelschwund
15.09.2009 - Gentherapie gegen Muskelschwund?
02.09.2009 - Liposomales Prednisolon in der experimentellen Therapie der Duchenne'schen Muskeldystrophie
02.09.2009 - Start der Phase III Studie mit Catena®/Sovrima® (Idebenone) in Duchenne MUSKELDYSTROPHIE
02.09.2009 - Ausdauertraining hilft Herzschwäche-Patienten
05.08.2009 - Mehr Mumm für geschwächte Muskeln
20.07.2009 - Wirkstoff gegen Muskeldystrophie entdeckt
14.06.2009 - Botenstoff lässt Muskeln sprießen
26.05.2009 - Muskeldystrophie - Kinder mit Op sind länger gehfähig
01.05.2009 - Erlanger Studie zur Muskelschwäche
05.04.2009 - Hilfe für Kinderherzen, Therapie bei Muskelschwund
02.04.2009 - Mediziner wollen Kindern mit Herzmuskelschwund helfen
01.04.2009 - Spinobulbäre Muskelatrophie: Zirkeltraining wirkt nicht
01.04.2009 - Muskelkraft regenerieren - Neue Konzepte zur Behandlung
01.03.2009 - Kassen müssen alternative Therapien zahlen
27.02.2009 - Behandlung mit Stammzellen in China
27.01.2009 - Wissenschaftler verwandeln Hautzellen in Nervenzellen
12.12.2008 - Neue Muskelkrankheit entdeckt
01.12.2008 - Muskelschwund-Therapie: Behandlungsansatz mit Korrektur-Gen
01.12.2008 - Erhöhtes Leberrisiko unter Paracetamol
04.10.2008 - Auf dem Laufband der Krankheit die Stirn bieten
01.10.2008 - Die Sportpille
01.09.2008 - Therapienetz Dystonie und Spastik gegründet
01.09.2008 - Leben mit neurologischen Erkrankungen
01.09.2008 - 7. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin
07.08.2008 - An den Einfallstoren des Dopings
28.07.2008 - Mögliche Therapie gegen Muskelschwund
01.07.2008 - Hoffnung bei Kardiomyopathie?
01.07.2008 - Atemerschöpfung bei Duchenne Muskeldystrophie
01.07.2008 - Diagnose Muskeldystrophie steht oft erst nach Jahren
01.07.2008 - Muskeldystrophie - Schneller Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen
18.06.2008 - Forschung für Patienten mit Muskeldystrophien
31.05.2008 - PTC124 anlässlich des dritten jährlichen Myologie Kongresses vorgestellt
19.05.2008 - Erbliche Muskeldystrophie: Erhöhtes Leberrisiko unter Paracetamol



24.08.2010 - Benefizkonzert der Künstler für ALS

 

Mehr Infos: http://www.stop-als.de

24.08.2010 - Mitarbeit an Forschungsprojekt für die Entwicklung von Hilfsmitteln gefragt

 

Eine Gruppe von Medizinern, Hirnforschern und Ingenieuren der Universität Freiburg arbeitet an einer zukunftsweisenden Technologie, mit der versucht werden soll, Hirnströme

zur Steuerung von technischen Hilfen zu nutzen.

Mit dieser Entwicklung könnten künftige Nutzer eventuell wieder mehr Möglichkeiten zu Bewegung und Sprache erhalten. Die Bedürfnisse von Betroffenen stellen zunächst eine Grundlage für die Zielrichtungen der weiteren Forschungsaktivitäten dar.

Deshalb werden Personen mit Behinderungen im ersten Schritt darum gebeten, sich an einer Patientenbefragung zu beteiligen. Die Wünsche und Erfahrungen sollen gleich zu Beginn in das Projekt mit einfließen. In Form eines Fragebogens wenden sich die Forscher an Personen mit schweren Körperbehinderungen im ganzen Bundesgebiet, mit der Bitte um Mitarbeit.

 

Der Fragebogen kann angefordert werden bei:

Universität Freiburg

Patientenbefragung – BMII,

Hauptstr. 1

79104 Freiburg

Mail: info.patientenbefragung@biologie.

uni-freiburg.de

Eine Online-Version steht zur Verfügung unter:

http://patientenfragebogen.brisc.uni-freiburg.de

 

Fragebogen für Patienten mit eingeschränkter Bewegungs- oder Sprechfähigkeit

Einführung

 

Sehr geehrte Damen und Herren, herzlichen Dank für Ihr Interesse an unserem Projekt und dem Patientenfragenbogen.

 

Hinter unserem Projekt steht eine Gruppe von Medizinern, Hirnforschern und Ingenieuren der Albert-Ludwigs-Universität und dem Universitätsklinikum Freiburg. Wir forschen derzeit an einer neuen Technologie, die gelähmten Menschen wieder mehr Möglichkeiten in Bewegung und Sprache eröffnen soll.

 

Mit diesem Fragebogen wenden wir uns bewusst an Sie als die Betroffenen. Es ist uns wichtig, Ihre Wünsche und Bedürfnisse von Anfang an in unsere Forschung und Entwicklung einzubeziehen.

 

Selbstverständlich behandeln wir Ihre Daten streng vertraulich. Wir werten Ihre Angaben intern aus und anonymisieren sie anschließend für die weitere Verarbeitung.

 

Es wird ungefähr 15-20 Minuten dauern, den Fragebogen auszufüllen. Falls Sie weitere Fragen haben sollten, zögern Sie nicht, sich an uns zu wenden. Sie erreichen uns über folgende Email: info.patientenbefragung@biologie.uni-freiburg.de

 

Wir bedanken uns schon vorab für Ihre Mitarbeit.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Dr. Jörn Rickert

Projektleiter

22.04.2010 - Britische Forscher züchten Embryo mit Genmaterial von drei Menschen

 

Britische Wissenschaftler haben einen Embryo mit dem Erbmaterial von drei Menschen gezüchtet und damit nach eigenen Angaben einen Durchbruch im Kampf gegen eine schwere Erbkrankheit erzielt. Die Forscher verwendeten befruchtete menschliche Eizellen, die von künstlichen Befruchtungen übrig waren, wie die Fachzeitschrift "Nature" berichtete. Ziel des Versuchs war es, Defekte der Mitochondrien, der "Kraftwerke" der Zellen, zu beseitigen.

 

Die Mitochondrien verfügen über eigene DNA. Defekte im Erbmaterial können zu schweren Krankheiten wie Blindheit, Taubheit oder Herzversagen führen. Der Studie zufolge hat einer von 250 Menschen fehlerhafte Mitochondrien. In vielen Fällen wirke sich der Defekt aber nur schwach aus; bei einem von 6500 Menschen treten allerdings schwere, teils tödliche Symptome auf.

 

"Was wir getan haben, ist wie das Wechseln der Batterie an einem Laptop", sagte Professor Douglass Turnbull, Neurologe an der Universität von Newcastle im Nordosten Englands. "Die Energieversorgung funktioniert dadurch richtig, aber die auf der Festplatte gespeicherten Informationen sind unverändert." Der Ansatz könnte dazu führen, dass Frauen mit einer mitochondrischen Krankheit ein Kind bekommen könnten, ohne den Gendefekt zu übertragen.

 

Die Wissenschaftler züchteten dazu einen Embryo aus dem Erbmaterial von zwei Frauen und einem Mann. Sie entfernten zunächst die Zellkerne von Mutter und Vater aus einer befruchteten Eizelle. Diese pflanzten sie in eine weitere Eizelle ein, aus der sie den Zellkern zuvor entfernt hatten. Erhalten blieben in dieser Eizelle jedoch die funktionierenden Mitochondrien. Die daraus neu entstandene Eizelle erhielt damit genetische Informationen von Vater und Mutter plus eine winzige Menge ihrer eigenen mitochondrialen DNA.

 

Die Arbeit der Wissenschaftler wird von der britischen Behörde für Embryonenforschung kontrolliert und gilt als ethisch umstritten. Turnbull räumte ein, dass nicht nur weitere Forschung nötig sei, sondern auch "die Bereitschaft der Menschen dafür, dass diese Arbeit Früchte trägt". Der Direktor der britischen Muskeldystrophie-Gesellschaft, Phil Butcher, bewertete die Forschungsergebnisse als vielversprechend für betroffene Eltern, die vielleicht "eine echte Chance haben werden, gesunde Kinder zu bekommen". "Diese Krankheiten können zerstörerisch sein, sie sind äußerst hart, man würde sie seinem ärgsten Feind nicht wünschen."

 

[Quelle:] AFP Agence France Presse, 15.04.2010

 

22.04.2010 - Rütteln auf der Platte


 

Vibrationstherapie wird bei Muskelschwäche und Osteoporose angewendet

 

VON GWENDOLYN TRÄGER

 

Van einem Bekannten habe ich erfahren, dass ihm eine spezielle Rüttelplatte gegen seine Rücken-schmerzen geholfen hat. Was hat es damit auf sich und wie sinnvoll ist diese Therapieform wirklich?

 

Ursprünglich kommt die Vibrationstherapie aus der Raumfahrt. Sie diente dazu, bei Astronauten Osteoporose (Knochenschwund) zu verhindern. „Die Vibrationen der Platte sprechen die körpereigene Wahrnehmung an”, sagt Dr. Birgit Siebert, Ärztin für physikalische und rehabilitative Medizin und Ärztin für Neurologie des Medizinischen Versorgungszentrums Kassel in der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel. „Dadurch werden die Muskeln reflektorisch stimuliert.”

Sinnvoll angewendet werde die medizinische Vibrationstherapie bei Muskelschwächen, die sich beispielsweise durch Rückenschmerzen bemerkbar machen können oder nach Operationen auftreten. Auch bei Sportlern sei diese Therapieform sinnvoll, etwa um die Muskulatur nach einer Sportverletzung langsam wieder aufzubauen. Aber auch bei Verspannungen, Osteoporose, Parkinsonpatienten und bei Patienten, deren Gleichgewicht und Koordination verbessert werden müssen, sei die Rüttelplatte einsetzbar.

 

Die Vibrationsplatte, auf der der Patient in unterschiedlichen Positionen steht, bewegt sich mit kaum sichtbarem Hub in hoher Frequenz (bis zu 60 Mal pro Sekunde) nach oben und unten. Die Muskulatur des gesamten Körpers reagiere auf diesen Reiz mit Anspannung und werde automatisch zum Wachstum angeregt. Die Stimulation der knöchernen Strukturen führe zu einer Zunahme der Knochendichte - die Gefahr für Knochenbrüche bei Osteoporose werde reduziert.

„Eine Trainingssequenz dauert zwischen fünf und 15 Minuten und ermöglicht einen effektiven, aber gelenkschonenden Effekt”, sagt Dr. Siebert. Doch bevor man sich auf die Platte stellt, erfolgt ein ärztliches Vorgespräch. „Dabei wird gemeinsam mit dem Patienten ein passendes Programm erarbeitet.” Immerhin gibt es über 100 Übungen.

 

„In kürzerer Zeit als mit dem üblichen Training wer-den die Knochendichte erhöht, der Körperfettanteil reduziert und die Kraftleistungen gesteigert.” Zwei Therapie-Einheiten pro Woche seien empfehlenswert. Angeleitet werden die Patienten von geschultem Personal. Bisher wird die Vibrationstherapie von den Krankenkassen nicht gefördert. Beim Medizinischen Versorgungszentrum beispielsweise kostet eine Zehner-Karte 100 Euro.

 

Foto:] Gegen Muskelschwund: Dr. Birgit Siebert zeigt Jessica Bauer (21) eine Übung auf der Rüttelplatte. Foto: Träger

 

[Quelle:] HNA Hessische Allgemeine Kassel, Ausgabe 07.04.2010

 

22.04.2010 - Muskelschwund vorbeugen - Kraft behalten

 

Selbst gesunde Menschen verlieren im fortgeschrittenen Alter an Muskelmasse. Bis zum 80. Lebensjahr gehen etwa 30 Prozent verloren, erläutert Professor Dr. med. Jürgen Schölmerich von der Universität Regensburg: „Wir spüren dies nicht, da sich die meisten Tätigkeiten im Alltag heute mit geringer Muskelmasse bewältigen lassen. Die Diagnose Sarkopenie wird oft erst gestellt, wenn es zu einem Sturz gekommen ist.”

 

Gefährliche Kettenreaktion

 

Tatsächlich ist die Muskelschwäche die häufigste Ursache für Stürze im Alter. Auch an den Sturzrisiken Nummer zwei und drei, den Störungen von Gang und Gleichgewicht, ist häufig eine Muskelschwäche beteiligt. Viele Stürze führen zu Knochenbrüchen. Die Folge sind lange Krankenhausaufenthalte. Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen können dann zum Tod führen. Professor Schölmerich: „Die Sarkopenie gehört eindeutig zu den unterschätzten Gesundheitsrisiken im Alter.”

 

Beweglichkeit testen

 

Bei übergewichtigen Menschen ist die Sarkopenie oft schwer zu erkennen. Ein Zeichen kann ein Wadenumfang von weniger als 31 Zentimeter sein. Die gestörte Beweglichkeit prüft der Arzt mit dem „Timed Up & Go Test”: Gemessen wird die Zeit, die ein Patient benötigt, um von einem Stuhl mit Lehne aufzustehen, drei Meter nach vorne und zurück zu gehen und sich wieder zu setzen.

„Bei einer Sekundenzahl ab 14 ist die Gangsicherheit eingeschränkt; ab 20 Sekunden die ganze Mobilität”, weiß der Experte.

 

Sport und Vitamin D

 

Dabei sei eine Sarkopenie kein unvermeidbares Schicksal. Muskel-kraft und Beweglichkeit lassen sich auch im Alter durch Sport steigern. Fünf Mal in der Woche eine halbe Stunde Haus- und Gartenarbeit, Treppensteigen oder ein Spaziergang stärken die Muskeln.

Die Muskeln benötigen aber auch genug Eiweiß und Vitamin D. Studien haben gezeigt, dass eine aus-reichende Vitamin D-Zufuhr die Sturzrate von älteren Erwachsenen um bis zu 50 Prozent senken kann.

 

[Quelle:] Blickpunkt Gesundheit, Ausgabe 01.04.2010

 

05.04.2010 - Kunstprotein stoppt Muskelschwund

 

Rom - Wissenschaftler des Istituto di Biologia e Patologia Molecolari (http://www.ibpm.cnr.it) und des Istituto di Neurobiologia e Medicina Molecolare (http://www.inmm.cnr.it) haben ein Kunstprotein entwickelt, durch das die genetisch bedingte Muskeldystrophie "Duchenne" (DMD) aufgehalten werden kann. Mit Hilfe von "Jazz", so die Bezeichnung für die Entdeckung der Forschergruppe, wird in dem erkrankten Muskelgewebe die Konzentration des dem Dystrophin ähnelnden Utrophins angehoben.

 

Eine von 3.000 Neugeburten ist infolge einer Mutation des X-Chromosoms von DMD betroffen. Folge ist ein fortschreitender Mangel an Dystrophin, das einen entscheidenden Beitrag zur Muskelstabilität während der Kontraktionsphase liefert. Trotz zahlreicher Fortschritte in der Medizinforschung gibt es bislang keine wirksame Therapie. Der Krankheitsverlauf ist von einem progressiven und irreversiblen Verlust der Bewegungs- und Atmungsfähigkeit begleitet.

 

Künstliches Protein stoppt Krankheit

 

"Mit Hilfe des durch Genmanipulationen an Mäusen entwickelten Kunstproteins und des dadurch gesteigerten Utrophin-Gehalts können die Funktionen des Dystrophin-Gens übernommen werden", erklärte Projektleiter Claudio Passananti. "Es hat sich gezeigt, dass bei von dem Muskelschwund befallenen Mdx-Mäusen die Weiterentwicklung der Krankheit aufgehalten werden konnte."

 

Grund dafür sei die Tatsache, dass "Jazz" das vom Utrophin benutzte Gen im Muskelgewebe erkennt und dessen Wirkungsweise beschleunigt. Diese Erkenntnis bedeute einen wichtigen Beitrag im Dienste der Biotechnologie, der damit ein neues Instrument zur Bekämpfung von Gen- und Krebskrankheiten zur Verfügung stehe.

 

Die von den italienischen Forschern durchgeführte Untersuchung ist von der italienischen Stiftung Telethon und der Landesregierung des Latium mitfinanziert worden. Einzelheiten können in der internationalen Fachzeitschrift "Human Molecular Genetics" nachgelesen werden. Ein mit der israelischen Firma Ilit-Bio Ventures getroffenes Abkommen sieht vor, das auf dieser Technologie basierende Know-how kommerziell zu nutzen, während das dazugehörige Patent weiterhin in den Händen des italienischen Forscherteams verbleibt.

 

[Quelle:] (pte/15.03.2010)

 

01.04.2010 - Forscher identifizieren die Muskelgene der Fruchtfliege

 

London (ddp). Europäische Forscher haben bei der Fruchtfliege 2785 Gene gefunden, die für die Muskelentwicklung und -funktion verantwortlich sind. Um das genetische Programm zu entschlüsseln, waren zudem über 25 000 Flugtests mit Drosophila melanogaster erforderlich. Bei der Analyse sind auch die Genmutationen festgestellt worden, die zu Muskeldefekten führen.

Dieses Wissen dürfte künftig bei der Behandlung von Erkrankungen des Menschen nützlich sein, denn viele Muskelgene der Fruchtfliege sind auch beim Menschen vorhanden. Ihre Studie stellen die Wissenschaftler um Frank Schnorrer vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried im Fachmagazin «Nature» vor (doi: 10.1038/nature08799).

 

Ähnlich wie der Mensch besitzt die Drosophila melanogaster verschiedene Typen von Muskeln: Sie lassen etwa Fliegenlarven langsam kriechen oder die Flügel der erwachsenen Fliege blitzschnell schlagen. Um die Rolle des Erbguts bei der Ausbildung und Steuerung der Muskeln zu untersuchen, analysierten die Forscher systematisch alle 12 000 Gene der Fruchtfliege. Durch über 25 000 Flugtests fanden sie 2785 Gene, die dabei eine maßgebliche Funktion übernehmen. «Ein Teil dieser Gene wird in allen Muskeln gebraucht, ein anderer Teil nur in den sehr schnellen, sehr kraftvollen Flugmuskeln», sagt Biochemiker Schnorrer. Die Flugmuskeln der Insekten gehören zu den kräftigsten Muskeln im Tierreich: «Sie können bis zu 100 Watt pro Kilogramm Muskelmasse erzeugen und das über einen langen Zeitraum. Davon können Bodybuilder oder Tour-de-France-Fahrer nur träumen.» Diese schaffen dauerhaft etwa 30 Watt pro Kilogramm Muskelmasse.

 

Identifiziert wurden unter anderem die Gene, die für die Organisation von Muskeln zuständig sind sowie für die Ausbildung der Muskelfibrillen. Diese Einheiten der Muskelzelle regeln das Zusammenziehen des Muskels. Sie bestehen aus vielen zusammengeschalteten Sarkomeren, die sich als kleinste Arbeitseinheiten der Muskulatur zur Kontraktion verkürzen. Bei der Analyse entdeckten die Forscher auch die Ursachen für Defekte wie fehlende Muskeln, verdünnte und degenerierte Muskelfibrillen oder verklumpte Sarkomere.

 

Viele der bei Drosophila melanogaster gefundenen Gene sind auch im Menschen vorhanden und werden wahrscheinlich ebenfalls für eine normale Muskelfunktion benötigt. Eine Veränderung dieser Gene führt häufig zu Muskelerkrankungen. So ist beispielsweise bekannt, dass Mutationen in den Laminin-Genen für eine bestimmte Form von degenerativen Muskelerkrankungen, die Muskeldystrophie,

verantwortlich sind. Laminin ist ein Eiweiß, das beim Aufbau der Zellkernhülle gebraucht wird. «Das Wissen über solche Zusammenhänge könnte in Zukunft helfen, Muskelerkrankungen früher zu erkennen und individuell zu behandeln», hofft Schnorrer.

 

Der menschliche Körper besteht aus 10 bis 100 Billionen Zellen. Dabei ist nicht jede Zelle gleich: 200 verschiedene Zell- und Gewebetypen machen den menschlichen Körper aus. Während seiner Entwicklung durchläuft jeder dieser Zelltypen ein bestimmtes genetisches Programm, an dessen Ende rote Blutkörperchen Sauerstoff transportieren, Neuronen elektrische Signale weitergeben und Muskeln mechanische Kräfte erzeugen können.

 

[Quelle:] ddp, 10.3.2010

 

01.04.2010 - Muskelschwund oft unerkannt

 

WIESBADEN Der Abbau der Muskelmasse im Alter bleibt bei vielen Menschen unbemerkt. Bis zum 80. Lebensjahr gingen etwa 30 Prozent der Muskelmasse verloren, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Stuttgart. Ob die Beweglichkeit beeinträchtigt ist, prüfe der Arzt über einen Test: Er misst, wie lange ein Patient benötigt, um von seinem Stuhl aufzustehen, drei Meter nach vorne und zurück zu gehen und sich wieder

zu setzen. Dauert das 14Sekunden oder länger, sei die Gangsicherheit eingeschränkt. Muskelkraft und Beweglichkeit lassen sich auch im Alter steigern. Ältere Menschen sollten sich fünf Mal pro Woche eine halbe Stunde körperlich betätigen, etwa bei Garten- oder Hausarbeit, Treppensteigen, Nordic Walking, Gymnastik oder bei einem ausgedehnten Spaziergang.

 

Holsteinischer Courier, Ausgabe 05.03.2010

 

25.03.2010 - Gentrick gegen Muskelschwund

 

Columbus. (ddp/tlz) Der genetisch bedingte Muskelschwund bei Kleinkindern könnte sich künftig durch eine Genreparatur beheben lassen. US-Forscher haben Mäusen, die an der Spinalen Muskelatrophie erkrankt sind, ein manipuliertes Virus injiziert. Bei den Nagern schlug die Therapie an, und nun ist der Transportmechanismus auch an einem Affen erfolgreich getestet worden. Ihre Ergebnisse stellen Brian Kaspar und Arthur Burghes von der Ohio State University in Columbus im Fachmagazin „Nature Biotechnology” vor.

 

[Quelle:] Thüringische Landeszeitung, Ausgabe 02.03.2010

 

12.03.2010 - Prinzessin Letizia bei Preisverleihung in Berlin

 

Berlin (dpa/bb) - Für neue Therapieansätze bei einer schweren Muskelerkrankung bekommen zwei Mediziner aus Ulm und Heidelberg den Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2010. Zur feierlichen Übergabe des Preises am Montagnachmittag in Berlin wurde Prinzessin Letizia (37), die Ehefrau des spanischen Thronfolgers Felipe, erwartet. Eva Luise Köhler, die Frau des Bundespräsidenten, sollte die Auszeichnung anlässlich des 3. Europäischen Aktionstages für Menschen mit seltenen Erkrankungen überreichen.

 

In diesem Jahr geht der Preis an die Ulmer Ärztin Karin Jurkat-Rott und den Heidelberger Radiologen Marc-Andre Weber. Die Auszeichnung würdigt einen neuen Behandlungsansatz bei einer seltenen Form des Muskelschwunds und ist mit 50 000 Euro dotiert. Von der hypokaliämischen periodischen Paralyse (HypoPP) ist durchschnittlich einer von 100 000 Menschen betroffen.

 

An der feierlichen Auszeichnung am Nachmittag in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom wollten auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) teilnehmen.

 

HypoPP-Erkrankte leiden an Muskellähmungsattacken an Armen und Beinen, die oft nachts auftreten und günstigenfalls nach Minuten oder Stunden aufhören. Meist beginnt die Krankheit im Kindesalter. Wird der Patient älter, kann die Muskelschwäche jedoch dauerhaft sein.

 

«Wir freuen uns sehr über die hohe Auszeichnung und das Preisgeld. Damit können wir eine sehr teure Magnetspule für den Kernspintomographen finanzieren», sagte Jurkat-Rott. Die Medizinerin hatte 2009 die Zusammenhänge zwischen gelähmten Muskelfasern und niedriger Kaliumkonzentration entdeckt. Durch ein Medikament konnte sie erreichen, dass zwei junge Frauen, die schon im Rollstuhl saßen, nun wieder gehen können. Jetzt möchte die Ärztin zusammen mit ihrem Radiologen-Kollegen Ansatzstellen für weitere Medikamente ausfindig machen, weil die derzeit eingesetzten Mittel schwere Langzeit-Nebenwirkungen haben.

 

Eine Krankheit gilt als selten, wenn von 10 000 Menschen weniger als fünf betroffen sind. In Deutschland leben rund vier Millionen Menschen mit einer der etwa 6000 bekannten seltenen Erkrankungen. Der Preis, der Forschungsvorhaben dazu anstoßen und vorantreiben will, wird seit 2008 von der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung zusammen mit der Allianz Chronischer Seltener Erkrankungen (ACHSE) vergeben.

 

[Quelle:] Nachricht vom 01.03.2010

 

09.03.2010 - Gentherapie gegen Muskelschwund schlägt bei Mäusen an

 

London (ddp). Der genetisch bedingte Muskelschwund bei Kleinkindern könnte sich künftig durch eine trickreiche Genreparatur beheben lassen. US-Forscher haben Mäusen, die an der Spinalen Muskelatrophie erkrankt sind, ein manipuliertes Virus injiziert. Dieses enthielt die gesunde Version eines Gens, das bei den vierbeinigen Patienten nur noch reduziert arbeitet und so zum Muskelschwund führt. Bei den Mäusen schlug die Therapie an und nun ist der Transportmechanismus auch an einem Affen erfolgreich getestet worden. Ihre Ergebnisse stellen Brian Kaspar und Arthur Burghes von der Ohio State University in Columbus im Fachmagazin «Nature Biotechnology» vor (doi:10.1038/nbt.1610).

 

Die Spinale Muskelatrophie wird durch einen Gendefekt ausgelöst: Das sogenannte Survival-Motor-Neuron-Gen funktioniert nicht mehr richtig. Weil sich die motorischen Nervenzellen im Rückenmark immer weiter zurückbilden, werden die Impulse vom Gehirn an die Muskeln nicht mehr weitergeleitet, was zu ihrer kontinuierlichen Schwächung führt. Die Krankheit endet häufig mit einem sehr frühen Tod.

 

Die Forscher um Kaspar hatten schon in früheren Studien gezeigt, dass modifizierte Viren Gene zu den Zellen im Rückenmark bringen können: Sie injizierten das Virus frisch geborenen Mäusen und beobachteten, wie auch das Gen auf diese Weise ins Blut gelangte. In Zusammenarbeit mit Muskelschwund- Forscher Arthur Burghes entwarfen die Wissenschaftler nun einen neuen Therapieansatz gegen Spinale Muskelatrophie: In Versuchen mit kranken Mäusen schickten sie Viren zu den fehlerhaften Nervenzellen. Die Viren hatten sie zuvor so verändert, dass sie ein gesundes Survival-Motor-Neuron-Gen enthielten. Die Therapie zeigte erstaunliche Wirkung: Tiere, die ohne Behandlung innerhalb von 15 Tagen starben, lebten nun über 250 Tage lang. Außerdem verbesserte sich auch ihre Muskelfunktion wesentlich. Andere Therapieansätze verlängerten das Leben der Tiere lediglich um 45 Tage.

 

Um zu überprüfen, ob die Therapie auch beim Menschen angewandt werden könnte, haben die Forscher schon erste Schritte unternommen: Sie markierten das manipulierte Virus mit einem fluoreszierenden Gen, das dank seiner Leuchtkraft leicht zu verfolgen ist. Das Präparat injizierten sie einem frischgeborenen Javaneraffen. Auch in diesem Fall gelangte das Gen dorthin, wo es hin sollte: Es wurde von den Viren zielgenau bei den motorischen Nervenzellen im Rückenmark abgeliefert. Die Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass ihre Muskelschwund-Therapie wohl auch bei allen Primaten funktioniert und damit vielleicht auch bei Menschen.

 

[Quelle:] ddp Themendienst Wissenschaft, 28.02.2010

 

27.01.2010 - Forscher entdecken bisher unbekannte Reparaturhelfer im Muskel

 

London (ddp). In den Muskeln leben bislang unbekannte Zellen, die sozusagen eine gespaltene Persönlichkeit haben: Sie sind einerseits unverzichtbare Reparaturhelfer bei einer akuten Verletzung, bergen jedoch andererseits ein großes zerstörerisches Potenzial, das unter anderem Krankheiten wie Muskelschwund oder den Verlust der Muskulatur im Alter mitverursacht. Das hat ein kanadisches Forscherteam bei Experimenten mit Mäusen entdeckt. Sollte sich herausstellen, dass es eine ähnliche Zellpopulation auch in menschlichen Muskeln gibt, könnten neue Therapieansätze gegen Muskelschwund entwickelt werden, die auf diese Zellen zugeschnitten sind, schreiben Aaron Joe von der University of British Columbia in Vancouver und seine Kollegen im Fachmagazin «Nature Cell Biology» (doi: 10.1038/ncb2015).

 

Die neuentdeckten Zellen, von den Forschern «FABs» getauft, unterscheiden sich deutlich von anderen Zelltypen im Muskel. Wie eine Analyse eines Maus-Muskels zeigte, kommen sie mit einem Anteil von 15 Prozent an allen Zellen unerwartet häufig vor. Zudem haben diese Zellen eine merkwürdige Eigenschaft: Werden sie in eine Kulturschale gegeben, verwandeln sie sich nicht etwa in Muskelfasern, sondern in Fettzellen oder in Fibroblasten, den Hauptzelltyp des Bindegewebes. Ob sie das auch im Körper selbst machen, hängt dabei offenbar von der Umgebung ab, zeigten weitere Tests. Werden die FABs beispielsweise in einen gesunden Muskel injiziert, passiert überhaupt nichts. Gelangen sie hingegen in verletztes Muskelgewebe, bilden sie auch hier Fett-und Bindegewebe.

 

Aufgrund ihrer Ergebnisse stellen sich die Wissenschaftler die Rolle der FABs so vor: Im gesunden Muskel spielen die Zellen offenbar keine Rolle, denn sie befinden sich bei Anwesenheit intakter Muskelfasern in einer Art Tiefschlafphase - vermutlich, weil die Muskelfasern ihre Aktivität gezielt unterdrücken. Sobald der Muskel allerdings verletzt wird, wachen sie auf und beginnen als schnelle Eingreiftruppe die Heilung zu koordinieren: Sie verwandeln sich in Fett- und Bindegewebszellen und produzieren in dieser Form wichtige Signalstoffe, die den Muskelstammzellen dabei helfen, neue Muskelfasern zu bilden. Anschließend verschwinden die faserig-fettigen Bereiche wieder, und der Muskel kann seine normale Arbeit wieder aufnehmen.

 

Handelt es sich allerdings nicht um eine akute Verletzung, sondern eine langfristigere Schädigung, zeigt sich der Nachteil dieses Reparatursystems: In diesen Fällen bilden die FABs mit der Zeit mehr und mehr Fetteinlagerungen und faserartige Bereiche im Muskel. Dadurch wird dieser immer schwächer. Eine solche Verfettung der Muskeln, häufig in Kombination mit einer Fibrose, also einem Einwuchern von Bindegewebe in das Muskelgewebe, kommt nicht nur bei Krankheiten wie den sogenannten Muskeldystrophien vor, bei denen sich die Muskeln nach und nach abbauen, schreiben die Forscher. Sie findet sich auch bei Diabetikern und bei stark übergewichtigen Menschen. Auch der typische Muskelschwund im Alter ist zumindest teilweise auf diesen Prozess zurückzuführen. Die Ergebnisse könnten daher helfen, neue Behandlungsansätze für diese bisher unheilbaren Probleme zu entwickeln und so den Verlust der Muskelkraft zu verhindern.

 

[Quelle:] ddp Themendienst Wissenschaft, 19.01.2010

 

12.01.2010 - Der Muskel der Freude

 

DER MUSKEL DER FREUDE

Der Franzose Guillaume Benjamin Duchenne (1806 bis 1875) beschäftigte sich nach seinem Medizinstudium in Paris mit der Wirkung von Elektrizität auf die menschliche Mimik. Dazu be-festigte er Elektroden an verschiedenen Gesichtsmuskeln und beobachtete, welcher Gesichtsaus-druck entstand, wenn er Strom durchleitete. Er entdeckte unter anderem, dass sich bei der elektrischen Reizung des großen Jochbeinmuskels auf beiden Seiten des Kopfes der Mund zu einem Lächeln verzog und nannte diesen Muskel deshalb „Muskel der Freude”.

 

DAS DUCHENNE-LÄCHELN

Allerdings fiel Duchenne auf, dass dieses Lächeln nicht echt aussah. Er forschte weiter und erkannte, dass ein echtes Lächeln nur dann entsteht, wenn er neben den Jochbeinmuskeln auch die Augenringmuskeln reizte. Dieses Lächeln; das wir spontan zeigen, wenn wir uns freuen, wird heute noch „Duchenne-Lächeln” genannt. Später entwickelte Duchenne elektrophysiologische Methoden, mit denen er die Kontraktionsfähigkeit von Muskeln messen konnte und wendete sie bei Patienten mit Muskelschwund an. Dabei entdeckte er eine erbliche Form dieser Erkrankung, die schon mit 3 bis 5 Jahren in der Becken- und Oberschenkelmuskulatur beginnt und langsam, aber unaufhaltsam die ganze Muskulatur befällt. Diese tödlich endende Erbkrankheit, die vor allem Jungen trifft, heißt bis heute „Duchenne-Muskeldystrophie”. (zan)

 

[Quelle: ] PZ Pirmasenser Zeitung, Ausgabe 23.11.2009

 

06.11.2009 - Duchenne-Muskeldystrophie: Proof of concept gelungen ?


 

Britische Wissenschaftler haben Dystrophin in einem Zehenstrecker erfolgreich exprimiert

 

LONDON - Die Erwartungen an die Gentherapie sind hoch, aber die Ergebnisse waren bisher eher mager. Ausgerechnet bei einer genetischen Erkrankung mit sehr komplexer Molekularbiologie könnte nun ein Durchbruch bevorstehen: Bei der Muskeldystrophie vom Typ Duchenne (DMD) ist in einer kleinen klinischen Studie offenbar der „Proof of concept” gelungen.

Die Diagnose Duchenne-Muskeldystrophie bedeutet für die Betroffenen immer noch eine unheilbare Krankheit. Verursacht wird die Duchenne-Muskeldystrophie durch Mutationen im Gen für das unter der Muskelfasermembran lokalisierte Protein Dystrophin. Deletionen, Verdoppelungen, Punktmutationen und andere kleinere Veränderungen in der DNA-Sequenz führen zu einer Unterbrechung des Leserasters und in der Folge zu einem vorzeitigen Abbruch der Translation.

 

Mutiertes Exon 51 wurde entfernt

 

Dystrophin sichert die Verbindung zwischen Sarcolemma und Zytoskelett, wenn es fehlt, ist die Stabilität der Zellmembran beeinträchtigt, es kommt zu vermehrtem Kalzium-Einstrom und schließlich zur Degeneration der Muskelfasern. Für den Versuch, das intakte Gen in den Zellen komplett zu ersetzen, ist es zu groß. Man hat aber bei Duchenne-Patienten Muskelfasern gefunden, in denen funktionsfähiges Dystrophin exprimiert wird. Offenbar kommt dieses dadurch zustande, dass beim Splicen der Messenger-RNA einzelne Exons entfernt werden, sodass das Leseraster wiederhergestellt wird. Aber auch derart verkürztes Dystrophin kann anscheinend funktionsfähig sein.

Diese Beobachtung hat man sich zunutze gemacht: Durch Gabe von maßgeschneiderten Oligonukleotiden lässt sich das Splicen der Prä-RNA gezielt so manipulieren, dass beispielsweise ein bestimmtes, mutiertes Exon entfernt und dadurch das Leseraster wiederhergestellt wird. Für bestimmte Mutationen funktioniert das in kultivierten Myoblasten von Duchenne-Patienten und in Tiermodellen, und eine Gruppe britischer Muskelspezialisten, Genetiker, Pädiater und Neurowissenschaftler präsentiert nun die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie, in der die Methode an Patienten erprobt wurde.

Ausgewählt hatten Dr. MARIA KINALI vom Dubowitz Neuromuscular Centre am Institute of Child Health des University College London und Kollegen sieben Duchenne-Patienten mit Mutationen im Dystrophin-Gen, bei denen man durch Entfernen des Exons 51 ein normales Leseraster erreichen kann. Bei ihnen musste der Musculus extensor digitorum brevis beidseitig erhalten sein und Hautfibroblasten mussten auf die Gabe des Oligonukleotids AVI-4658 mit der Expression von funktionsfähigem Dystrophin ansprechen.

 

Experiment ist gelungen, Phase-I-Studie geplant

 

Die Patienten erhielten in einen Muskel das Oligonukleotid, in den kontralateralen Muskel Ringerlösung injiziert. In Biopsien der mit Verum behandelten Muskeln fand sich daraufhin immunhistochemisch eine Dystrophin-Färbung (Abbildung), deren Intensität im Mittel etwa einem Viertel der von gesunden Vergleichsmuskeln entsprach und um mittlere 17 % über der des kontralateralen Vergleichsmuskels lag. In der Nachbarschaft des Einstichkanals, durch den das Oligonukleotid appliziert worden war, stieg der Anteil auf 44 bis 79 %. Biochemisch konnte nachgewiesen werden, dass das exprimierte Dystrophin das Molekulargewicht hat, das man nach Entfernung von Exon 51 erwarten würde. Damit, so die Autoren, ist gezeigt, dass mit dieser Methode die Expression von Dystrophin in Muskelfasern von Duchenne-Patienten möglich ist. Die Funktion der Muskeln konnte in dieser Untersuchung allerdings nicht überprüft werden. Es gibt aber Familien mit Mutationen, die in einem Verlust von Exon 51 resultieren, und diese Patienten sind asymptomatisch, d.h., diese Form von Dystrophin scheint voll funktionsfähig zu sein. Der nächste Schritt soll nun eine Phase-l-Studie sein, in der AVI-4658 in steigenden Dosen intravenös gegeben wird. In einem Hundemodell wurden so die Expression von Dystrophin und eine klinische Besserung erreicht, ohne dass die hohen Dosen des dabei verwendeten Oligonukleotids irgendwelche Nebenwirkungen zur Folge gehabt hätten.

 

[Foto:] Immunhistochemische Dystrophin-Färbung von Muskelfasern von fünf Patienten aus dem Kontroll- (oben) und dem mit Verum behandelten Muskel (unten).

 

[Quelle:] Kinali M et al., Lancet Neurol 2009; 8: 918-28

 

30.10.2009 - AUSDAUER: Training verhindert Muskelschwund

 

Herzschwäche-Patienten werden unabhängig vom Alter durch Ausdauertraining leistungsfähiger. Das ist das Ergebnis einer Studie, die auf dem Europäischen Kardiologenkongress vorgestellt wurde. Nachdem sie vier Wochen lang regelmäßig trainiert haben, konnten junge wie alte Patienten rund ein Viertel mehr Sauerstoff aufnehmen. Die Kraftausdauer nahm ebenfalls altersunabhängig um 44 bis 47 Prozent zu. Das Training verhinderte einen weiteren Muskelschwund. An der Studie nahmen 60 Patienten mit Herzinsuffizienz und 60 gesunde Personen teil. DPA

 

[Quelle:] Mitteldeutsche Zeitung, vom 26.10.2009

 

15.09.2009 - Gentherapie gegen Muskelschwund?

 

Lokale Injektionen regen Synthese von Muskeleiweiß bei Duchennescher-Muskeldystrophie an

 

LONDON (pie). Nach intramuskulärer Injektion kurzer DNA-Moleküle synthetisieren Muskeln bei Patienten mit Muskeldystrophie die für die korrekte Funktion erforderlichen Dystrophin-Moleküle. Systemische oder lokale unerwünschte Wirkungen traten in einer britischen Studie dabei nicht auf. Das DNA-Präparat wurde in Muskeln des Fußrückens injiziert.

Diese ersten Ergebnisse einer kleinen Studie mit dem Präparat AVI-4658 bei sieben Patienten mit Duchennescher Muskeldystrophie (DMD) haben Londoner Wissenschaftler jetzt vorgestellt (Lancet Neurology 8 / 10, 2009, 918).

Die Forscher injizierten das Präparat hei sieben Jungen zwischen 10 und 17 Jahren

mit DMD in den Fußrücken, und zwar in den Musculus extensor digitorum brevis, also den kurzen Zehenstrecker. In den entsprechenden Muskel des jeweils anderen Fußes injizierten die Wissenschaftler eine Kochsalzlösung. Drei bis vier Wochen nach der Injektion wurden Biopsien gemacht und die Proben analysiert.

Dort, wo das DNA-Präparat injiziert wurde, bildeten bis zu 80 Prozent der Muskelfasern intaktes Dystrophin. Damit bestätigen die Wissenschaftler vom London Institute of Child Health die Ergebnisse einer Studie vor zwei Jahren, in der ein ähnliches Präparat getestet worden war.

Das Studienergebnis der Wissenschaftler um Dr. Francesco Muntoni ist allerdings nur ein erster Erfolg bei der bisher nicht heilbaren Erbkrankheit. Wie es in einem Kommentar zu dieser Studie heißt, bereiten beide Forschergruppen inzwischen Studien vor, in denen das jeweilige DNA-Präparat nicht lokal, sondern systemisch verabreicht wird. Erst nach diesen Studien werde es sich zeigen, ob die Präparate auch eine klinische Wirksamkeit haben. Darüber hinaus geben die Kornmentatoren der Studie zu bedenken, dass das von den Wissenschaftlern in London verwendete Präparat aufgrund seiner Zusammensetzung und seiner Eigenschaften nur für 13 Prozent der DMD-Patienten geeignet ist (Lancet Neurology 8 / 10, 2009, 873).

Das von den Londoner Forschern injizierte Präparat ist ein kurzes, chemisch verändertes DNA-Molekül, das in den anormalen Synthesevorgang des Muskeleiweißmoleküls Dystrophin bei DMD-Patienten eingreift: Es sorgt auf genetischer Ebene dafür, dass die Synthese des Eiweißmoleküls nicht vorzeitig beendet wird. Ohne Dystrophin degenerieren die Muskelfasern.

 

[Quelle:] Ärzte Zeitung, vom 15.09.2009

 

02.09.2009 - Liposomales Prednisolon in der experimentellen Therapie der Duchenne'schen Muskeldystrophie

 

C.Weller, J. Zschüntzsch, G. Makosch. J.M. Metselaar,

D.Liebetanz, J. Schmidt

Göttingen: Utrecht, NL

 

Die Muskeldystrophie Typ Duchenne (DMD) ist die häufigste Myopathie. Neben der primären Muskelfaserschädigung kommt es zu einer deutlichen Entzündung und eine immunsuppressive Behandlung mit Glukokortikosteroiden führt zu einer gewissen Besserung einiger Symptome. Eine Verbesserung dieser Therapie könnte durch ein gezieltes drug-targeting mit liposomal verkapseltem Prednisolon erzielt werden, durch das eine höhere Wirkkonzentration im Muskel bei gleichzeitig geringerer systemischer Nebenwirkung möglich ist.

Männliche und weibliche mdx Mäuse bzw. C57BL/10 als Kontrollen wurden in einem Alter von 4 Wochen in Einzelkäfigen mit Laufrad gehalten. Gruppen von 5- 10 Tieren wurden i.p. mit freiem Prednisolon (10 mg/kg), liposomalem Prednisolon (1 mg/kg) oder NaCl als Kontrolle an alternierenden Tagen ab der dritten Lebenswoche behandelt. Über eine kontinuierliche Aufzeichnung der Laufraddaten wurde die maximale Geschwindigkeit sowie die Gesamtstrecke für jeden Tag analysiert. Einmal pro Woche wurde die Zugkraft der Vorderläufe gemessen und die Tiere gewogen. Vier Wochen nach Beginn der Behandlung wurden die Tiere getötet und das Diaphragma sowie die Beinmuskeln entnommen. Die CK wurde im Serum bestimmt. Histochemisch wurden internalisierte Nuklei und der Muskelfaserdurchmesser verblindet quantifiziert. Mittels quantitativer PCR und Immunhistochemie wurde die mRNA- bzw. Protein-Expression von Osteopontin, MCP1 und TGF-13 analysiert.

Die Leistung im Laufrad sowie die Zugkraft der Voderläufe war bei Kontrolltieren deutlich besser als bei mdx-Mäusen. Die CK im Serum sowie die Expression der Entzündungsparameter Osteopontin, MCP-1 und TGF-C3 ergaben bei mdx-Mäusen deutlich höhere Werte als in Kontrollen. In unbehandelten mdx Mäusen fand sich nach vier Wochen im Laufrad im Vergleich zu Mäusen ohne Laufarbeit kein Unterschied im Ausmaß der myopathischen Veränderungen sowie der Expression der Entzündungsmarker. Nach Behandlung von mdx Mäusen mit freiem oder liposomalem Prednisolon im Vergleich zur Kontrolle konnte kein wesentlicher Unterschied der Laufdaten, der Kraft der Vorderläufe, der Expression der Entzindungsparameter oder der myopathischen Veränderungen beobachtet werden.

Zusammengefasst demonstrieren die Daten, dass die Testung mittels Laufrad eine zuverlässige Methode zur Verlaufsbeurteilung des Modells der DMD darstellt. Ein unzureichender Therapieeffekt von liposomalem Prednisolon könnte durch eine mangelnde Extravasation in das Endomysium bedingt sein.

 

[Quelle:] Aktuelle Neurologie, Ausgabe 02.09.2009

 

02.09.2009 - Start der Phase III Studie mit Catena®/Sovrima® (Idebenone) in Duchenne MUSKELDYSTROPHIE

 

Hugin/Kolummne/Schweiz/Biotechnologie/Pharma/

Hugin News: Santhera Pharmaceuticals Holding AG

 

Start der Phase III Studie mit Catena®/Sovrima® (Idebenone) in Duchenne MUSKELDYSTROPHIE

 

Corporate news Mitteilung verarbeitet und übermittelt durch Hugin. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich.

 

 

Santhera Pharmaceuticals (SIX: SANN), ein auf seltene neuromuskulare Erkrankungen fokussiertes Schweizer Spezialitätenpharmaunternehmen, und Takeda Pharmaceutical Company Limited (TSE: 4502) geben heute bekannt, dass Santhera die Zulassungsstudie mit Catena®/Sovrima® (INN: idebenone) zur Behandlung von Duchenne Muskeldystrophie gestartet hat. Die DELOS Studie mit zwölfmonatiger Behandlungsdauer wird bis zu 240 Patienten in rund 25 Studienzentren in Europa und Nordamerika rekrutieren. Der Einschluss des ersten Patienten in diese Phase III Studie hat eine Meilensteinzahlung von EUR 5,0 Millionen seitens Takeda zur Folge, welche Santhera inzwischen bereits erhalten hat.

 

Die Phase III Studie mit dem Namen DELOS (DuchEnne Muscular Dystrophy Long term IdebenOne Study) ist eine doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte klinische Studie, welche die Verträglichkeit und Wirksamkeit einer Dosis Catena®/Sovrima® (900 mg/Tag) gegenüber Placebo über eine Behandlungsdauer von 12 Monaten untersucht. Der primäre Endpunkt der DELOS Studie ist die Veränderung der Atemfunktion gemessen am Peak Expiratory Flow (PEF, expiratorischer Spitzenfluss). Als sekundarere Endpunkte werden unter anderem die Veränderung weiterer Atemparameter, Muskelstärke und motorischer Funktionen sowie die Verbesserung der Lebensqualität gemessen. Es ist geplant, bis zu 240 Patienten im Alter zwischen 10 und 18 Jahren unabhängig von deren Gehfähigkeit in bis zu 25 Prüfzentren in Europa und Nordamerika in die DELOS Studie einzuschliessen.

 

Gunnar Buyse, Professor für Pädiatrie und Kinderneurologie am Universitätsspital Leuven (Belgien), ist leitender Prüfarzt der DELOS Studie. Dr. Richard Finkel, MD, Direktor des neuromuskulären Programms am Kinderspital von Philadelphia (PA) übernimmt diese Funktion für die Studienzentren in den USA und Kanada. Das Studiendesign, die Selektion der Dosierung und die Dauer der Behandlung der DELOS Studie basieren auf positiven Resultaten einer Phase II Studie und wurden vorab mit den Gesundheitsbehörden in den USA und Europa besprochen. Des Weiteren haben die amerikanische Food and Drug Administration und die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA zugestimmt, dass nur eine Zulassungsstudie bei positiven Ergebnissen für eine Zulassung ausreichen könnte.

 

«Duchenne Muskeldystrophie ist eine schwere neuromuskuläre Krankheit, welche die Muskulatur des Skeletts, der Atmung und des Herzens betrifft. Nach den ermutigenden präklinischen Daten in einer placebokontrollierten Langzeitstudie an einem krankheitsrelevanten Model hat unsere Phase II Studie therapeutische Wirksamkeit von Catena®/Sovrima® bei wichtigen respiratorischen und kardiologischen Parametern gezeigt, deren Veränderung in dieser Krankheit lebensgefährliche Komplikationen darstellen», erklärt Professor Gunnar Buyse. «Wir hoffen, diese Ergebnisse in der DELOS Studie bestätigen zu können, damit Catena®/Sovrima® als erstes Medikament zur Behandlung von Duchenne Muskeldystrophie zugelassen wird.»

«Der Start der DELOS Studie ist ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung von Catena®/Sovrima® als mögliche erste Therapie für eine Reihe seltener neuromuskulärer Krankheiten. Zurzeit haben Patienten und Ärzte keine ausreichend effiziente Behandlungsmöglichkeit für diese schweren Erkrankungen», erklärt Klaus Schollmeier, Chief Executive Officer von Santhera. «Die vielen positiven Rückmeldungen aus Kanada, wo Catena® zur Behandlung der Friedreich Ataxie bereits zugelassen ist, zeigen den hohen medizinischen Bedarf auf diesem Gebiet.»

«Die Partnerschaft mit Santhera ist ein gutes Beispiel für unser Engagement, bedeutende Medikamente für bedürftige Patienten zu entwickeln», erklärt Erich Brunn, Chief Executive Officer von Takeda Pharmaceuticals Europe Limited, der in England ansässigen Tochtergesellschaft, welche den gesamteuropäischen Vertrieb in Europa koordiniert. «In enger Zusammenarbeit mit Santhera setzen wir uns weiterhin dafür ein, dass diese neue Therapie möglichst bald Duchenne Patienten und ihren Ärzten zur Verfügung steht.»

 

Im August 2007 gaben Santhera und Takeda die Ausweitung ihrer bestehenden Marketingzusammenarbeit fur Friedreich Ataxie auf Duchenne Muskeldystrophie bekannt. Im Vertrag gewährt Santhera exklusive Marketingrechte in der Europäischen Union (EU) und der Schweiz an Takeda, welche das Medikament unter dem Namen Sovrima© vertreiben wird. Neben einer Vorauszahlung erhält Santhera mehrere Meilensteinzahlungen von insgesamt EUR 18,0 Millionen, wovon jetzt EUR 5,0 Millionen beim Einschluss des ersten Patienten in die Zulassungsstudie fällig wurde. Ausserdem hat Santhera Zugang zu allen Daten, welche Takeda ursprünglich mit Idebenone erhoben hatte.

 

Über Duchenne Muskeldystrophie

Duchenne Muskeldystrophie ist eine der am weitesten verbreiteten und auch schwerwiegendsten Form der Muskeldystrophie. Duchenne Muskeldystrophie betrifft Jungen aller Ethnien und erste Symptome treten typischerweise in einem Alter von drei bis fünf Jahren auf. Charakteristisch ist der vollständige Verlust des Proteins Dystrophin, welches für die Muskelfunktion benötigt wird. Bei gesunden Menschen stabilisiert dieses Protein die Muskelzellen währen den Kontraktions und Relaxationszyklen. Der Verlust von Dystrophin führt zu einer charakteristischen Form von fortschreitender Muskelschwäche im ganzen Körper. Krankheitssymptome starten in den Beinen und dem Becken und breiten sich auf die Schultern, den Nacken und die Armmuskulatur aus. Andere Komplikationen sind Skelettdeformationen sowie Atmungs und Herzprobleme. Mit fortschreitender Krankheit sind Patienten meist bereits in den Jugendjahren auf einen Rollstuhl angewiesen. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Duchenne Patienten ist zwischen 30 und 35 Jahren. In den USA und Europa leben schätzungsweise 30'000 betroffene Patienten. Zurzeit ist keine wirksame medizinische Behandlung zugelassen, womit sich die Behandlung auf unterstützende Massnahmen beschränken muss.

 

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Über Santhera

Santhera Pharmaceuticals (SIX: SANN) ist ein auf neuromuskuläre Erkrankungen fokussiertes Schweizer Spezialitätenpharmaunternehmen, das sich auf die Entwicklung und die Vermarktung von Medikamenten zur Behandlung schwerer neuromuskulärer Krankheiten spezialisiert hat. Aufgrund der Seltenheit besteht bei vielen dieser Indikationen ein hoher medizinischer Bedarf. Das erste Produkt, Catena®, ist in Kanada zur Behandlung von Friedreich Ataxie zugelassen und wird in einer weit fortgeschrittenen Phase III Studie getestet. Klinische Resultate bestätigen, dass JP 1730/fipamezole, der zweite Wirkstoff von Santhera, Dyskinesien bei Parkinsonpatienten reduziert. Weitere Informationen zu Santhera finden Sie unter www.santhera.com.

 

Catena® ist eine eingetragene Marke von Santhera Pharmaceuticals.

 

Über Takeda

Takeda ist ein forschungsbasiertes globales Pharmaunternehmen mit Sitz in Osaka, Japan. Als grösstes pharmazeutisches Unternehmen Japans und einer der weltweiten Industrieführer engagiert sich Takeda für die Entwicklung besserer Medikamente fur die Gesundheit der Menschen und den medizinischen Fortschritt. Weitere Informationen zu Takeda finden Sie unter www.takeda.com.

 

Sovrima® ist eine eingetragene Marke von Takeda Pharmaceutical Company Limited.

 

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an

 

Santhera

Klaus Schollmeier, Chief Executive Officer

Telefon 41 (0)61 906 89 52

klaus.schollmeier@santhera.com

 

Barbara Heller, Chief Financial Officer

Telefon 41 (0)61 906 89 54

barbara.heller@santhera.com

 

Thomas Staffelbach, Head Public & Investor Relations

Telefon 41 (0)61 906 89 47

thomas.staffelbach@santhera.com

 

Takeda

Richard Kenyon

Takeda Pharmaceuticals Europe Limited Corporate Communications

Telefon 44 20 3116 8861

richard.kenyon@tpeu.co.uk

 

Seizo Masuda

Takeda Pharmaceutical Company Limited

Public and Investor Relations

Telefon 81 3 3278 2037

masuda_seizo@takeda.co.jp

 

Disclaimer/Zukunftsgerichtete Aussagen

Diese Publikation stellt weder ein Angebot noch eine Einladung dar, Wertschriften von Santhera Pharmaceuticals Holding AG zu erwerben oder zu zeichnen. Diese Veröffentlichung kann gewisse in die Zukunft gerichtete Aussagen über Santhera und ihre Geschäftsaktivitäten enthalten. Solche Aussagen beinhalten gewisse Risiken, Unsicherheiten und andere Faktoren, die zur Folge haben können, dass tatsächlich erzielte Geschäftsresultate, die finanzielle Verfassung, die Leistungsfähigkeit und die Zielerreichung wesentlich von dem abweichen, was in solchen Aussagen implizit oder explizit erwähnt ist. Leserinnen und Leser sollten diesen Aussagen daher kein übermässiges Gewicht beimessen; dies ganz besonders nicht im Zusammenhang mit Verträgen oder Investitionsentscheiden. Santhera übernimmt keine Verpflichtung, diese in die Zukunft gerichteten Aussagen zu aktualisieren.

 

Diese Mitteilung ist eine Übersetzung der verbindlichen englischen Originalversion.

 

Ende der Mitteilung

 

Santhera Pharmaceuticals Holding AG Hammerstrasse 47 Liestal Schweiz

 

WKN: AOLCUK; ISIN: CH0027148649; Index: SPI, SPIEX, SSCI; Notiert:

Main Market in SIX Swiss Exchange;

 

02.09.2009 - Ausdauertraining hilft Herzschwäche-Patienten

 

Düsseldorf (dpa/tmn) Herzschwäche-Patienten werden unabhängig vom Alter durch Ausdauertraining leistungsfähiger. Das ist das Ergebnis einer Studie, die laut der Deutschen Gesellschaft fur Kardiologie (DGK) in Dusseldorf am Mittwoch auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Barcelona vorgestellt wurde.

 

Nachdem sie vier Wochen lang regelmäßig trainiert haben, konnten junge wie alte Patienten rund ein Viertel mehr Sauerstoff aufnehmen. Die Kraftausdauer nahm ebenfalls altersunabhängig um 44 bis 47 Prozent zu. Das Training verhinderte also einen weiteren MUSKELSCHWUND. Außerdem gingen Entzündungsfaktoren zurück. An der Studie nahmen 60 Patienten mit Herzinsuffizienz und 60 gesunde Personen teil.

 

[Quelle: ] dpa, 02.09.2009

 

05.08.2009 - Mehr Mumm für geschwächte Muskeln


 

50 000 Euro Forschungspreis für Team der Universitätsmedizin Göttingen

 

Mediziner des Uniklinikums Göttingen haben den Preis des „Vereins zur Förderung der Muskeldystrophie Duchenne-Forschung” in Höhe von 50 000 Euro erhalten. Ihre Forschung soll klären; ob eine Behandlung mit Immunglobulinen die Folgen bei der Muskeldystrophie Duchenne lindern kann.

VON CHRISTIANE BÖHM

 

Jährlich 3500 männliche Neugeborene kommen mit „Muskeldystrophie Duchenne" auf die Welt. Ursache ist ein Erbfehler. Die Muskeln der Jungen sind , schwach und schwinden weiter im Verlauf der Erkrankung. Sehr früh verlieren die Kinder die Fähigkeit zu gehen. Zusätzlich schädigt auch eine Entzündungsreaktion die geschwächten Muskeln.

Können menschliche Eiweißstoffe wie Immunglobuline die Muskeln vor dieser zusätzlichen Gefahr durch Entzündung schützen? Für ihren Ansatz zur Klärung dieser Frage haben die Neurologen Dr. Jens Schmidt und Dr. David Liebetanz sowie der Kinderarzt Dr. Lars Klinge vom Uniklinikum den Forschungspreis des „Vereins zur Förderung der Muskeldystrophie Duchenne-Forschung” in Höhe von 50 000 Euro erhalten.

„Immunglobuline sind eine moderne, noch wenig erforschte Möglichkeit, um Entzündung im Gewebe zu mildern”, sagt Projektleiter Schmidt. „Wir untersuchen eine Behandlungsform gegen die Entzündungsreaktion, die bei der Krankheit zusätzlich abläuft. Solange der ursächliche Gendefekt für die Duchenne'sche Muskeldystrophie nicht behandelbar ist, könnte so zumindest ein verschlimmernder Nebeneffekt gemindert werden.” Immunglobuline gelten als sicher, nebenwirkungsarm und sind langjährig erprobt.

Bei der Klärung ihrer Frage hilft den Forschem die „mdx-Maus”. Sie ist das Mausmodell für die Duchenne'sche Muskelerkrankung. Bis zu 15 Kilometer läuft eine gesunde Maus in einer Nacht. Die „mdx-Maus” kann sehr viel weniger laufen, weil sie krank ist. Die Göttinger Forscher messen, ob die Gabe von Immunglobulinen zu einem Kraftanstieg der Maus führt. Dafür sind die Käfige der Mäuse mit einem Laufgitter ausgestattet und mit Sensoren gespickt. So kann das Laüfverhalten der Mäuse beurteilt werden. „Durch die kontinuieliche Datenspeicherung wir die Anzahl der Laufgänge; die maximale Geschwindigkeit und die Gesamtstrecke über mehrere Wochen analysieren. Zusätzlich messen Kraftaufnehmer die Zugkraft der Vorderläufe”, sagt Liebetanz. Er hat die ausgeklügelte Apparatur der Mäusekäfige entwickelt und dem Projekt zur: Verfügung gestellt.

„Erste Experimente haben gezeigt, dass eine monatliche Infusion mit Immunglobulinen im Vergleich zu unbehandelten Tieren zu einer erheblich verbesserten Laufleistung der Mäuse führt”, sagt Schmidt. „Unser Projekt soll nun eine Basis schaffen, um die Wirkung von Immunglobulinen auch am und für Menschen zu testen”, fügt Klinge hinzu.

 

[Foto: ] Forscherteam des Uniklinikums: Dr. Jens Schmidt, Dr. Lars Klinge und Dr. David Liebetanz (von links) limn

 

[Quelle: ] Göttinger Tageblatt, 05.08.2009

 

20.07.2009 - Wirkstoff gegen Muskeldystrophie entdeckt

 

New York (pte/20.07.2009/10:00) Wissenschaftler der University of Rochester www.rochester.edu haben eine Möglichkeit gefunden, den genetischen Fehler zu blockieren, der die häufigste Form von MUSKELDYSTROPHIE verursacht. Tests mit Mäusen ergaben, dass eine Injektion mit einem Wirkstoff, der die Aktivität des schadhaften Gens neutralisiert, dazu führte, dass die Muskelzellen besser arbeiteten. Die in Science veröffentlichte Studie könnte einen Schritt in Richtung von Behandlungsformen bedeuten, die die Symptome der Krankheit reversibel machen. Allein in Großbritannien leiden laut BBC rund 7.500 Kinder und Erwachsene an einer Form der Muskeldystrophie.

 

Die Myotone Dystrophie führt, wie andere Formen der Krankheit, zu Muskelschwäche und einem in den meisten Fällen progressiven Kräfteverfall. Typischerweise sind die Muskeln in Gesicht, Kiefer und Nacken betroffen. Ein weiteres Symptom ist die Steifheit der Muskeln, die meist an den Händen auftritt. Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten. Derzeit gibt es keine medizinische Möglichkeit ihr Fortschreiten aufzuhalten. Verursacht wird sie durch die Mutation eines spezifischen Gens auf dem Chromosom 19.

 

Das Team um Charles Thornton entdeckte, dass RNA, die genetische Botschaften vom Kern an den Rest der Zelle weitergibt damit in der Folge Proteine gebildet werden entscheidend für die Entstehung der Myotonen Dystrophie ist. Jedes Gen stellt seine eigene RNA her. Bei der Myotonen Dystrophie führt der genetische Defekt zur Produktion einer toxischen RNA, die bestimmte Proteine daran hindert, ihre normale Funktion auszuführen. Sie klebt sich einfach an sie an. Das Blockieren eines Proteins mit der Bezeichnung "muscleblind" führt laut Studie zur charakteristischen Steifheit der Hände.

 

Die toxische RNA sammelt sich in Ablagerungen an, die im Zellkern sichtbar sind. Das Team setzte ein synthetisches Molekül, ein Antisense Oligonukleotid ein, das ein Segment des genetischen Codes nachahmt, um diese Ablagerungen aufzubrechen und die normale Zellaktivität wieder herzustellen. Es wurde eigens dafür geschaffen, sich an die toxische RNA anzubinden und ihre schädigende Wirkung zu neutralisieren. Als es in die Muskelzellen von Mäusen mit Myotoner Dystrophie injiziert wurde, wurden die festgehaltenen Proteine freigesetzt und nahmen ihre normale Funktion wieder auf.

 

Thornton betonte jedoch, dass Vorsicht dabei geboten sei, diese viel versprechenden Forschungsergebnisse direkt auf den Menschen anzuwenden. Bei Mäusen trete die Krankheit in nur abgeschwächter Form auf. Die zugrundeliegende genetische Anomalie sei mit dem neuen Forschungsansatz nicht behoben, sondern nur teilweise unter Kontrolle gebracht.

 

[Quelle, Aussender: ] pressetext.austria

 

14.06.2009 - Botenstoff lässt Muskeln sprießen

 

Im Muskelgewebe sorgen sogenannte Satellitenzellen dafür, dass sich nach einer Verletzung oder einer starken Beanspruchung neue Muskelfasern bilden. Kanadische Wissenschaftler der Universität Ottawa haben nun einen Botenstoff entdeckt, der die Entstehung dieser Zellen ankurbeln und dadurch den Muskelwachstum anregen kann. Nachdem sie die Produktion des Eiweißes in Mäusen gezielt stimuliert hatten, steigerten die Tiere ihre Muskelmasse um fast 20 Prozent. Weiter Experimente sollen nun zeigen, ob sich der Stoff zum Beispiel für die Therapie von Muskelschwund eignet. (aft)

 

[Quelle:] Die Rheinpfalz am Sonntag, Ausgabe 14 06.2009

 

26.05.2009 - Muskeldystrophie - Kinder mit Op sind länger gehfähig

 

ULM (ner). Sind chirurgische Maßnahmen zum Erhalt der Gehfähigkeit von Kindern mit Muskeldystrophien sinnvoll? Kinderorthopäden haben den Vorwurf entkräftet, die Dauer der Gehfähigkeit werde mit der Operation sogar verkürzt.

64 Jungen mit Muskeldystrophie vom Duchenne-Typ haben Dr. Susanne Lebek und ihre Kollegen von der Berliner Charite retrospektiv untersucht. 31 waren operiert worden, 33 bildeten die Kontrollgruppe, berichtete Lebek bei einem Symposion in Ulm. Die Kinder hatten im Schnitt mit 16 bis 18 Monaten zu laufen begonnen. Ein Drittel in beiden Gruppen bekam Steroide, die den Kraftverlust verzögern und die Gehfähigkeit möglichst lange er-halten sollen. Etwa jeder dritte Junge hatte wegen Skoliosen bereits Spondylodesen.

 

Der Eingriff erhielt die Gehfähigkeit zwei Jahre länger.

 

Die Jungen der Op-Gruppe waren meist zwischen acht und zehn Jahren operiert worden. Etabliert ist die Operation nach Ridaud, bei der unter anderem die Kniebeuger, die Fußdorsalflexoren sowie die Hüftabduktoren apo-neurotisch verlängert werden. Allerdings stellten die Forscher fest, „dass nicht alles, was Ridaud genannt wird. auch Ridaud ist”. Kinder mit „echter” Ridaud-Operation verloren ihre Gehfähigkeit durchschnittlich mit elf Jahren, Kinder ohne Operation bereits mit neun Jahren - ein signifikanter ' Unterschied. Dagegen waren Kinder mit anderen Operationen mit 8,5 Jahren gehunfähig.

Lebek empfahl, sich bei der Indikationsstellung zur Ridaud-Operation streng an etablierte Kriterien zu halten. So soll die Bewegungseinschränkung der unteren Extremitäten gerade erst begonnen haben und das Kraftniveau noch 70 Prozent betragen. Die Aufstehzeit aus der Rückenlage sollte unter fünf Sekunden liegen. Zu klären sei, ob die frühe Ridaud-Operation die Skoliose-Entwicklung verzögern könne.

Privatdozent Ralf Stücker aus Hamburg bezweifelte bei der Veranstaltung den Sinn der Operation. In Kanada seien bei Duchenne-Patienten sehr gute Erfolge mit früher Kortison-Therapie erzielt worden. Allerdings wurden diese Resultate in zwei deutschen Studien nicht nachvollzogen.

 

[Quelle:] Ärzte Zeitung, Ausgabe 26.05.2009/Nr.96/2009

 

01.05.2009 - Erlanger Studie zur Muskelschwäche

 

Ein Eiweißmolekül, das beim Weiterleiten von Bewegungsimpulsen als Bindeglied dient, kann das Verständnis von Muskelerkrankungen vertiefen. Zwei Untersuchungen an der Universität Erlangen-Nürnberg belegen die Bedeutung dieses Moleküls für die Verarbeitung der Signale zwischen Nerven und Muskeln. Eine Studie der Arbeitsgruppe von Priv.-Doz. Dr. Said Hashemolhosseini hatte gezeigt, dass bei Mäusen, denen dieses Protein fehlt, eine deutliche Muskelschwäche auftritt. Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Dieter Heuß fanden die Biochemiker nun heraus, lass beim Menschen die Funktion des gleichen Moleküls in bestimmten Fällen von chronischem Muskelschwund merklich eingeschränkt ist. Das Hauptsymptom vieler Muskelerkrankungen ist eine Schwäche und abnorme Ermüdbarkeit der Muskulatur. Wichtige Formen sind die Myasthenia gravis, eine Autoimmunerkrankung, und die mit fortschreitendem Muskelschwund verbundenen Muskeldystrophien. Je nach Ausprägung kann es zu einer leichten Schwäche von Skelettmuskeln bis zum Verlust der Gehfähigkeit oder zu lebensbedrohlichen Verschlechterungen des Gesundheitszustands bis hin zur Atemlähmung kommen.

Quelle: Universität Erlangen-Nürnberg

 

[Quelle: ] Neuronal, 01.05.2009/Nr. 1/2009

 

05.04.2009 - Hilfe für Kinderherzen, Therapie bei Muskelschwund


Herzzentrum Göttingen: Therapie bei Muskelschwund

 

Fortschreitende Muskelschwäche ist eine bisher nicht heilbare Erbkrankheit. Oft macht sie schon Kinder vom Rollstuhl abhängig. Sobald der Muskelschwund die Lunge und das Herz erreicht, endet die Krankheit meist tödlich. Im Jahr 2007 kamen bundesweit etwa 90 bis 140 Kinder mit Muskeldystrophien der Typen Duchenne und Becker zur Welt. Einige Symptome dieser Krankheit - darunter auch die Erkrankung des Herzmuskels - sind allerdings behandelbar.

 

Damit betroffenen Kindern und Jugendlichen künftig besser geholfen werden kann, startet im Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen ein Forschungsprojekt. Es hat die Früherkennung von Herzschäden bei Muskeldystrophie zum Ziel. So soll es schon bald möglich sein, frühzeitig Medikamente einsetzen zu können, die das Herz schützen und die Lebensqualität der kranken Kinder und Jugendlichen verbessern. Dafür stellt die Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren e.V. insgesamt rund 60 000 Euro bereit. Das Projekt ist auf zwölf Monate angelegt.

In dem Forschungsprojekt wollen die Göttinger Ärzte herausfinden, wie schnell der Muskelschwund voranschreitet und inwieweit der Herzmuskel betroffen ist. Auf dieser Grundlage soll eine passende medikamentöse Behandlung entwickelt werden. In der Studie werden 50 Patienten mit fortschreitender Muskelschwäche untersucht und mit 50 gleichaltrigen, gesunden Probanden verglichen.

Die Studie leitet Dr. Verena Gravenhorst, Oberärztin der Abteilung Pädiatrie III mit Schwerpunkt Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin an der Universitäts

medizin Göttingen. „Die Ergebnisse unserer Forschungen sollen für die von dieser schweren Krankheit betroffenen Kinder eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erbringen”, sagt Dr. Gravenhorst. Für die kleinen Studienteilnehmer seien die Untersuchungsmethoden völlig ungefährlich. Angewendet werden 3D-Ultraschall, Elektrokardiographie (EKG) und Blutuntersuchungen.

Von den Spendengeldern, die die Fördergemeinschaft für das Göttinger Projekt bereitstellen will, werden unter anderem eine spezielle Software und eine Arztstelle finanziert. Für Wolfgang Heer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren, ist es wichtig, dass es sich hier um ein nachhaltiges Forschungsprojekt handelt, von dem viele Kinder profitieren werden: „Die fortschreitende Muskelschwäche ist eine schlimme Krankheit, bei der die Betroffenen meist lange leiden müssen. Hier ist schneller Erkenntnisgewinn in der Forschung unbedingt notwendig. Unser wissenschaftlicher Beirat aus führenden Kinderherzspezialisten hat das Projekt geprüft und für gut befunden.”

Die Basketball-Bundesligamannschaft der MEG Göttingen übernimmt die Patenschaft für das Förderprojekt. Bereits in den kommenden Wochen ist eine Aktion des MEG-Teams geplant. „Wir freuen uns sehr, mit der MEG Göttingen einen gleichermaßen prominenten wie erfolgreichen Fürsprecher für die kleinen Herzpatienten in der Region gefunden zu haben”, sagt Wolfgang Heer.

Damit die Situation der erkrankten Kinder verbessert werden kann, werden Spenden benötigt: Konto-Nummer 23 230, Bank im Bistum Essen, Bankleitzahl 360 602 95, Kennwort: Herzzentrum Göttingen. Im Herzzentrum Göttingen der Universitätsmedizin Göttingen arbeiten neun Abteilungen zusammen und sichern unter anderem die kinderkardiologische Versorgung in Südniedersachsen. Neben der ambulanten und stationären Behandlung der kleinen Herzpatienten werden auch Forschungsprojekte durchgeführt. Weitere Informationen unter

www.kinderherzklinik.de umg

 

[Foto 1:] Der kleine Tim Florian (2) wird am 3D-EKG von Dr. Verena Gravenhorst (Oberärztin Abt. Pädiatrie III) untersucht. Seine Eltern Torsten Koitka und Petra Tietjen schauen zu. Foto: umg

 

[Quelle: ] Extra Tip am Sonntag Göttingen, Ausgabe 05.04.2009

 

02.04.2009 - Mediziner wollen Kindern mit Herzmuskelschwund helfen

 

Göttingen (dpa/lni) Die Universitätsmedizin Göttingen will mit einem neuen Forschungsprojekt Kindern mit einer angeborenen Herzmuskelschwäche durch Muskelschwund besser helfen. Professor Thomas Paul vom Herzzentrum kündigte am Donnerstag den Beginn einer zwölfmonatigen Studie an, bei der standardisierte Verfahren zur Diagnostik und Behandlung der Krankheit entwickelt werden sollen. Nach Angaben des Geschäftsführers der Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren, Wolfgang Heer, ist die Erkrankung mit jährlich 6000 bis 7000 Fällen allein in Deutschland die häufigste Organfehlbildung bei Neugeborenen. Die Forschungsmittel sollen durch Spenden bereitgestellt werden.

Die angeborene, bisher nicht heilbare Erbkrankheit mache die

Kinder oft vom Rollstuhl abhängig. Sobald der Muskelschwund die Lunge und das Herz erreicht, endet sie meist tödlich. In der Studie werden zunächst 50 Patienten mit fortschreitender Muskelschwäche untersucht und mit 50 gleichaltrigen Probanden verglichen, kündigte die Leiterin der Studie, Dr. Verena Gravenhorst, an. «Wir hoffen auf eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der von dieser schweren Krankheit betroffenen Kinder.» Dazu müsse zunächst herausgefunden werden, wie schnell der Muskelschwund voranschreitet, um auf dieser Grundlage eine passende medikamentöse Behandlung entwickeln zu können.

Geschäftsführer Heer von der Fördergemeinschaft sagte: «Hier ist ein schneller Erkenntnisstand unbedingt notwendig.» Aus

Spendengeldern solle zunächst eine spezielle Software für Ärzte und eine Arztstelle finanziert werden. Heer begrüßte es, dass die Basketball Bundesligamannschaft MEG Göttingen die Patenschaft für das Projekt übernommen habe. Zunächst seien 60 000 Euro erforderlich.

 

[Universitätsmedizin]: Robert Koch Str. 42 Göttingen

 

01.04.2009 - Spinobulbäre Muskelatrophie: Zirkeltraining wirkt nicht

 

Zirkeltraining verbessert bei der spinobulbären Muskelatrophie weder die Leistungsfähigkeit noch die Funktion bei der Bewältigung der Aktivitäten des täglichen Lebens. Diese Ergebnisse einer dreimonatigen Pilotstudie stehen im Widerspruch zu positiven Erfahrungen bei einer Reihe anderer Muskeldystrophien und metabolischer Myopathien. Die Ursache ist nicht bekannt; vermutet wird ein direkter „toxischer” Effekt des veränderten Androgenrezeptors auf die Muskelzelle.

 

Kennzeichnend für die spinobulbäre Muskelatrophie ist eine Degeneration spinaler und bulbärer {...} Motoneurone. Als Ursache konnte eine verlängerte CAG-Nukleotidfolge im translatierten Bereich des Androgenrezeptor-Gens identifiziert werden. Anstatt 12-35 Tripletts findet man bei den Betroffenen 40-53 CAG-Kopien. Aufgrund des X-chromosomalen Erbganges betrifft die „Kennedy Disease” in der Regel nur Männer, heterozygote Frauen mit einem verlängerten Allel zeigen überwiegend keine Symptome, können die Krankheit aber über-tragen.

Die Patienten weisen klinisch eine proximale Muskelschwäche und -atrophie auf, sowie Faszikulationen, die sich bevorzugt im Bereich der perioralen Muskulatur manifestieren. Weitere häufig auftretende Merkmale sind Intentionstremor, Muskelkrämpfe, Schluckbeschwerden, eine periphere Androgenresistenz mit eingeschränkter Fruchtbarkeit und Gynäkomastie. Die Symptomatik beginnt meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und verläuft langsam progressiv.

 

ZIRKELTRAINING ALS THERAPEUTISCHER ANSATZ

Eine spezifische Behandlung für die spinobulbäre Muskelatrophie gibt es nicht. Dänische Neurologen entwickelten erfolgreich für Patienten mit verschiedenen Formen von Muskeldystrophien und metabolischen Myopathien ein Zirkeltraining zur Steigerung der maximalen Sauerstoff-Aufnahme und Arbeitskapazität. Die meisten dieser Erkrankungen haben Gemeinsamkeiten mit der spinobulbären Muskelatrophie. In einer Pilotstudie mit 8 Patienten wurde deshalb untersucht, ob ein Zirkeltraining auch bei dieser Erkrankung vorteilhaft ist.

 

KEINE SUBJEKTIV MERKBARE VERBESSERUNG

Die Auswertung nach drei Monaten zeigte zwar, dass die Arbeitskapazität um 18% sowie die Citrat-Synthase-Aktivität als Marker für (lie Muskelaktivität um 36% signifikant gestiegen waren. Alle anderen Messparameter waren jedoch weitgehend unverändert, auch hinsichtlich der Aktivitäten des täglichen Lebens verspürten die Studienteilnehmer keine Verbesserung. Die Diskrepanz zwischen der gestiegenen Arbeitskapazität bei un-veränderter maximaler Sauerstoff-Aufnahme wird auf eine trainingsbedingte bessere Okonomisierung der Arbeitsleistung zurückgeführt.

Die Autoren folgern weiter, dass die Leistungsfähigkeit wahrscheinlich nicht nur durch eine zentral gesteuerte Ermüdung limitiert wird, sondern durch die - zu geringe - Anzahl peripherer motorischer Neurone. Eine weitere Hypothese sieht einen direkten „toxischen” Effekt des veränderten Androgenrezeptors auf die Muskelzellen. Mehr Training würde also nicht nur keine Regenerierung der Muskelkapazität bewirken, sondern hätte sogar einen gegenteiligen Effekt.

Preisler N et al. Effect of aerobic training in patients with spinal and hulbar muscular atrophy (Kennedy disease). Neurology 2009;72:317-23.

 

[Quelle: ] ärztliches journal reise & medizin neurologie psychiatri 01.04.2009/Nr. 2/2009

 

01.04.2009 - Muskelkraft regenerieren - Neue Konzepte zur Behandlung


 

Neue Konzepte zur Behandlung von Muskeldystrophien zielen darauf ab, die Muskelkraft zu verbessern - etwa mit Antisense-Oligonukleotiden und Myostatin-Antikörpern.

 

Molekulargenetische Fortschritte ermöglichen ein zunehmend besseres Verständnis der Muskeldystrophien vom Typ Duchenne und vom Typ Becker. Beide X-chromosomal rezessiv erblichen Dystrophinopathien beruhen auf dem Mangel beziehungsweise Funktionsverlust des Proteins Dystrophin, das unter anderem für die Stabilität der Muskelmembran eine wichtige Rolle spielt. In der Folge kommt es zum Untergang von Muskelfasern und zur progressiven Muskelschwäche. Ursache der Muskeldystrophie Duchenne ist in etwa 60 Prozent der Fälle eine Deletion, bei 10 Prozent eine Duplikation und bei 30 Prozent eine Punktmutation im Dystrophin-Gen auf Locus Xp21.2. Durch Mutation kommt es zur Verschiebung („Frameshift") des Leserasters, und die Dystrophin-Synthese bleibt aus. Fast alle Betroffenen sind ab dem 12. bis 15. Lebensjahr auf den Rollstuhl angewiesen und versterben im jungen Erwachsenenalter, bedingt durch Fehlfunktion der Herz- und Atemmuskulatur. Die moderate Form der Dystrophinopathie vom Typ Becker verursacht eine In-frame-Mutation des Dystrophin-Gens, bei weitgehend intaktem Leseraster. Deshalb kann Dystrophin zwar synthetisiert werden, allerdings nur eingeschränkt.

 

Kortikoid ist erste Wahl

Das wichtigste Medikament für Patienten mit einer Dystrophinopathie ist derzeit Deflazacort, unterstrich Prof. Dr. Heinz Reichmann, Dresden. Das Kortisonpräparat wirkt stärkend auf die Muskelkraft, verbessert die Herz- und Lungenfunktion. Eine aktuelle Studie bestätigt diese Effekte für die Langzeitbehandlung über einen Zeitraum von bis zu 66 Monaten: Bei 37 Jugendlichen mit Duchenne-Dystrophie, die Deflazacort erhielten, blieb die Gehfähigkeit im Mittel bis zum Alter von 11,5 Jahren erhalten, bei 42 Knaben, die kein Deflazacort bekamen, dagegen nur bis zum Alter von 9,6 Jahren. Auch die Herzfunktion verbesserte sich unter Deflazacort signifikant. Im Interventionskollektiv wurden zudem nur leichtgradige Skoliosen beobachtet, operative Korrekturen waren nicht erforderlich und Frakturen der Wirbelkörper nicht nachweisbar. Das Längenwachstum war unter Behandlung allerdings reduziert.

 

Dystrophin-Synthese reaktivierbar?

Über symptomatische Maßnahmen hinaus konzentriert sich die Forschung heute auf gentherapeutische Verfahren. So versucht man, durch Exon-Skipping (,,Überspringen- der Mutation) mit Antisense-Oligonukleotiden das Leseraster für die Dystrophin-Synthese zu korrigieren. Eine solche Therapie müsse für jeden einzelnen Patienten maßgeschneidert werden, erklärte Reichmann.

Bei vier Duchenne-Patienten wurde durch intramuskuläre Injektion von Antisense-Oligonukleotiden PR0051 die Reaktivierung der Dystrophin-Produktion versucht: Es gelang, eine Syntheseleistung von 30 Prozent der normalen Dystrophin-Menge zu erreichen. Muskelbiopsien 28 Tage nach der Injektion bestätigten die signifikante Verbesserung der Muskelfaserstrukturen. Da die Injektion nur punktuell erfolgte, blieb die Muskelfunktion unbeeinflusst. Um diese gentherapeutische Strategie weiter zu entwickeln, müssen geeignete Verfahren gefunden werden, um Antisense-Oligonukleotide in die gesamte betroffene Muskulatur zu transportieren.

Ein innovatives Konzept zur Stärkung der Muskelkraft ist auch der Einsatz von Myostatin-Antikörpern. Myostatin ist ein Wachstumsfaktor (TGF-beta, Transforming Growth Factor beta), der das Muskelwachstum begrenzt. Möglicherweise könnte die Blockade von Myostatin bei Patienten mit Muskeldystrophie die Muskelregeneration fördern. Eine randomisierte Placebo-kontrollierte Studie mit 116 Patienten, die an verschiedenen Formen von Muskeldystrophie erkrankt waren, zeigte enttäuschende Ergebnisse: Der Myostatin-Antikörper MYO-029 induzierte keine signifikante Zunahme der Muskelkraft. Primäres Studienziel war allerdings die Überprüfung der Anwendungssicherheit, die sich bestätigen ließ. Weitere Forschungsvorhaben zur Prüfung dieses Wirkprinzips könnten dennoch lohnend sein, so Reichmann - zum Vorteil der Lebensqualität und auch der Lebenserwartung der Betroffenen. Angelika Bauer-Delta

1. Neurologic-Update-Seminar, Wiesbaden, 2009

 

Ist Konditionstraining sinnvoll?

Patienten mit Dystrophinopathien wird in der Regel empfohlen, körperliche Anstrengung zu meiden. Befunde bei Muskeldystrophie Typ Becker weisen jedoch darauf hin, dass kontinuierliches leichtes Ausdauertraining durchaus sinnvoll sein kann: Patienten trainierten ein Jahr lang wöchentlich 30 Minuten auf einem Fahrradergometer. Die Kraft der Beinmuskulatur verbesserte sich signifikant, ohne dass es zu einem vermehrten Muskelfaseruntergang kam.

 

[Quelle:] ÄP NeurologischePsychiatrie, 4-2009

 

01.03.2009 - Kassen müssen alternative Therapien zahlen

 

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen bei lebensbedrohlichen Erkrankungen Leistungen für medizinisch fragwürdige Therapien nicht verweigern. Das Bundesverfassungsgericht entschied so im Fall eines Patienten mit Duchenne'scher Muskeldystrophie, einem erblich bedingten Muskelschwund. Der Mann wurde mit homöopathischen Mitteln und Bioresonanztherapie behandelt. Es sei mit dem Grundgesetz sowie mit dem Sozialstaatsprinzip unvereinbar, einem Kassenpatienten, für dessen lebensbedrohliche Krankheit keine schulmedizinische Behandlung zur Verfügung steht, die Kostenerstattung für eine ärztlich angewandte Therapie zu verweigern, die eine 'nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder eine spürbar positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf' hat (Az. 1 BvR 347/98).

 

[Quelle:] Öko-Test, Ausgabe 01.03.2009, Nr. 3/2009

 

27.02.2009 - Behandlung mit Stammzellen in China

   88 K

27.01.2009 - Wissenschaftler verwandeln Hautzellen in Nervenzellen

 

Fibroblasten stammen von einem Kind mit Muskelatrophie

 

MADISON (ple). Die Verwandlung von Fibroblasten der Haut in Zellen, die humanen embryonalen Stammzellen sehr ähnlich sind, eignet sich immer besser für die Erforschung der Pathogenese genetischer Erkrankungen. US-Forscher haben erstmals solche Zellen von Patienten mit rezessiv vererbter spinaler Muskelatrophie (SMA) hergestellt.

 

Die als IPS - induzierte pluripotente Stammzellen - bezeichneten Zellen werden die Suche nach neuen Arzneien und Therapiestrategien für Patienten mit spinaler Muskelatrophie deutlich erleichtern. Davon sind die Stammzellforscher um Dr. James Thomson aus Madison aufgrund ihres jüngsten Forschungserfolges überzeugt. Thomson ist jener Wissenschaftler, dem es erstmals 1998 gelungen ist, humane embryonale Stammzellen zu züchten.

Wie die US-Wissenschaftler berichten, haben sie die IPS aus Hautfibroblasten eines Kindes mit spinaler Muskelatrophie und dessen gesunder Mutter hergestellt. Dazu schleusten sie vier Gene in die Fibroblasten. In vitro gelang es zudem, die Stammzellen in Nervenzellen - Motoneuronen - zu verwandeln. Je älter diese Neuronenkultur des Kindes wurde, um so weniger Nervenzellen blieben übrig. Nach zwei Wochen waren die übriggebliebenen Zellen auch deutlich kleiner im Vergleich zu jenen, die von den Stammzellen der Mutter stammten.

Kennzeichen der spinalen Muskelatrophie ist, dass durch eine genetisch bedingte verringerte Synthese des SMN-Proteins die Motoneuronen degenerieren. Am stärksten sind dadurch die proximalen Muskeln betroffen. Das Kind, dessen Hautzellen verwendet wurden, hatte Typ-1-SMA. Die Kinder erkranken meist innerhalb des ersten Lebensjahres.

 

(i) Nature 457, 2009, 277

 

 

[Quelle:] Ärzte Zeitung vom 27.01.2009

 

12.12.2008 - Neue Muskelkrankheit entdeckt


 

FILAMINOPATHIE schnürt sogar den Atem ab

 

[Foto:] Muskelschwund: Die Schulterblätter treten wie knöcherne Schaufeln hervor.

 

BOCHUM — Erst klappt das Treppensteigen nicht mehr richtig, dann lässt die Kraft in den Armen nach und schließlich kann die Filaminopathie zu Ateminsuffizienz, ja sogar zum Tod führen.

 

Myopathien sind meist durch Mutationen in Strukturproteinen, Ionenkanälen oder Enzymen verursacht, schreiben Dr. RUDOLF A. KLEY und Mitarbeiter von der Neurologischen Universitätsklinik Bergmannsheil, Bochum, in der Zeitschrift "Rubin". Die Kollegen haben in einer von Muskelschwäche betroffenen Familie vor Kurzem eine neue Muskelerkrankung, die Filaminopathie, entdeckt.

 

Filamine sind Proteine, die u.a. Aktinfilamente vernetzen. Filamin C ist die muskelspezifische Filamin-Form, Mutationen können zu einer Muskeldystrophie führen. Bei der untersuchten Familie lag der Veränderung des Filamin-C-Gens eine p.W271OX-Mutation zugrunde. Sie bedingt, dass das mutierte Filamin C-Protein schneller abgebaut wird als der Wildtyp. Histologisch und elektronenmikroskopisch finden sich in Muskelproben von Filaminopathie-Patienten abnorme Proteinablagerungen und Auflösung von Myofibrillen. Klinische Beschwerden traten bei den in Bochum untersuchten Patienten im Durchschnitt mit 44 Jahren auf, wobei zunächst die Beckengürtel- und später die Schultergürtelmuskulatur betroffen war, häufig ist auch die Atemmuskulatur beteiligt – wahrscheinlich die Hauptursache der verkürzten Lebenserwartung. Bei etwa einem Drittel der Patienten fanden sich kardiale Auffälligkeiten, oft war die Aktivität der Kreatinkinase im Serum stark erhöht.

 

Bisher ist bei der Filaminopathie nur eine symptomatische Behandlung z.B. der Atmungs- und Herzprobleme möglich. Langfristig wollen die Bochumer Wissenschaftler aber kausale Therapieansätze entwickeln, die das Fortschreiten der Erkrankung verhindern. AW

 

 

Rudolf A. Kley et al., Rubin 2008; 20—25

Quelle Abb.: Kley et al., "Clinical and morphological phenotype of the filamin myopathy: a study of 31 German patients", Brain 2007; 130: 3250 — 3264

 

 

[Quelle:] Medical Tribune vom 12.12.2008

 

 

01.12.2008 - Muskelschwund-Therapie: Behandlungsansatz mit Korrektur-Gen

 

Eine Berner Forschergruppe hat einen Erfolg bei der Behandlung der Spinalen Muskelatrophie erzielt. Mit Versuchen an Mäusen haben sie einen vielversprechenden Therapieansatz gefunden, der nun in der Fachzeitschrift Human Molecular Genetics publiziert wurde. Die Spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine Erkrankung von motorischen Nervenzellen im Rückenmark. SMA-Patienten fehlt eines von zwei beinahe identischen Genen, die das lebenswichtige SMN-Protein produzieren. Das vorhandene Gen ist fehlerhaft und produziert nur eine verkürzte Variante des SMN-Proteins. Die Forscher zeigten, dass eine Korrektur des fehlerhaften Gens bei Mäusen zu einer Verminderung der Krankheitssymptome führte. Die Forscher haben dazu molekularbiologisch ein Gen mit der Wirkung konstruiert, dass vom zweiten fehlerhaften Gen ein vollständigeres SMNProtein gebildet wird. Im Mausmodell konnte das Korrekturgen die Lebensdauer erhöhen, z. T. wurden die normalen Muskelfunktionen wiedererlangt. Quelle: Associated Press

 

 

[Quelle:] Neuronal vom 01.12.2008

 

01.12.2008 - Erhöhtes Leberrisiko unter Paracetamol

 

In seltenen Fällen kann es auch bei therapeutischen Paracetamol-Dosen (bis 4 g/d) zu einem Leberversagen kommen.

Ein 42-jähriger Patient mit Muskeldystrophie wurde wegen eines fieberhaften Atemwegsinfekts stationär

aufgenommen. In den Tagen zuvor hatte er jeweils 4 g Paracetamol eingenommen. Einen Tag nach der Aufnahme kam es zu einem akuten Leberversagen, die Serumspiegel von Paracetamol waren deutlich erhöht. Unter der Gabe von N-Acetyl-Cystein besserten sich die Leberwerte wieder.

Möglicherweise können Patienten mit einer Muskeldystrophie aufgrund ihrer niedrigen Muskelmasse nicht ausreichend Glutathion zum Abbau der Metaboliten von Paracetamol bereitstellen. CF

 

Pearce 8 et a1.: Acute liver failure following therapeutic paracet admin. in patients with muscular dystrophies. Anaesthesia 63 (2008) 89-91 X Bestellnummer der Originalarbeit 080179

 

04.10.2008 - Auf dem Laufband der Krankheit die Stirn bieten



 

 

Alexander Stobbe leidet seit zehn Jahren an Muskelschwund

 

 

Seit 2003 arbeitet Alexander Stobbe in der Rheinbabenwerkstatt. Seinen Traumberuf Tischler konnte er nicht erlernen.    Fotos (2): Kappi

 

 

Alexander auf dem gespendeten Laufband. Neben ihm seine Mutter Ina Stobbe, Ulrich Saliger und Anke Rößing (v.li.).

 

 

(JS) Es war vor zehn Jahren, als Alexander Stobbe und seine Mutter Nina merkten: Irgendetwas stimmt nicht. Das Laufen viel schwer, immer wieder stolperte der Teenager. Schließlich stellten die Ärzte die Diagnose: Muskelschwund, unheilbar.

 

„Es wurde immer schlimmer”, erzählt Nina Stobbe: „Die Ärzte sagen, dass es keine Medikamente gibt. Ob die Krankheit irgendwann mal tödlich sein wird, weiß ich nicht - ich will es auch gar nicht wissen.” Allein tägliches Training kann dem 24-Jährigen helfen, das Fortschreiten der Krankheit spürbar zu verlangsamen und die schon sehr eingeschränkte Mobilität zu bewahren. Mit einem Rollator kann Alexander Stobbe noch ein paar Meter zurück legen, sonst ist er auf einen Rollstuhl angewiesen.

 

Der tägliche Gang in ein Fitness-Studio oder in eine Reha-Einrichtung ist für Alexander bereits mit zu großen körperlichen Strapazen verbunden. Doch Anke Rößing hatte eine Idee. Die Gruppenleiterin in der Diakonie-Einrichtung traf Ulrich Saliger, Besitzer eines Gladbecker Fitness-Studios. „Ich dachte: Fragen kostet ja nichts”, erzählt sie, und erzählte Ulrich Saliger von ihrem Schützling Alexander.

 

Für den Geschäftsmann stand schnell fest, dass er helfen würde. Er stellte dem 24-Jährigen ein Laufband zur Verfügung. Darauf trainiert Alexander jeden Tag 20 bis 30 Minuten. „Man merkt, es hilft”, erzählen Ina Stobbe und Anke Rößing übereinstimmend. „Er hatte vorher schon ziemlich abgebaut ".

 

Für Ulrich Saliger war die Begegnung mit Alexander ein einschneidendes Erlebnis. „Mein Gott, es geht dir so gut, die Kinder und die Familie sind gesund”, verrät der Gladbecker seine Gedanken. Er hat zwar schon oft caritative Organisationen unterstützt, „aber das war bisher immer so anonym." Nachdem er die Rheinbaben-Werkstatt besucht hatte, machte Ulrich Saliger spontan ein weiteres Angebot: Für Alexander wird ein Ergometer, landläufig Trimmrad genannt, in der Rheinbabenwerkstatt aufgestellt, ein Physiotherapeut aus Ulrich Saligers Fitness-Studio wird für Alexander Stobbe einen Trainingsplan aufstellen.

 

„Ich bin zwar kein Mediziner”, sagt Ulrich Saliger, „aber ich weiß, dass man mit einem Rad noch mehr erreichen kann. Die Koordination kann damit gut trainiert werden.” Seit 2003 arbeitet Alexander Stobbe nun in der Rheinbabenwerkstatt, ist in der Elektromontage-Abteilung tätig. „Eigentlich wäre Alexander gerne Tischler geworden”, berichtet seine Mutter. „Er hat auch schon ein Praktikum gemacht. Aber eine Lehre - das ging nicht mehr."

 

Detlef Kuhn, Betriebsleiter der Rheinbaben-Werkstatt, hofft, in Zukunft einen kleinen Fitness-Raum für seine Schützlinge einrichten zu können. „In absehbarer Zeit müssen wir hier renovieren oder umbauen”, sagt er. „Vielleicht bekommen wir das dann hin.”

 

 

[Quelle:] Stadt Spiegel vom 04.10.2008

 

 

01.10.2008 - Die Sportpille


 

Amerikanische Forscher haben eine Tablette entwickelt, die fit machen soll, ganz ohne Training.

Können Couch-Potatoes jetzt liegen bleiben?

 

Text Constantin Herrmann

 

WIE WÄRE ES eigentlich, wenn wir essen könnten, was wir wollten, und trotzdem eine schlanke Taille hätten? Wenn wir keinen Sport machen müssten und trotzdem durchtrainiert aussähen? Wäre doch ein Traum, oder?

 

Diesen Traum wollen uns jetzt gleich mehrere Forscher aus den USA erfüllen. Ausgehend von der Tatsache, dass Astronauten im Weltraum schneller Muskelmasse abbauen als auf der Erde, suchen die Wissenschaftler nach einer Tablette, die Muskelabbau verhindert und den Körper fit und schlank hält.

 

Alfred Goldberg, Professor für Zellbiologie, hat mit seinem Team der Harvard Medical School die Gene Atrogin-1 und MuRF1 identifiziert, die während des Muskelabbaus aktiv werden. So soll die sogenannte Gym Pill bewirken, dass Muskelmasse nicht ab-, sondern ohne eigenes Zutun aufgebaut wird. Das soll einerseits Patienten mit Knochenbrüchen die nachfolgende Physiotherapie ersparen sowie ältere Menschen fit halten, andererseits könnten so auch alle Couch-Potatoes ruck, zuck ihre Wunschfigur bekommen.

 

Goldbergs erste Versuche an Mäusen waren bereits erfolgreich. Die Nager bauten nicht nur Muskelmasse auf, sie verloren sogar Fett und zeigten sich resistenter gegen Fette aus Nahrungsmitteln. Natürlich reden die Wissenschaftler vor allem von den Heilungschancen von Krankheiten wie Fettleibigkeit oder Diabetes, hinter vorgehaltener Hand munkelt man aber längst vom neuen Verkaufsschlager: der Fit-Pille. Für alle Workout-Faulen klingt das fast zu schön, um wahr zu sein.

 

Besonders Frauen erleben immer wieder, wie Muskelmasse und Körpergewicht zusammenspielen. Wer drastisch Diät hält, um abzunehmen, merkt, dass er gleichzeitig auch Muskelmasse abbaut und die Figur nicht unbedingt besser aussieht.

 

Alfred Goldberg, der sich seit den 60er Jahren auf das Thema Muskelschwund spezialisiert hat, glaubt, dass der Prozess, der den Körper bei einer Diät oder einer Verletzungsphase dazu bringt, Muskeln abzubauen, umgedreht werden kann. Ein spezielles Antihistamin könne den Prozess stoppen und Muskeln daran hindern, zu schwinden. Genau dieser Wirkstoff erzielte bei den getesteten Mäusen aufsehenerregende Ergebnisse. Schon in wenigen Jahren könnte also ein Präparat auf den Markt kommen, das allen Fitnessmuffeln die Arbeit abnehmen könnte.

 

"Eigentlich soll der Stoffwechsel kranker Menschen auf Trab gebracht werden, aber von der Erfindung könnte jeder profitieren"

 

Aber es gibt ein paar Haken: Die positiven Effekte von regelmäßiger Bewegung werden ausbleiben. Fitness-Expertin und Personal Trainer Natascha Meier aus Fraunberg warnt vor zu großen Erwartungen: „Man muss den Körper als eine Einheit sehen. Kontinuierliches Training kräftigt die Muskeln, verbessert aber auch die Durchblutung, die Atemleistung, stärkt das Herz und stabilisiert die Gelenke. Wachsen nur Muskeln, während Herz und Gelenke untrainiert bleiben, kann das fatale Folgen für den Körper haben.” Zudem ist die Frage von Nebenwirkungen völlig ungeklärt.

 

Und: Bewegung wirkt sich nicht nur positiv auf den Körper aus, sondern auch auf die Psyche. Sport hebt die Stimmung, kann sogar Depressionen lindern. „All dies kann eine Mucki-Pille nicht bieten. Deshalb lohnt es sich, den inneren Schweinehund zu überwinden”, sagt Natascha Meier. Das heißt, selbst eine unglaublich effektive „Fitness-Kapsel” wird künftig weder ausgewogene Ernährung noch regelmäßigen Sport ersetzen. Egal, was die Mediziner austüfteln: Auch in Zukunft müssen wir den Hintern selbst hochkriegen.

 

 

[Quelle:] myself vom 01.10.2008

 

01.09.2008 - Therapienetz Dystonie und Spastik gegründet

 

Am 2. Juli 2008 trafen sich Neurologen und Physiotherapeuten auf Einladung des Berliner Landesverbandes des BVND, der Neurologischen Rehabilitationsklinik Beelitz, der Neurologischen Universitätsklinik der Charité und des Landesverbandes Berlin der Deutschen Dystonie Gesellschaft (DDG), um das Therapienetz Dystonie und Spastik Berlin/Brandenburg zu gründen. Rund 40 Ärzte, Physiotherapeuten und Mitglieder der Dystonie-Selbsthilfegruppe nahmen an der Veranstaltung in Berlin-Mitte teil. Die einführenden Vorträge erörterten die Möglichkeiten der Netzwerkbildung in der Neurologie insbesondere der integrierten Versorgung, der Behandlung von Dystonie und Spastik mit Botulinumtoxin und die Möglichkeiten der krankengymnastischen Behandlung von Torticollis und Blepharospasmus.

 

Helga Müller vom Landesverband der DDG bekräftigte den Wunsch der betroffenen Patienten nach einer Versorgung, die allen Facetten der Dystonie Rechnung trägt und alle am Versorgungsprozess Beteiligten einbezieht. Ein Modell der integrierten Versorgung würde daher von den Patienten sicher begrüßt werden. Als sinnvoll erachteten alle Beteiligten die Verbesserung der sektorüber-greifenden Kommunikation und die Formulierung eines Therapiekonzeptes „aus einem Guss” für die tägliche Arbeit an Patienten mit spastischen und dystonen Bewegungsstörungen. Weiterer Tagungspunkt war die Erstellung eines E-Mail-Verteilers, der die Weiterarbeit an einem IV-Projekt Dystonie und Spastik ermöglichen soll. Videoaufnahmen physiotherapeutischer Behandlungssitzungen mit Dystoniepatienten bereicherten die Veranstaltung und machten diese vor allem für die anwesenden Ärzte zu einer hochkarätigen Fortbildungsveranstaltung.

 

AUTOR Dr. Walter Raffauf, Berlin

 

 

[Quelle:] NeuroTransmitter vom 01.09.2008

 

 

01.09.2008 - Leben mit neurologischen Erkrankungen



 

Hoffnung für M u s k e l k r a n k e:

 

S c h n e l l e r   Z u g a n g   z u r   n e u e s t e n   F o r s c h u n g

 

Die deutschen Datenbanken für Patienten mit Muskeldystrophien vom Typ Duchenne/Becker und mit Spinaler Muskelatrophie sind online an den Start gegangen. Das Projekt im internationalen Forschungsverbund TREAT-NMD ist ein Meilenstein im Kampf gegen diese unheilbaren Erkrankungen.

 

Die Muskeldystrophien vom Typ Duchenne (DMD) und Becker sowie die Spinale Muskelatrophie (SMA) sind erbliche neuromuskuläre Erkrankungen. Sie sind nicht heilbar. In Deutschland gibt es ca. 10.000-20.000 Patienten. Es handelt sich um so seltene Erkrankungen (Orphan Diseases), dass neue Behandlungsmethoden und eventuelle Heilungsmöglichkeiten nur in einem länderübergreifenden Verbund der Spitzenklasse entwickelt werden können. Dafür wurde das europäische Exzellenz-NetzwerkTREAT-NMD für translationale Forschung gegründet. In dessen Rahmen ging die deutsche Datenbank für Patienten mit DMD und SMA online, die Patienten können sich registrieren lassen.

 

In vielen europäischen Ländern werden solche nationalen Register aufgebaut. Sie sind ein dringendes Anliegen von Patienten und deren Organisationen, um die zeitnahe Realisierung klinischer Studien zu erleichtern. Denn über das europäische TREAT-NMD-Zentralregister in Frankreich ist dann schnelles und effizientes Handeln möglich, um etwa neue Medikamente an Patienten zu testen. Die deutschen Patientendatenbanken führt mit Hilfe von EU-Fördermitteln das Friedrich-Baur-Institut an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Projektleiterin ist Priv.-Doz. Dr. Maggie C. Walter. Sie betont: „Die Patientenregister sind ein erster Schritt zu verbesserter Forschung und vielversprechenden Therapien im Kampf gegen diese Krankheiten.Wir hoffen, dass sich möglichst viele Patienten eintragen.”

 

In den Datenbanken sollen alle europäischen Patienten mit DMD und SMA sowie Überträgerinnen der Muskeldystrophien erfasst werden. Unter www.dmd-register.de bzw. www.smaregister.de können sich Betroffene eintragen und einen Fragebogen ausfüllen. Sie werden dann auch gezielt über neue Möglichkeiten und Erkenntnisse informiert. Die Wissenschaft bekommt wichtige Informationen über die Häufigkeit der Krankheiten.

 

Prof. Dr. Hanns Lochmüller: „Es gibt sehr vielversprechende Ansätze. Einige der neuen Therapiestrategien, z. B. Exon-Skipping bei DMD, zielen spezifisch auf bestimmte genetische Veränderungen. Manche davon sind so selten, dass nur wenige Patienten innerhalb eines Landes für eine solche Studie in Frage kommen. Um bei klinischen Studien dann ausreichend hohe Patientenzahlen zu erreichen, ist es notwendig, Studienteilnehmer in ganz Europa, eventuell auch weltweit, zu rekrutieren. Die Patienten, die in Frage kommen könnten, werden kontaktiert und können sich entscheiden, ob sie an der Studie teilnehmen wollen.”

 

Das internationale Interesse an dem Projekt ist so groß, dass statt der ursprünglich geplanten fünf nun 20 nationale Register teilnehmen. Auch aus den USA, Kanada, Australien und Japan werden Daten an das zentrale Register in Montpellier/Frankreich gesendet. Die Daten sind pseudonymisiert und werden verschlüsselt übertragen. An der Universität Freiburg wurde ein internationales Studien- Koordinationszentrum eingerichtet. Zusätzlich werden Biobanken vernetzt, über die Wissenschaftler Biomaterial erhalten können.


Quelle: Klinikum der Universität München

 

 

[Quelle:] Neuronal vom 01.09.2008

[Foto:] Shutterstock

 

 

 

01.09.2008 - 7. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

 

7. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Wiesbaden, 25.-27. September 2008

 

PW-227

Palliative Sedierung in der pädiatrischen Palliativmedizin

Kuhlen M , Richter U , Schneider K, Balzer S, Janßen G, Universitätsklinikum Düsseldorf Klinik für Kinder-Onkologie, Düsseldorf

 

Einleitung: Sedierend wirkende Medikamente sind bei Patienten mit therapierefraktären Symptomen eine palliative Therapieoption zur Linderung unerträglichen Leids. Indikationen bei Erwachsenen sind agitiertes Delir, Atemnot, stärkste Schmerzen, Angst, akute Blutungen sowie Übelkeit und Erbrechen. Daten zu Indikationen und Vorgehen bei pädiatrischen Patienten sind rar. Wir berichten über zwei Kinder, bei denen in der Terminalphase eine palliative Sedierung zur Symptomkontrolle erforderlich wurde. Kasuistik 1: 14-jährige Patientin mit multifokalem Ewing Tumor mit Metastasen im Skelettsystem, der Lunge/Pleura, dem Mediastinum und beidseitigen Pleuraergüssen. In der Palliativsituation entwickelte die Patientin eine massive, therapierefraktäre Dyspnoe und obere Einflussstauung. In Absprache mit der Patientin und ihren Eltern erfolgte eine palliative Sedierung. Eine Kombination aus Midazolam-Boli und eine 20%ige Steigerung der Morphindosis waren unzureichend, so dass eine kontinuierliche Midazolam-Gabe erforderlich wurde. Zur Dosisfindung erfolgte eine Titration am Effekt. Kasuistik 2: Knapp 7-jähriger Patient mit thorakalem, malignen peripheren Nervenscheidentumor bei Neurofibromatose Typ I. Infolge eines ausgedehnten Rezidivs im Bereich des Mediastinums mit Ummauerung der großen Gefäße und Trachea sowie Tracheakompression litt er unter zunehmender Sekretretention und massiver Atemnot. Beide Symptome zeigten sich in der Terminalphase therapierefraktär. Mittels Ketanest-Boli konnte zunächst eine Bronchodilatation und Linderung der Symptomatik erzielt werden. Aufgrund zunehmender Sekretion im Oropharynx erfolgte eine Umstellung auf Midazolam-Dauerinfusion, unter der die Symptomatik kontrolliert werden konnte. Schlussfolgerung : Palliative Sedierung mit dem Ziel erträgliches, therapieresistentes Leid zu lindern ist auch in der pädiatrischen Palliativmedizin eine effektive, situativ steuer- und kontrollierbare Therapieoption zur Symptomkontrolle in der Lebensendphase. Sie stellt immer eine Einzelfallentscheidung dar und bedarf hoher medizinischer Kompetenz, guter Kommunikation zwischen allen Beteiligten und einer lückenlosen Dokumentation.

 

PW-228

Unterschiedliche Wege bei gleicher Erkrankung in der Kinderpalliativmedizin: zwei schwere Fälle von Dyskeratosis congenita

Führer M, Duroux A, Grasser M, Borggräfe l, Koletzko S, Borasio GD

Dr. von Haunersches Kinderspital und IZP, Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin, München; Dr. von Haunersches Kinderspital, München; Dr. von Haunersches Kinderspital, Gastroenterologie, München; Klinikum der Universität München, Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin, München

 

Hintergrund: In der Kinderpalliativmedizin spielen schwere angeborene Erkrankungen eine wichtige Rolle. Wir berichten über zwei Kinder mit einer sehr seltenen, angeborenen Systemerkrankung, dem Hoyeraal-Hreidarsson Syndrom (HHS), einer ungewöhnlich schweren Form der Dyskeratosis congenita, die zum fortschreitenden Verlust der Regenerationsfähigkeit aller Wechselgewebe (z. B. Hämatopoese, Immunsystem, Darmschleimhaut) führt. Patienten: Die Patienten stellten sich im Alter von 8 Mo. (Pat.1) bzw. 3 J. (Pat.2) mit therapieresistenter Diarrhoe, Enterocolitis und schwersten Schmerzkrisen bei oraler Ernährung vor. Beide Kinder wurden parenteral ernährt und mit einem Ileostoma versorgt. Die Feststellung eines schweren Immundefektes führte in beiden Fällen zur Diagnose eines HHS. Aufgrund der schlechten Prognose entschieden sich beide Familien gegen eine Knochenmarkstransplantation. Daraufhin übernahm die Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin (KKiP) die Betreuung der Kinder. Pat. 1: Aufgrund des starken elterlichen Wunsches nach Lebensverlängerung wurden Blutungen bei Thrombozytopenie mit Transfusionen und aktiv. Faktor VII behandelt. Pat. 1 verbrachte die ersten 30 Mo. nach Diagnosestellung stationär im 400 km vom Heimatort entfernten Zentrum. In den letzten 6 Mo. konnte ein tragfähiges Netz für die häusliche Versorgung geknüpft werden. Das Kind verstarb im Alter von 6J. zuhause im Arm der Eltern. Pat. 2 wurde nach dem Gespräch mit der KKiP nach Hause entlassen. Am 200 km entfernten Wohnort der Familie wurde in Kooperation mit dem Kinderarzt ein Versorgungsnetz aufgebaut. Durch den engen Kontakt zwischen der Bezugsärztin der KKiP, der Familie und den Kollegen vor Ort konnten Symptomkrisen durch intestinale Obstruktionen ohne Rehospitalisierung erfolgreich behandelt werden. Pat. 2 verstarb im Alter von 5,5J. friedlich im Beisein der Eltern. Fazit: Die Palliativbetreuung von Kindern mit seltenen Erkrankungen stellt aufgrund der wenig bekannten und oft komplexen Symptomatik hohe Anforderungen an das Behandlungsteam. Ein spezialisiertes Kinderpalliativteam kann die Versorgung vor Ort auch bei großer Entfernung erfolgreich koordinieren und rund um die Uhr beratend unterstützen. In der Kinderpalliativmedizin gibt es keine fixierten Therapieschemata: Auch bei gleicher Erkrankung sind die individuellen Bedürfnissen und Wertvorstellungen von Eltern und Kind der Maßstab für die gemeinsame Festlegung des Therapieziels und damit die Richtschnur für das ärztliche Handeln.

 

PW-229

Spinale Muskelatrophie Typ I (SMA I) in der Kinderpalliativmedizin - Individueller Umgang hinsichtlich Therapieentscheidungen

Duroux A, Grasser M, Kinast K, Borasio GD, Führer M, Haunersches Kinderspital und Interdisz. Zentrum für Palliativmedizin der LMU München, Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin, München; Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin der LMU, München

 

Hintergrund: Die SMA I ist gekennzeichnet durch zunehmende Muskel-schwäche und Tod durch Ateminsuffizienz in den ersten zwei Lebensjahren, wenn keine mechanische Beatmung erfolgt. Der Umgang mit der Erkrankung (non-invasive vs. invasive Beatmung vs. palliative Begleitung) kann im Einzelfall sehr unterschiedlich sein. Dies erfordert eine offene Haltung der professionellen Berater hinsichtlich der Entscheidungsfindung. Fallbeispiele: Pat. 1: Diagnose mit 6 Wochen. 1. Rehospitalisierung (RH) mit 10 Wo. bei Atemnot, Involvierung der Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin (KKiP). Intensivmaßnahmen von Eltern nicht gewünscht. Aufnahme auf Intensivstation bei starker Atem-not, 02-Therapie und Morphininfusion. Tod auf Intensivstation mit 11 Wo. Pat. 2: Diagnose mit 7 Monaten, 1. RH mit 12 Mo. bei Atemnot, wiederholte Intubationen, Involvierung der KKiP. Entlassung nach Hause mit Maskenbeatmung. 2. RH mit 16 Mo. auf Intensivstation bei RSV-Infektion. Divergierende Haltungen bzgl. Therapie (Intensivteam, Eltern, Pflegedienst). Tracheotomie und Entlassung mit invasiver Beatmung. 3. RH mit 18 Mo., Dys- und Atelektasenbildung bei Klebsiellenbesiedlung (aktueller Stand). Pat. 3: Diagnose mit 12 Wo. Mit 11 Mo. invasive Beatmung bei Ateminsuffizienz, Involvierung der KKiP. Zunächst Gelingen einer Maskenbeatmung, im Verlauf akute Verschlechterung, Entscheidung der Eltern gegen eine Tracheotomie. Fentanylinfusion, 02-Therapie und Maskenbeatmung. Tod mit 13 Mo. auf Intensivstation. Pat. 4: Diagnose mit 5 Wo., RH mit 3 Mo. wg. Pneumonie mit 02-Bedarf, Entlassung nach Hause. Erstkontakt mit der KKiP, akute Atemnot, sofortiger Hausbesuch, Aufnahme auf Normalstation, Besserung unter Physiotherapie und 02. Zwei Tage später akute Verschlechterung mit starker Atemnot, Morphininfusion. Tod mit 4 Mo. auf Normalstation. Pat. 5: Diagnose mit 6 Wo., Entlassung, mehrfache Hausbesuche durch die KKiP. Aufnahme im Kinderhospiz im 4. Mo., Titration von Morphin und Lorazepam po bei Atemnotanfällen. Verzicht auf Monitorüberwachung, gute Lebensqualität. Tod mit 5,5 Mo. im Kinderhospiz. Schlussfolgerungen: Trotz gleicher Grunderkrankung können die Therapieentscheidungen bei Kindern mit SMA I sehr unterschiedlich ausfallen. Medizinische Fakten, Wertvorstellungen und Hoffnungen der Familie sowie vorhandene Ressourcen sollten in den Entscheidungsprozess einbezogen wer-den. Ein spezialisiertes Kinderpalliativteam kann die Versorgung der Patienten koordinieren und beratend unterstützen.

 

PW-230

Wiederholte Dobutamininfusionen bei einem Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne und dekompensierter Herzinsuffizienz im Rahmen der palliativen Versorgung

Smitka M, Sommerfeld M, Pyper A, Dinger J, Häusler HJ, Nolte-Buchholz S, Hagen M von der Uni-Kinderklinik, Neuropädiatrie, Dresden; Uni-Kinderklinik, Intensivstation/Brückenpflege, Dresden; Uni-Kinderklinik, Endokrinologie, Dresden; Uni-Kinderklinik, Intensivmedizin, Dresden; Uni-Kinderklinik, Cardiologie, Dresden; Uni-Kinderklinik, Brückenprojekt, Dresden; Uni-Kinderklinik, Neuropädiatrie, Dresden

 

Einleitung: Patienten mit Muskeldystrophie Duchenne (DMD) versterben häufig im 2. oder 3. Lebensjahrzehnt, meist an den Folgen einer respiratorischen Insuffizienz oder einer dekompensierten Herzinsuffizienz. Letzteres ist für ca. 10-40% der Todesfälle verantwortlich. Neben der niedrigen Evidenz für die langfristige Behandlung der Cardiomyopathie (CMP) bei DMD, liegen insbesondere keine gesicherten Empfehlungen zur Krisenintervention bei der dekompensierten CMP vor. Gerade in der palliativen Behandlungssituation muss sorgfältig abgewogen wer-den welche Maßnahmen zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen. Kasuistik: Bei einem knapp 14-jährigen Patienten mit DMD wurde im Alter von neun Jahren in der Echokardiografie eine CMP festgestellt, und im Verlauf mit ACE-Hemmer, Digoxin und Spironolacton behandelt. Im Alter von zwölf Jahren entwickelte er eine dekompensierte Linksherzinsuffizienz mit Aszites, massiven peripheren Ödemen und beginnendem Lungenödem. Es erfolgte eine Erweiterung der Medikation um ß-Blocker und Furosemid. Bei gleichbleibend schlechter Kontraktilität erfolgte eine Dauerapplikation von Dobutamin und hochdosierten Diuretika über einen zentralvenösen Zugang. Darunter zeigte sich ein langsamer Rückgang der Ödeme, die Ejektionsfraktion (EF%) besserte sich nur unwesentlich von 0,27 auf 0,29. Der Patient wurde bei kritischer Gesamtsituation auf Wunsch der Familie nach Hause entlassen. Nach sieben Monaten erfolgte bei erneuter Verschlechterung des klinischen Zustandes eine stationäre Aufnahme zur intravenösen Dobutamin- und Diuretikatherapie. Darunter verlor der Patient innerhalb von wenigen Tagen 12 kg an Gewicht. Nach Entlassung ist es über die nächsten 6 Monate nur zu einem minimalen Wiederauftreten der Ödeme gekommen. Diskussion: Die Infusionstherapie mit Dobutamin und Diuretika wird in einzelnen Fallberichten als effektive Möglichkeit gesehen bei Patienten mit DMD und dekompensierter Herzinsuffizienz eine Verbesserung der Lebensqualität zu erzielen. Mit den Familien muss zum einen fiber die Nebenwirkungen der Therapie und zum anderen über die Anlage eines zentralen Venenkatheters in Analgosedierung/Kurznarkose und den möglichen Risiken aufgeklärt werden (Intubation/schwierigen Entwöhnung vom Respirator). Bei komplikationslosem Verlauf stellt die intermittierende inotrope Infusionstherapie jedoch eine Option zur palliativen Behandlung der terminalen Herzinsuffizienz mit dem Ziel einer Verbesserung der Lebensqualität dar.

 

PW-231

Diagnostik und Therapie in der Kinderpalliativmedizin - was ist sinnvoll und notwendig?

Grasser M, Duroux A, Weber L, Kinast K, Borasio GD , Führer M

Dr. von Haunersches Kinderspital und Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin der LMU, Koordinationsstelle Kinderpalliativmedizin, München; Dr. von Haunersches Kinderspital und Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin der LMU, Pädiatrische Nephrologie, München

 

Einleitung: In der Kinderpalliativmedizin müssen immer wieder schwerwiegende Entscheidungen getroffen werden, die häufig auch die Sinnhaftigkeit und Zumutbarkeit von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen betreffen. Wir berichten über zwei von uns betreute Patienten mit unklaren Symptomen, bei denen die Diagnostik zu erheb-lichen und für die Kinder positiven therapeutischen Konsequenzen führte. Patient 1: ist ein, 2 Jahre alter, mikrozephaler, seit Geburt schwer mehrfach behinderter Junge. Bei gastroösophagealem Reflux mit Erbrechen, schlechtem Trinkverhalten und stagnierendem Gewicht wurde eine PEG (perkutane Gastrostomie) angelegt. Der Junge entwickelte daraufhin eine Diarrhoe mit abdominalen Krämpfen, massiven Schmerzattacken und Gewichtsabnahme. Nach vergeblichen Therapieversuchen wandten sich die Eltern an uns mit der Frage, ob eine Beendigung der Nahrungszufuhr das Leiden ihres Sohnes verringern könnte. Da die Symptomatik nicht hinreichend erklärt war, konnten sich die Eltern schließlich nach wiederholten Gesprächen zu weiterer Diagnostik entscheiden. In der'Magen-Darm-Passage (MDP) zeigte sich eine Fehllage der PEG im Colon transversum, was die Symptomatik erklärte. Nach Neuanlage der PEG sistierten die Symptome, der Junge nimmt seither an Gewicht zu. Patient 2: ist 2 3/4 Jahre alt und an einem Menkes-Syndrom (erbliche Kupfertransportstörung, mittl. Lebenserwartung 2-4J.) mit schwerer psychomotorischer Retardierung und Tetraspastik erkrankt. Wegen rezidivierender Schmerzzustände unklarer Genese wurde Morphin oral verabreicht. Bei einer erneuten, therapieresistenten Schmerzkrise wurden nach Beurteilung der Gesamtsituation eine Sonografie sowie eine MDP veranlasst. Es zeigte sich eine vordere Zwerchfellhernie mit Darmvorfall in den Brustraum. Nach ausführlichen Diskussionen mit den Eltern und den Chirurgen wurde eine Operation mit Rückverlagerung des Darmes sowie Verschluss der Hernie durchgeführt. Die abdominellen Krämpfe und die Schreiattacken sistierten postoperativ, der Junge wurde in stabilem Zustand nach Hause entlassen. Schlussfolgerung: Gerade in der Kinderpalliativmedizin müssen Nutzen und Belastung diagnostischer Verfahren sowie die Einstellungen und Wünsche von Kind und Familie sorgfältig abgewogen werden. Bei unerklärlichen und therapierefraktären Symptomen können, wie diese beiden Beispiele zeigen, eine weiterführende Diagnostik und auch eine invasive Therapie trotz Palliativsituation notwendig und sinnvoll sein.

 

 

[Quelle:] Zeitschrift für Palliativmedizin vom 01.09.2008

 

 

07.08.2008 - An den Einfallstoren des Dopings


 

Sollte hier nicht geholfen werden, wenn die Medizinforschung neue Wege zeigt?

Die "Gliedergürteldystrohie", dargestellt mit einer Computertomographie-Aufnahme (rechts), ist ein fortschreitendes Muskelleiden, das in Einzelfällen wie diesem zu einem irreparablen und desaströsen Schwund der Muskeln führt. Im Bild links dargestellt ist die Muskulatur eines etwa gleichaltrigen gesunden Menschen.

 

 

Illegitime Innovation oder alternativloser Fortschritt der Medizin? An tödlichen Muskelleiden werden neue Wege zur „Optimierung” entwickelt

 

Die drei Autoren des jüngsten Doping-Berichtes aus dem Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag waren längst nicht die ersten, die von einer „sehr wahrscheinlich” bevorstehenden „neuen Qualität” des Dopings kündeten. Aber ihr Bericht, vor wenigen Monaten in Berlin vorgestellt, bringt das Gen- oder Molekular-Doping am Schluß ihres wissenschaflichen Kapitels über Grundlagen und Anwendungsperspektiven auf einen entscheidenden Punkt: „Auf längere Sicht könnte sich ein bedeutsamer Verbreitungsweg im Bereich der AntiAging-Medizin ergeben, nämlich dann, wenn zugelassene Mittel beispielsweise für die Therapie von überdurchschnittlichem Muskelabbau alltäglich werden”.

 

Hier wird, ohne konkreter zu werden, ein Forschungsgegenstand in den Fokus der Dopingdiskussion gerückt, der eine neue Dimension des alten medizinischen Dilemmas — Mißbrauch medizinischer Erfindungen — aufzeigt. Für Experten zumindest gilt unbestritten: Die Einfallstore, welche die Hochleistungsmedizin heute bietet, waren nie so groß. Und die Gefahr von, wenn auch indirekten, „Verstrickungen” bei Ärzten und Forschern nie so groß. Sollte man deshalb von „illegitimen Innovationen” sprechen, wie das der Darmstädter Sportsoziologe Karl-Heinrich Bette unlängst in einem bemerkenswerten Beitrag der „Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin” (Bd. 59, S.5) getan hat? Und wie wären diese etwa aus der Anti-Aging-Medizin stammenden „Optimierungsverfahren” sportjuristisch einzustufen? Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung zumindest gibt sich auf der Anreizseite keinen Illusionen hin: „Weil ein Muskelabbau üblicherweise bereits im mittleren Lebensalter einsetzt, und die Frage, wann dieser so stark ist, dass er als pathologisch angesehen werden kann, nicht eindeutig beantwortet werden kann, scheint die Zahl potenzieller Konsumenten enorm und die Höhe möglicher Umsätze ebenso.”

 

Medizinisch gesehen ist fortschreitende Muskelschwäche ein diffuser Begriff. Aber es gibt eine Gruppe von — fast allesamt genetisch stark geprägten - Muskelschwundkrankheiten, über die in den zurückliegenden zehn bis fünzehn Jahren teilweise ein so enormes Wissen angehäuft wurde, dass sich der Gedanke tatsächlich aufdrängt, hier werden bei allen gewiss untadeligen Versuchen, endlich brauchbare Therapien zu entwickeln, die qualitativ neuen Einfallstore für Muskeldopingtäter zwangsläufig mit geöffnet.

Im Mittelpunkt dabei immer wieder: Duchenne Muskeldystrophie. Diese Erbkrankheit, der Mutationen im Dystrophin-Gen und entsprechende Defekte in dem betreffenden Protein zugrunde liegen, trifft einen von etwa 3500 Jungen. Sie beginnt bei Kindergartenkindern mit, leichter Muskelschwäche, was allenfalls am häufigen Stolpern oder Fallen zu erkennen ist, und führt innerhalb weniger Jahre dazu, dass Treppen nicht mehr bestiegen, die Arme nicht mehr gehoben und schließlich — oft schon in der Pubertät — der Rollstuhl unumgänglich wird. Bis die Jugendlichen volljährig werden, sind viele schon ein Pflegefall.

 

Diesen mehr oder wenig ausgelieferten kranken Menschen medizinisch zu helfen, ihnen endlich etwas substanziell Wirksames zu bieten, ist der Grund für Entwicklungen, wie man sie etwa an den amerikanischen Johns Hopkins Medical Institutions vorantreibt. Dort war vor einem knappen Jahr an den damals schon berühmten „Muskelmäusen”, bei denen ein Muskelwachstumm hemmendes Protein - Myostatin — blockiert worden war, ein weiterer Geneingriff vorgenommen worden: Dieser sorgte dafür, dass große Mengen eines Proteins namens Follistatin produziert werden. Damit wurde das muskelhemmende Myostatin zusätzlich blockiert und die Mäuse bildeten plötzlich viermal so kräftige Muskeln wie üblich aus. Einige Monate später schließlich präsentierten Genforscher der Ohio State Universiy, dass eine einzige Injektion nackter Follistatin-Gene in den Oberschenkel von Mäusen auch fern liegende Muskelpakete zum Wachtum anregte und dazu noch — angeblich ohne Nebenwirkungen auf Herz und Fortpflanzungsvermögen — zuvor aufgetretene Entzündungsherde in den Muskeln der Tiere weit schneller als üblich heilen ließ.

Die Muskeldystrophie-Mäuse spielen, seitdem sie im Sommer 1997 an der Washington University School of Medicine gezüchtet worden waren, eine zentrale Rolle in der Erforschung der Muskelphysiologie. So auch auf dem jüngsten Feld, das einige der beteiligten Wissenschaftler mit ungehemmt euphorischen Kommentaren begleiten: "Stammzellforscher geben alten Muskeln neuen Pep", verkündeten vor wenigen Wochen kalifornische Forscher aus Berkeley. Hintergrund waren Experimente, die „müden” Stammzellen alter Mäuse, die noch in der Muskulatur ruhen, zur Vermehrung und Ausreifung zu bringen. Tatsächlich hatten die Forscher offenbar zwei entscheidende Eingriffspunkte in der Signalkaskade der Zellen gefunden, die unter normalen Umständen die Stammzellen träge und alt werden lassen. Verhinderten sie allerdings die Bildung eines der beteiligten Proteine – des „Transforming Growth Factors”, kurz TGF-beta – und stimulierten sie damit gleichzeitig einen Zellrezeptor namens „Notch” auf der Oberfläche der Zellen, verjüngten sich die lahmen Stammzellen in den Muskeln regelrecht. Die so behandelten alten Mäuse regenerierten plötzlich ihre Muskeln, wie die Forscher in „Nature” berichteten, genauso effektiv wie ihre jugendlichen Artgenossen.

 

Vor kurzem schließlich gaben Forscher des Harvard Stem Cell Institute in der Zeitschrift „Cell” bekannt, dass sie die entscheidende Stammzell-Population aus der Skelettmuskulatur, die man gewissermaßen wie Knochenmark-Stammzellen transplantieren und zum Muskelersatz zumindest der Muskeldystrophie-Mäuse verwenden kann, isoliert und in der Kultur erfolgreich vermehrt haben. Die potenten Zelltransplantate übernahmen an den operierten Stellen quasi das Kommando und führten bereitwillig zum Aufbau von Muskelgewebe – und zwar nicht nur in geschädigtem Gewebe, sondern „mit hoher Effizienz auch in gesunden Muskeln”. Die Stammzellen übernahmen nach dem Transfer dauerhaft die Stammzellnischen in den Muskelfasern und liefen darin offenbar nicht einmal Gefahr, durch die aggressiven Immunzellen im fremden Körper angegriffen und abgestoßen zu werden. „Das sollte zu analogen Untersuchungen für eine Zellersatzbehandlung beim Menschen ermutigen”, schreiben die Wissenschaftler. Bis es soweit ist, dürften noch Jahre der klinischen Forschung ins Land gehen. In ihren Startlöchern sitzen gewiss längst nicht mehr nur Therapeuten.

 

JOACHIM MÜLLER-JUNG

 

 

[Quelle:] Frankfurter Allgemeine vom 07.08.2008

[Foto:] Isabell Richard

 

28.07.2008 - Mögliche Therapie gegen Muskelschwund

 

Durch die Injektion von genetisch veränderten Bindegewebszellen könnten sich neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten eröffnen, die an der bisher unheilbaren Duchenne-Muskeldystrophie leiden. Die Zellen setzen im geschädigten Muskelgewebe Wachstumsfaktoren frei, die dort neue Blutgefäße wachsen lassen und versteifte Blutgefäße wieder elastisch machen: Wie eine Forschergruppe um Giulio Cossu vom Mailänder Istituto San Raffaele im Fachmagazin „Nature 'Medicine” berichtet, machten die frischen Blutgefäße das geschädigte Gewebe besser zugänglich für die eigentliche Therapie: die Injektion von Vörläuferzellen, aus denen neue Muskelstränge wachsen. Das Verfahren ist bisher nur im Tierversuch erprobt worden. FTD

 

[Quelle:] FINANCIAL TIMES Deutschland vom 28.07.2008

 

 

01.07.2008 - Hoffnung bei Kardiomyopathie?

 

Ex-vivo-Befunden kanadischer Forscher um Christine Des Rosiers zufolge kann der cGMP-spezifische Phosphodiesterase (PDE)-5-Inhibitor Sildenafil womöglich das Fortschreiten der Kardiomyopathie bei der Duchenne'schen Muskeldystrophie verlangsamen. Die Gabe von Sildenafil an explantierten Herzen führte zu einem signifikanten Anstieg der cGMP-Konzentration und einem Rückgang der Herzmuskelschädigung um 44%.

Quelle: PNAS 2008; 105: 7028

 

[Quelle:] Propraxis Kardiologie vom 01.07.2008

01.07.2008 - Atemerschöpfung bei Duchenne Muskeldystrophie

 

NIPPV am Tag senkt Dyspnoe

 

VLEZENBEEK (MedCon) - Zwei Stunden nicht-invasive Positivdruckbeatmung (NIPPV) am Nachmittag zusätzlich zu einer herkömmlichen NIPPV in der Nacht lindern bei Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie die muskuläre Erschöpfung sowie die Dyspnoe, zeigt eine in Thorax vorgestellte Studie. Wie Michel Toussaint vom Ziekenhuis Inkendaal in Vlezenbeek, Belgien, und Kollegen berichten, „entlasten diese zwei Stunden NIPPV am Tag die Atemmuskulatur und beseitigen die Atemnot effektiver als eine NIPPV nur in der Nacht”.

In der Studie wurden bei 50 Patienten mit Duchenne-Muskeldystrophie um 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends Marker des respiratorischen Status und der Atemarbeit erhoben, wie etwa die Lungenfunktion, der modifizierte Borg-Dyspnoe-Score, das Muster der Spontanatmung, der Tension-Time (TT)-Index und die Ausdauerzeit der Atemmuskulatur (Tlim) bei 35% des maximalen Inspirationsdruckes. Schwerer betroffene Patienten mit Hypoventilation in der Nacht erhielten eine nächtliche NIPPY, Patienten, die auch tagsüber an Dyspnoe litten, zudem eine NIPPV am Nachmittag (14-16 Uhr).

„Eine stärker ausgeprägte Muskelschwäche war mit höherer TT und niedrigerer Tlim assoziiert”, so die Autoren. Im Gegensatz zu Patienten ohne Dyspnoe stieg bei Patienten mit Dyspnoe (d.h. einem Borg-Score > 2,5 von 10), die Tlim nach der nächtlichen NIPPY an und die TT sank. Direkt im Anschluss an die nachmittägliche NIPPY zeigten sich bei diesen Patienten eine Abnahme der Dyspnoe und eine weitere Abnahme der TT, wohingegen die Ausdauer der Atemmuskulatur nicht weiter anstieg. In der Abenduntersuchung waren sowohl der Tension Time Index und der Dysponoe-Score als auch die Ausdauer der Atemmuskeln an Tagen mit zusätzlichen zwei Stunden NIPPY am Nachmittag verglichen mit Kontrolltagen, an denen tagsüber keine NIPPY erfolgte, verbessert.

Diese Daten zeigten, dass „bei Duchenne-Patienten mit Dyspnoe die Belastung der respiratorischen Muskulatur mit ansteigender Atemnot über Tag zunimmt und die Ausdauer der Muskulatur abnimmt”, fassen Toussaint et al. zusammmen. Dies werde durch die nächtliche NPPV rückgängig gemacht, und weitere zwei Stunden NIPPY am Nachmittag verstärkten diese positiven Effekte noch weiter. (kap)

 

Autoren: Michel Toussaint et al.

Korrespondenz: ZH Inkendaal, Inkendaalstraat 1, 1602 Vlezenbeek, Belgium; michel.toussaint@inkendaal.be

Studie: Effect of non-invasive ventilation on respiratory muscle loading and endurance in patients with Duchenne muscular dystrophy.

Quelle: Thorax. 2008 May;63(5):430-4

Web: thorax.bmj.com

Thorax

 

[Quelle:] KOMPAKT - PNEUMOLOGIE vom 01.07.2008

 

01.07.2008 - Diagnose Muskeldystrophie steht oft erst nach Jahren




 

SCHWERPUNKT: KINDER

Bewegungstherapie ist nur mit leichter bis mäßiger Belastung sinnvoll.

 

 

Neuromuskuläre Krankheiten mit Beginn im Kindesalter sind mit einer Inzidenz von 1 :2500 keineswegs selten. Professor Dr. Bernd Reitter, Mainz, stellt wesentliche Aspekte gegenwärtiger Diagnostik und Therapie vor.

 

Die Kenntnisse zur Molekulargenetik der neuromuskulären Krankheiten (neuromuscular diseases, NMD) sind seit der Definierung des Dystrophingens 1986 sprunghaft gewachsen. Der aktuelle Stand der Forschung ist heute nur noch für speziell Bewanderte überschaubar. Den, klinischen Alltag in der Betreuung der Betroffenen beeinflusst der Wissensstand allerdings nur begrenzt. Parallel zur Präzisierung der Pathogenese ließen sich aber auch die palliativen Ansätze erheblich weiterentwickeln und ermöglichen bei den häufigsten Formen der NMD wenigstens einen an Beschwerden milderen Verlauf. Der Zuwachs an pathogenetischer Kenntnis verhilft der Diagnostik zwar zu höherer Präzision und ändert das diagnostische Vorgehen, trug aber nicht dazu bei, die Diagnose früher zu stellen. Es entscheidet unverändert die Kenntnis des klinischen Bildes darüber, ob das Vorliegen einer NMD überhaupt erwogen wird.

 

Bereits Anfang des zweiten Lebensjahrzehnts sind viele Jungen auf den Rollstuhl angewiesen.

 

Im Kindesalter ist dies schwieriger als beim Erwachsenen; das nicht immer bereits initial typische Bewegungs-,Tonus- und Schwächemuster muss von Entwicklungsvarianten und zentralen Koordinationsstörungen unterschieden werden, während bei Beginn einer NMD im Erwachsenenalter nach in der Regel normaler Entwicklung ein Defizit an Kraft, Ausdauer, Muskeltrophik und -tonus zu erfassen ist. Vor allem diese Schwierigkeit verzögert die Diagnosestellung beispielsweise der Muskeldystrophie Duchenne (DMD) um Monate bis Jahre und lässt die Familien laut einer Dissertation zu diesem Thema bis zu fünf medizinische Instanzen aufsuchen. Grundsätzlich ist jedoch eine frühe Diagnosestellung der DMD ab der Neonatalperiode über das Kreatinkinase (CK)-Screening möglich. Obwohl die Inzidenz der DMD mit derzeit 1 : 3 500 bis 1: 7 000 Jungen häufiger ist als alle bislang im Neugeborenenscreening erfassten metabolischen Krankheiten zusammen, wird die generelle Bestimmung der Kreatinkinase-Aktivität etwa im Luziferasetest mangels einer bereits früh im Verlauf wirksamen Therapie nicht empfohlen. Der Gesichtspunkt weiterer Geburtenplanung betroffener Familien bleibt kritisch zu bedenken.

Kongenitale Muskeldystrophien (CMD) sind Teil der Differenzialdiagnose des muskelschwachen Neugeborenen („floppy infant"); neben muskulärer Hypotonie, Bewegungsarmut, mangelhafter motorischer Entwicklung und zum Teil Schluck- und Ateminsuffizienz und/oder Epilepsie stehen wie bei Gykolysierungsstörungen oft Fehlbildungen des ZNS, teilweise auch der Augen im Vordergrund (siehe Tabelle unten), öfter auch äußerliche Fehlbildungen wie Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und Analatresie. Nach klinischer und morphologischer Abklärung, bei der eine Sonografie meist ausreicht, kann die Diagnose molekulargenetisch bestätigt werden. CMD ohne beziehungsweise mit diskreteren ZNS-Fehlbildungen - so die in Europa häufigste Form, der Merosin-oder Laminin-a2-Defekt

(MDC 1A) - wird durch den fehlenden Immunfluoreszenz-Nachweis des entsprechenden muskulären Strukturproteins im Muskelbiopsat definiert. Die anschließende molekulargenetische Bestätigung kann die Diagnose präzisieren.

 

 

ZNS-Fehlbildungen bei kongenitalen Muskeldystrophien (Auswahl)

 

Muscle-Eye-Brain Disease (und ähnlich Walker-Warburg-/COD-/HARD-Syndrom)

 

- Hydrocephalus,

- Polymikrogyrie/Agyrie,

- Hypomyelinisation,

- Heterotopien,

- Cerebellum-Hypoplasie,

- Fehlen der Pyramidenbahn,

- Frontallappenfusion,

- Mikrophthalmie,

- Kolobom,

- retinale Dysplasie,

- Fehlbildung vordere Augenkammer

 

CMD Fukuyama (selten in Europa!)

 

- Marklagerreduktion, Hydrocephalus,

- Polymikrogyrie, Heterotopien,

- Teilfusion der Hemisphären,

- Fehlen der Pyramidenbahn

 

 

 

Zur Diagnose der myotonen Dystrophie Curschmann-Steinert keine Biopsie notwendig

 

Der Stellenwert des Muskelbiopsates ändert sich auch bei anderen NMD im Kindesalter. Bei verschiedenen Entitäten kann heute die Biopsie vermieden werden.

Die myotone Dystrophie Curschmann-Steinert ist bei einem maternal betroffenen Neugeborenen aus der klinischen Kombination von Hypotonie, Schwäche bis zur in der Regel passageren Ateminsuffizienz und Klumpfüßen durch den Nachweis der Myotonie in der Elektromyografie (EMG) der Mutter zu diagnostizieren und olekulargenetisch mit relativ geringem Aufwand durch den Nachweis der verlängerten CTG-Repeats auf Chromosom 19 zu sichern. In weniger klassischen Konstellationen wird man gleich den Methylierungstest veranlassen. Die typische Symptomatik einer spinalen Muskelatrophie (SMA) Typ 1 oder 2 erlaubt hei eindeutig neurndener FMG als nächsten Schritt den Nachweis der Homozygotie des SMN1-Gens auf Chromosom 5 oder, bei ausgeprägter Ateminsuffizienz aufgrund einer Zwerchfellschwäche im Säuglingsalter, den Nachweis einer SMA mit respiratorischem Distress auf Chromosom 11. Ähnlich erlauben Muskeldystrophien mit klarem klinischen Verlauf beziehungsweise mit eindeutiger Verteilung der muskulären Hypotrophien, der Schwäche und der sekundären Fehlhaltung wie bei der fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie oder der Emery-Dreifuß-Muskeldystrophie unmittelbar die Indikation des molekulargenetischen Nachweises. Bei den Gliedergürteldystrophien (LGMD) ist die Situation aufgrund der Überlappung der klinischen Bilder schwieriger. Hier ist zumindest noch der immunhistochemische Nachweis des Fehlens oder der Minderausprägung des entsprechenden muskulären oder kollagenen Gewebes und eventuell anschließender molekulargenetischer Bestätigung nötig. Klärt das histochemische Bild den Proteindefekt nicht eindeutig, so ermöglicht beispielsweise die Mikrosatelliten-Analyse bei ausreichend informativem familiären Hintergrund einen wahrscheinlichen Genlokus zu definieren, der dann den hier zu vermutenden Gendefekt gezielt untersuchen lässt. Dies ist eine der diagnostischen Aufgaben im deutschen Kollaborationsverband MD-net (www.MD-net.org). Bei klinischem Verdacht auf die häufigste Muskeldystrophie DMD und Muskeldystrophie Becker (BMD), untermauert durch eine auf > 1000 U/I erhöhte Kreatinkinase im Serum, kann bei Jungen ohne vorherige EMG und ohne Muskelbiopsie die molekulargenetische Suche nach Deletionen im Dystrophingen veranlasst werden. Für das Drittel der Fälle mit Mutation steht jetzt auch die Sequenzierung des Gens zu vertretbaren Kosten zur Verfügung Alternativ wird man sich bei fehlendem Nachweis einer Deletion wie auch primär bei einem klinischen Befund, der eine LGMD erwägen lässt, zur Biopsie entschließen. Die Möglichkeit, frühe Entwicklungsstadien der DMD nach freiwillig durchgeführtem neonatalem Screening zu beobachten, erlaubt es, die bekannten Frühsymptome zu erweitern(siehe Tabelle unten). Deren Erkennen in der Beobachtung erleichtert eine frühe Diagnosestellung. Der klassische, für den Patienten passive neurologische Befund bleibt lange im Rahmen der Norm, so auch das Reflexmuster.

 

 

Frühsymptome der Muskeldystrophie Duchenne (mit individueller Varianz!)

 

ab dem 1. Lebensjahr:

- grobmotorische Meilensteine > 50. Percentile

- Vermeiden/spärliche Lageänderungen gegen die Schwerkraft, längeres Verharren in Bauchlage/im Sitz

- unter Umständen statt Krabbeln bevorzugt Vorwärtsziehen auf dem Bauch mit Abstützen der Ellbogen bei gestreckten Beinen

- längere Nutzung von Gegenständen zum Hochziehen zum Stand mit durchgedrückten Knien

- Fallenlassen beim Setzen

- An-sich-Hochkrabbeln zum Stand (Gowers's Manoeuvre)

- fast stets Fallen bei oder nach Stolpern

 

ab dem 2. Lebensjahr:

- Entwicklung der aktiven Sprache verzögert/Dysarthrie

- Schwäche im Schultergürtel: Durchrutschen bei Heben in axilläre Hängehaltung, wenn nicht am

Rumpf gehalten

- frühe Erschöpfbarkeit (Ausdauer früher beziehungsweise deutlicher als grobe Kraft vermindert)

- Hochziehen der Schultern bei schnellem Gehen und Laufen (Laufen wie auf frischem Teer)

- kaum fähig zu hüpfen

- zunehmende Tendenz, auf den Vorfüßen zu laufen

- Treppensteigen wird verzögert erlernt, bleibt meist unterschiedlich abnorm

- Beginn typischer Kontrakturen an Hüften (Hyperlordose) und oberen Sprunggelenken;

kompensatorische Schulterretraktion im Stand und Gang

- vermehrt Grimassieren, Spielen mit großer Zunge bei gehäuft offenem Mund

 

 

Nach dem wohl zu einfach konzipierten und gescheiterten Versuch, Jungen mit DMD gesunde Myoblasten zu implantieren, sind die molekulargenetischen Therapieansätze nicht nur bei DMD inzwischen kaum mehr überschaubar; erste Effekte im Tiermodell sind erzielt. Im Humanversuch ließ sich 2007 nachweisen, dass Exon-Skipping zur Bildung verkürzten Dystrophins im Muskel von Jungen mit DMD führen kann. Damit dürfte sich der Verlauf einer DMD zu der einer MD Becker modifizieren sen. Weitergehende Konzepte stehen absehbar vor klinischen Studien. Auch Laien können die Entwicklung über die Selbsthilfegruppen verfolgen (siehe Kasten auf Seite 42). Auch für LGMD und spinale Muskelatrophien sind klinische Studien in Vorbereitung. Die kontinuierliche Information über den wissenschaftlichen Stand stärkt auch die Kritikfähigkeit der Patienten gegenüber unseriösen Therapieangeboten.

Physiotherapie wird in der Regel als erste Maßnahme initiiert. Sichere Nachweise ihrer Effizienz gibt es nicht, klinische Studien mit statistischen Ansätzen liegen lange zurück. Sicher ist, dass der Abbau der Skelettmuskulatur hierdurch nicht aufgehalten werden kann.

Behandlungsaufgaben beschränken sich auf:

 

- Übungen zur Stabilisierung der Grobmotorik und zum Erreichen von Bewegungszielen unter Nutzung möglichst vieler Muskelgruppen,

- Verzögern von Gelenkkontrakturen durch passive und aktive Dehnübungen,

- Beratung zur Alltagsbewältigung,

- in fortgeschrittenen Stadien aktive Atemgymnastik und Unterstützung bei der Anpassung

maschineller Atemhilfen und im Abhusten,

- noch später passive Atemgymnastik ähnlich der bei Mukoviszidose.

 

Neurophysiologische Physiotherapiekonzepte (etwa nach Bobath oder Vojta) können eingesetzt werden, haben aber keine nachgewiesen bessere Wirkung. Der Abbau dystropher Muskulatur kann durch Überlastung oder Erschöpfung beschleunigt werden. Daher ist rigorose Behandlung und Überdehnung der Muskeln zu vermeiden. Ähnlich kritisch sind die Dehnübungen zum Erhalt der Gelenkbeweglichkeit zu sehen und demnach zu handhaben: Gedehnt werden überwiegend die Muskelfasern und nicht die rigideren Bindegewebsstrukturen. Für frühe Stadien beispielsweise der DMD, das heißt bei erhaltener Gehfähigkeit, dürfte eine physiotherapeutische Begleitung zunächst monatlich genügen. Verlaufsdokumentation durch Muskelkrafterfassung ist wesentlich vor allem bei Behandlung in Studien. Unter den zahlreich erwogenen und angewendeten Substanzen ist zurzeit nur für Glukokortikoide eine den

Kraftabbau verzögernde Wirkung bei DMD nachgewiesen. Für die theoretisch und im Mäusemodell gut untermauerte Wirkung von Kreatin in Supplementation liegen bislang nur ungenügende klinische Untersuchungen vor. Dem Wirkkonzept nach dürfte ein wesentlicher Effekt bei Einsatz in möglichst noch subklinischen Stadien zu erwarten sein. Bislang wurden nur vereinzelte Jungen mit DMD ab dem ersten Lebensjahr behandelt, ohne dass über wesentlich verzögerte Verläufe berichtet worden wäre.

 

Leitlinien zur Behandlung der DMD orientieren sich an den Rotterdamer Empfehlungen von 1997

 

Für die DMD wurde in den Rotterdamer Empfehlungen 1997 ein internationaler Konsens über Abfolge und Zeitpunkte palliativer Maßnahmen erzielt. Mit geringen Modifikationen spiegeln die Leitlinien der AWMF dieses Konzept wider. Danach ist im Stadium der Gehfähigkeit zunächst auf die Ausbildung von Kontrakturen an den Beinen zu achten. Frühe operative Kontrakturlösungen schließen Hüft-, Knie- und Sprunggelenke ein, da der Steh- und Gehapparat funktionell und statisch als Ganzes betrachtet werden muss. Isolierte Achillotenotomien bleiben die Ausnahme. Voraussetzung ist, dass sich Kontrakturen schon bei gut erhaltener Muskelkraft entwickeln. Wesentlich ist eine rasche Remobilisation postoperativ. Eine Versorgung mit Lagerungsschienen ist nur postoperativ vorzusehen. Quengelschienen sind nicht in der Lage, vorhandene Kontrakturen bei DMD zu redressieren. Ab etwa dem fünften Lebensjahr sollte nach gegenwärtigem Konzept jedem Jungen mit DMD die Behandlung mit Prednison oder Deflazacort angeboten werden. Der Konsens zu diesem Zeitpunkt berücksichtigt die befürchtete Infekthäufung im Kindergartenalter, den Impfplan und die jetzt zu erwartende Kooperation bei der Testung motorischer Fähigkeiten. Letztere ist bei der zunächst für etwa ein Jahr zu planenden ersten Behandlungsphase wesentlich, da das Spektrum von Wirkung und Nebenwirkungen noch unerklärt weit ist. Die individuelle Beurteilung erfordert eine detaillierte Dokumentation von Muskelstatus, motorischen Funktionen mit Zeiterfassung und Qualitätsmerkmalen (10 m Laufen, Treppensteigen, Aufstehen aus Rückenlage) sowie der Nebenwirkungen, hier vor allem abnormer Gewichtszunahme trotz initial zu planender Diätberatung. Als optimal gilt eine Dosierung von 0,75 mg Prednison/kg/d oder 0,9 mg/kg/d Deflazacort, das zu geringerer Appetitsteigerung führt. Ist die Verlaufsbilanz annehmbar, so kann unter engmaschiger Kontrolle (wie bei anderen Indikationen zu chronischer Kortikoidmedikation auch) die Behandlung bis zum Gehverlust fortgeführt werden.

 

Jahrelange Gabe von Kortikosteroiden beeinflusst das Längenwachstum

 

Bei Gabe über Jahre hinweg sistiert das Längenwachstum und die Osteopenie kann durch Frakturen die Gehfähigkeit beenden. Ansonsten kann ein Teil der Jungen bis zu mehrere Jahre über das Maximum des

 

 

Zeichen nächtlicher Unteratmung/Hyperkapnie bei NMD

 

- gehäuftes nächtliches Aufwachen

- Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche, Benommenheit - Kurzatmigkeit,

gepresste, abgehackte Sprechweise - Appetitmangel, Gewichtsabnahme, Gastritis

- Schwitzen, Herzklopfen, Tremor, Schwindel

- Depressivität, Angst

 

 

natürlichen Verlaufes im Alter von zwölf Jahren hinausgehen. Niedrigere Dosierung der Kortikoide oder pulsierte Gaben sollen die Nebenwirkungen mindern. Konsens über ein insgesamt optimiertes Dosierungskonzept liegt nicht vor. Eine jetzt zu Ende gehende Doppelblindstudie wird zeigen, ob die Kinder von der zusätzlichen Gabe von Cyclosporin A bei nur phasenweiser Gabe von Prednison profitieren. Inzwischen ließ sich auch ein verzögernder Effekt von Glukokortikoiden auf die Entwicklung der Kardiomyopathie im Rahmen der DMD nachweisen. Dies belebt Überlegungen, auch Patienten mit MD Becker zu behandeln. Nach Gehverlust ist mit der Entwicklung einer Skoliose zu rechnen. Korsettbehandlung ist ineffektiv. Ab und optimal bei einem Winkel von 20° nach Cobb ist eine Spondylodese hochthorakal bis lumbal indiziert. Hierdurch kann die sekundäre Thoraxdeformierung und deren Einfluss auf die zunehmende Minderung der Atemfähigkeit vermieden werden.

Spirometrie, vor allem Vitalkapazität und maximaler Inspirationsdruck, verfolgt die Abnahme der Kraft der Atempumpe und hilft den Zeitpunkt zu erfassen, zu dem eine maschinelle Atemunterstützung zu empfehlen ist.

 

Ab Einschränkung der Vitalkapazität auf 40 Prozent Monitoring der Atemgase im Nachtschlaf

 

Ab einer Einschränkung der Vitalkapazität auf etwa 40 Prozent sollten Spirometrie und Atemgasanalyse durch Monitoring der Atemgase im Nachtschlaf, am günstigsten unter Bedingungen eines Schlaflabors, ergänzt werden. In eingerichteten Zentren ist die Versorgung mit einem Positivdruck-Heimbeatmungsgerät nach Anpassung einer Nasenmaske Routine. Unbedingt vermieden werden sollte, die Versorgung erst auf eine Notfallsituation, etwa die in einer Bronchopneumonie auch subjektiv wahrgenommene Atemnot, ankommen zu lassen. In dieser Extremsituation wird eine Tracheotomie unter Umständen nicht zu umgehen sein, die ansonsten erst Jahre später bei Abnahme des Atemzugvolumens in die Nähe des Totraumvolumens zu diskutieren ist. Heimbeatmung allein ist in der Lage, das Leben bei DMD umJahre bis Jahrzehnte zu verlängern bei subjektiv als annehmbar beurteilter Lebensqualität. Um Atemunterstützung rechtzeitig einleiten zu können, sollten alle Betreuenden - welcher fachlichen Provenienz auch immer - mit den zunächst unspezifischen Symptomen beginnender Ateminsuffizienz vertraut sein (siehe Tabelle links). Auch bei gut angepasster Heimbeatmung zunächst nur nachts, zunehmend auch tagsüber, wird die Kardiomyopathie bei DMD führend. Der die Progredienz mildernde Effekt einer in frühem Stadium begonnenen Behandlung mit ACE-Hemmern und Betablockern ist belegt.

Zusammen genommen sind die palliativen Therapien geeignet, die Folgen der DMD und anderer NMD erheblich zu mildern. Voraussetzung bleibt deren abgestimmte Koordination. Sie bleibt fachlich dem vorbehalten, der die Verlaufsformen von NMD am ehesten überblickt, in der Regel also dem Neuropädiater und später dem Neurologen. Freilich bleibt damit verbunden, bei den Formen von NMD mit absehbar ungünstigen, wenig beeinflussbaren Verläufen, so vor allem der CMD, zum Umfang und Einsatz technischer Maßnahmen in der Behandlung Stellung zu beziehen.

 

Univ. Prof. Dr. med. Bernd Reitter,

Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Johannes Gutenberg Universität, Mainz

E-Mail: reitter@kinder. klinik.uni-mainz.de

 

Informationen aus dem Internet

Selbsthilfegruppen mit wissenschaftlichem Informationsangebot:

www.dgm.org

www.benniundco.de

www.initiative-sma.de

www.mda.org

 

Allgemein gehaltene Informationen zur Muskeldystrophie Duchenne:

www.duchenne-information.eu

 

Genetik zu neuromuskulären Krankheiten:

www.dmd.nl

 

Forschungs- und Versorgungsverbund:

www.treat-nmd.eu

 

 

 

[Quelle:] Neurologie Psychiatrie vom 01.07.2008

 

 

 

01.07.2008 - Muskeldystrophie - Schneller Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen

 

Die Muskeldystrophien vom Typ Duchenne (DMD) und Becker sowie die Spinale Muskelatrophie (SMA) sind unheilbare erbliche neuromuskuläre Erkrankungen. In Deutschland gibt es ca. 10000-20000 Patienten. Es handelt sich um Orphan Diseases, sodass neue Behandlungsmethoden und eventuelle Heilungsmöglichkeiten nur in einem länderübergreifenden Verbund entwickelt werden können. Dafür wurde das europäische Exzellenz-Netzwerk TREAT-NMD für translationale Forschung gegründet. In dessen Rahmen ging jetzt die deutsche Datenbank für Patienten mit DMD und SMA online, dort können sich die Patienten registrieren lassen. In vielen europäischen Ländern werden solche nationalen Register aufgebaut. Sie sind ein dringendes Anliegen von Patienten und deren Organisationen, um die zeitnahe Realisation klinischer Studien zu erleichtern. Denn über das europäische TREAT-NMD-Zentralregister in Frankreich ist dann schnelles und effizientes Handeln möglich, um etwa neue Medikamente an Patienten zu testen.

 

Die deutschen Patientendatenbanken führt mit Hilfe von EU-Fördermitteln das Friedrich-Baur-Institut an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München. Projektleiterin ist PD Dr. Maggie C. Walter. Sie betont: „Die Patientenregister sind ein erster Schritt zu verbesserter Forschung und vielversprechenden Therapien im Kampf gegen diese Krankheiten. Wir hoffen, dass sich möglichst viele Patienten eintragen.”

In den Datenbanken sollen alle europäischen Patienten mit DMD und SMA sowie Überträgerinnen der Muskeldystrophien erfasst werden. Unter www.dmd-register.de bzw. www.sma-register.de können sich Betroffene eintragen und einen Fragebogen ausfüllen. Sie werden dann auch gezielt über neue Möglichkeiten und Erkenntnisse informiert. Die Wissenschaft bekommt so wichtige Informationen über die Häufigkeit der Krankheiten.

 

Mitteilung des Klinikums der Universität München

Fortschr Neurol Psychiat 2008; 76

 

[Quelle:] Fortschritte der Neurologie - Psychiatrie

Ausgabe 01.07.2008 / Nr.7/2008

18.06.2008 - Forschung für Patienten mit Muskeldystrophien

Die deutschen Datenbanken für Patienten mit Muskeldystrophien vom Typ Duchenne (DMD) und Becker und mit spinaler Muskelatrophie (SMA) sind online gegangen. Die Muskeldystrophien vom Typ Duchenne/Becker sowie die spinale Muskelatrophie sind unheilbare erbliche neuromuskuläre Erkrankungen, von denen in Deutschland rund 10 000 bis 20 000 Patienten betroffen sind. Es handelt sich um so seltene Erkrankungen (Orphan Diseases), dass neue Behandlungsmethoden und eventuelle Heilungsmöglichkeiten nur in einem länderübergreifenden Verbund der Spitzenklasse entwickelt werden können. Dafür wurde das europäische Exzellenznetzwerk TREAT-NMD (Translational Research in Europe for the Assessment und Treatment of Neuromuscular Diseases; www.treatnmd.eu) für translationale Forschung gegründet.

 

In vielen europäischen Ländern werden derzeit entsprechende nationale Register aufgebaut. Sie sind ein dringendes Anliegen von Patienten und deren Organisationen, um die zeitnahe Realisation klinischer Studien zu erleichtern. Das europäische Zentralregister hat seinen Sitz in Montpellier/Frankreich. Die deutschen Patientendatenbanken führt mit EU-Fördermitteln das Friedrich-Baur-Institut an der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München (www.baur-institut.de).

 

In den Datenbanken sollen alle europäischen Patienten mit DMD und SMA sowie Überträgerinnen der Muskeldystrophien erfasst werden. Unter www.dmd-register.de beziehungsweise www.sma-register.de können sich Betroffene eintragen und einen Fragebogen ausfüllen. Sie werden gezielt über neue Möglichkeiten und Erkenntnisse auf dem Laufenden gehalten. Die Wissenschaftler erhalten wichtige Informationen über die Häufigkeit der Krankheiten.

Im Exzellenznetzwerk TREAT-NMD arbeiten führende Experten auf dem Gebiet der neuromuskulären Erkrankungen zusammen. Die Koordination liegt bei der Universität Newcastle/Großbritannien. Partner sind vor allem nationale Organisationen, Universitäten, wissenschaftliche Netzwerke, Patientenorganisationen und Pharmafirmen. Deutscher Partner ist das Muskeldystrophie-Netzwerk (MD-NET, www.md-net.org).

Das internationale Interesse an dem Projekt ist so groß, dass statt der ursprünglich geplanten fünf jetzt 20 nationale Register teilnehmen. Auch aus den USA, Kanada, Australien und Japan werden Daten an das zentrale Register in Montpellier gesendet. Die Daten sind pseudonymisiert und werden verschlüsselt übertragen. Der Zugang zu diesen Daten ist durch europäische Gesetze und ethische Richtlinien geregelt (Download unter der Adresse www.treat-nmd.eu/registries/toolkit.htm). TREAT-NMD bietet Trainings- und Weiterbildungsprogramme für Ärzte und Wissenschaftler an. An der Universität Freiburg wurde ein internationales Studienkoordinationszentrum eingerichtet. Zusätzlich werden Biobanken vernetzt, über die Wissenschaftler Biomaterial erhalten können.

Das deutsche Register wird finanziell unterstützt durch TREAT-NMD sowie durch die Selbsthilfeorganisationen "aktion benni & co" (www.benniundco.de) und der "Initiative SMA" (www.initiativesma.de). KBr

 

[FOTO:] Bei der Erforschung neuromuskulärer Erkrankungen arbeiten Experten weltweit zunehmend vernetzt zusammen und bauen Register auf.

 



31.05.2008 - PTC124 anlässlich des dritten jährlichen Myologie Kongresses vorgestellt

 

PTC124 anlässlich des dritten jährlichen Myologie Kongresses vorgestellt

South Plainfield, New Jersey (ots/PRNewswire)

 

PTC gibt Beginn zusätzlicher klinischer Studien der Phase IIb an verschiedenen europäischen Standorten bekannt

 

PTC Therapeutics, Inc. (PTC) gab heute bekannt, dass PTC124, das neue oral verabreichte Prüfpräparat des Unternehmens zur Behandlung von genetisch bedingten Erkrankungen aufgrund von

Nonsense Mutationen, im Rahmen eines Symposiums bei der Myology 2008, dem dritten jährlichen Myologie Kongress, am Freitag, dem 30. Mai in Marseille vorgestellt wurde. Der Kongress dient als Hauptversammlung der Association Francaise contre les Myopathies (Französische

MUSKELDYSTROPHIE Vereinigung), und teilt Forschung, Behandlungsmöglichkeiten und klinische Studien für verschiedene Formen von Muskeldystrophien in den Mittelpunkt.

(Logo: www.newscom.com/cgi bin/prnh/20010919/PTCLOGO)

 

PTC124 wird bei Muskeldystrophie vom Typ Duchenne (DMD) untersucht, einer fortschreitenden Muskelerkrankung, bei der Patienten Dystrophin fehlt, ein Protein, das für die strukturelle Stabilität der Muskelfasern notwendig ist. PTC starte vor kurzem eine weltweite, auf Zulassung ausgerichtete Studie der Phase IIb bei DMD und Muskeldystrophie vom Typ Becker (BMD) um die Wirksamkeit von PTC124 zu bewerten, die anhand der verbesserten Gehfähigkeit von Patienten mit dieser genetischen Erkrankung gemessen wird.

 

Daten aus der vorherigen Studie der Phase IIa wurden vorgestellt und von einem Ausschuss führender Ärzte und Forscher diskutiert, darunter: Dr. med. Thomas Voit, medizinischer und wissenschaftlicher Leiter des Myology Institute and Dr. med. Richard Finkel, Leiter des Neuromuskulären Programms am Kinderhospital von Philadelphia (Neuromuscular Program, Children's Hospital of Philadelphia, PA).

 

"PTC124 stellt eine vielversprechende neue Behandlungsmöglichkeit für DMD/BMD dar, da zurzeit keine Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind, die die zugrundeliegende Ursachen dieser Krankheit zu behandeln", erklärte Dr. Voit. "Die klinische Studie der Phase IIb für PTC124 definiert den Goldstandard für weitere klinische Studien zu Muskeldystrophien. Ich bin hoch erfreut, an diesen bahnbrechenden Studien teilzuhaben."

 

Die an dem Symposium teilnehmenden Präsentatoren gaben ebenfalls bekannt, dass Studien der Phase IIb vor kurzem in Frankreich, Belgien und Schweden begonnen hatten und dass die Anmeldung von. Patienten an weiteren Orten in Europa in den nächsten. Monaten stattfinden werde, um die Reichweite des klinischen Entwicklungsprogramms zu vergrössern.

 

Genetische Erkrankungen wie DMD und Mukoviszidose (CF) werden durch genetische Veränderungen, die auch als Mutationen bekannt sind, hervorgerufen. Indem es auf eine bestimmte Art von genetischen Veränderungen Nonsense Mutationen abzielt, umgeht PTC124 den Fehler und führt zu einer Wiederherstellung eines funktionellen Proteins. Das Unternehmen hat über 2.400 unterschiedliche genetischer Erkrankungen katalogisiert, bei denen Nonsense Mutationen bei einem bedeutenden Prozentsatz der Patienten die Ursache sind. Nonsense Mutationen inaktivieren Genfunktionen und sind dafür bekannt, zwischen fünf und 70 Prozent der Einzelfälle dieser

Erbkrankheiten zu verursachen..

 

An präklinischen Modellen genetischer Erkrankungen aufgrund von Nonsense Mutationen wurde gezeigt, dass PTC124 posttranskriptionale Kontrollprozesse reguliert, indem es vollständige, funktionelle Proteine wiederherstellt. Posttranskriptionale Kontrollprozesse sind zelluläre Regulationsvorgänge, die stattfinden, nachdem ein RNA Molekül von der DNS kopiert wurde. Diese Prozesse sind von grundlegender Wichtigkeitf_ür eine korrekte zelluläre Funktion und bieten eine Möglichkeit, hier durch Modulation des Proteinniveaus behandelnd in eine Vielzahl genetischer Erkrankungen einzugreifen.

 

"Wir freuen uns über die Gelegenheit, unsere erstaunlichen klinischen Fortschritte bezüglich PTC124 dem Kreis der

Myologie Experten mitteilen zu können", erklärte Dr. med. Langdon Miller, Chief Medical Officer von PTC. "Durch seine Spezifizität und neuen Wirkungsmechanismen zeigt PTC124 das Potenzial, eine grosse Bandbreite von durch Nonsense Mutationen verursachte genetischer Erkrankungen behandeln zu können. Wir freuen uns, unsere klinischen Programme für DMD und CF weiter voranbringen zu können und PTC124 für die Behandlung einer Reihe weiterer durch Nonsense Mutationen verursachten genetischen Erkrankungen zu bewerten."

 

Informationen zu DMD/BMD

 

Bei Muskeldystrophien vom Typ Duchenne und Becker(DMD/BMD)handelt es sich um fortschreitende Muskelerkrankungen, die zum Verlust von Muskelfunktionen und so zum Verlust von Unabhängigkeit führen können. DMD/BMD sind möglicherweise die am häufigsten auftretenden Muskeldystrophien und heutzutage die am häufigsten diagnostizierte, tödliche Erkrankung während der Kindheit. Jedes Jahr werden ca. 20.000 Kinder weltweit mit DMD geboren (eines von 3.500 männlichen Kindern.). Es wird angenommen, dass einer von 10 DMD Patienten wahrscheinlich an einer Ausprägung der Krankheit vom Typ leidet, einer milderen Form der Krankheit, die mit einer späteren Symptomausprägung in Zusammenhang gebracht wird. Im Wesentlichen sind DMD und BMD ein Kontinuum derselben Krankheit. Weitere Informationen über DMD und BMD sind über die Muscular Dystrophy Association (www.mdausa.org), das Elternprojekt Muskeldystrophie (Parent Project Muscular Dystrophy) (www.parentprojectmd.org) und die Association Francaise contre les Myopathies (www.afm france.org)erhältlich.

 

Informationen zu PTC124

 

PTC124 ist ein oral verabreichtes Prüfpräparat in Phase II der klinischen Entwicklung zur Behandlung aufgrund von

Nonsense Modifikationen verursachter genetischer Erkrankungen. Nonsense Mutationen sind Punktmutationen im genetischen Code, die den Translationsprozess vorzeitig stoppen und so verkürzte, nichtfunktionelle Proteine hervorbringen. PTC124 hat die Produktion vollständiger funktioneller Proteine in präklinischen Modellen genetischer Erkrankungen durch Nonsense Mutationen wieder hergestellt. In klinischen Untersuchungen der Phase 1 wurde PTC124 im Allgemeinen gut vertragen, erzielte die angestrebten Plasma Konzentrationen, die bei präklinischen Modellen mit Aktivität verbunden waren und reduzierte das Überlesen normaler Stopp Codons durch die Ribosomen nicht. PTC124 hat einen pharmakodynamischen Machbarkeitsbeweis in klinischen Untersuchungen der Phase IIa bei durch Nonsense Mutationen verursachte Muskeldystrophie vom Typ Duchenne (DMD) und bei Mukoviszidose (CF) erbracht.

 

PTC124 ist möglicherweise für die Behandlung einer Vielzahl anderer genetischer Erkrankungen einsetzbar, deren Ursache eine Nonsense Mutation ist. Die FDA hat PTC124 nach Subpart E zur beschleunigten Entwicklung, Bewertung und Vermarktung zugelassen und den Orphan Drug Status für die Behandlung von CF und DMD aufgrund von Nonsense Mutationen erteilt. PTC124 wurde auch von der Europäischen Kommission der Orphan Drug Status erteilt. Die Entwicklung von PTC124 wurde durch Zuschüsse der Muscular Dystrophy Association (MDA), der Cystic Fibrosis Foundation Therapeutics, Inc. (CFFT), dem Parent Project Muscular Dystrophy (PPMD), dem FDA Office of Orphan Products Development (OOPD) und durch General Clinical Research Center Zuschüsse des National Center for Research Resources (NCRR) unterstützt. Für weitere Informationen über die klinische Studie zu PTC124 besuchen Sie bitte www.clinicaltrials.gov und suchen Sie mithilfe des Schlüsselworts: PTC124.

 

Informationen zu PTC Therapeutics Inc.

 

PTC ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das auf die

Entdeckung, Entwicklung und Vermarktung oral verabreichter, patentierter, kleinmolekularer Arzneimittel, die auf posttranskriptionale Kontrollprozesse abzielen, spezialisiert ist. Posttranskriptionale Kontrollprozesse regulieren die Häufigkeit und den Zeitpunkt der Proteinproduktion und sind von grundlegender Bedeutung für korrekte zelluläre Funktionen. Die selbst entdeckten Wirkstoffe von PTC zielen auf eine Vielzahl von Behandlungsgebieten ab, darunter genetische Erkrankungen, Onkologie und Infektionserkrankungen. Zusätzlich hat ?TC patentierte Technologien und ein umfängliches Wissen über posttranskriptionale Kontrollprozesse entwickelt, die bei der Entdeckung und Entwicklung seiner Arzneien angewendet werden, einschliesslich der

Technologie Plattform für Genexpressionsmodulation durch niedermolekulare Moleküle (Gene Expression Modulation by

Small molecules GENS), die die Grundlage für eine Zusammenarbeit mit führenden Pharma und Biotechnologie Unternehmen wie Pfizer, Celgene, CV Therapeutics und Schering Plough war. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website des Unternehmens: www.ptcbio.com.

 

Website: www.ptcbio.com www.mdausa.org

www.parentprojectmd.org www.afm france.org

 

Originaltext: PTC Therapeutics, Inc.

Digitale Pressemappe: www.presseportal.de/pm/71433 Pressemappe via RSS : www.Presseportal.de/rss/pm_71433.rss2

 

Pressekontakt:

Investoren und Medien, Jane Baj von PTC Therapeutics, Inc., 1 908 912 9167, jbaj@ptcbio.com; oder Sheryl Seapy von Pure Communications, 1 949 608 0841, sheryl@purecommunicationsinc.com,

für PTC Therapeutics, Inc.; oder Patienten, Angehörige von Patienten, Forschende und Patientenverbände, Diane Goetz von PTC Therapeutics, Inc., 1 908 912 9256, patientinfo@ptcbio.com / Foto: NewsCom: www.newscom.com/cgi bin/prnh/20010919/PTCLOGO , AP Archiv: photoarchive.ap.org , PRN Photo Desk, photodesk@prnewswire.com

ots 1201953

 

[Quelle:] News Aktuell GmbH

19.05.2008 - Erbliche Muskeldystrophie: Erhöhtes Leberrisiko unter Paracetamol

Nach Einnahme großer Mengen von Paracetamol kann es bei gesunden Menschen zu Leberversagen kommen. Unter therapeutischen Dosen von bis zu 4 g/d treten bei Erwachsenen normalerweise keine Komplikationen auf.

 

In seltenen Fällen kann es auch nach der Einnahme therapeutischer Paracetamoldosen zu einem Leberversagen kommen. Ein 42-jähriger Patient mit einer erblichen Muskeldystrophie wurde wegen eines fieberhaften Atemwegsinfekts stationär aufgenommen. Er hatte in den Tagen vor der stationären Aufnahme jeweils 4 g Paracetamol zur Fiebersenkung eingenommen.

 

Einen Tag nach der stationären Aufnahme kam es zu einem dramatischen Anstieg der Leberwerte, er entwickelte ein akutes Leberversagen. Im Serum ließen sich deutlich

erhöhte Paracetamolspiegel nachweisen. Unter der Gabe von N-Acetyl-Cvstein besserten sich die I.eberwerte langsam wieder.

 

Paracetamol wird in der Leber über das Cvtochrom P-450-Enzymsystem metabolisiert. Möglicherweise können Patienten mit einer Muskeldystrophie aufgrund ihrer niedrigen Muskelmasse nicht ausreichend Glutathion zum Abbau der Metaboliten von Paracetamol bereitstellen. (CF)

 

[F] Pearce B et al.: Acute liver failure following therapeutic paracetantol administration in patients with muscular dystrophies. Anaaesthesia 63 (2008) 89-91

 

 

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