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Der Hochseilakt: Physiotherapie bei Patienten mit Muskelerkrankungen

Jeder von uns kennt das Gefühl, sich nach einer längeren Krankheit mit Bettruhe matt und schwach zu fühlen. Wenn unsere Muskeln lange genug geschont werden, kann bei jedem ein geringer Muskelschwund auftreten. Aus dem gleichen Grund trainieren Raumfahrer im Zustand der Schwerelosigkeit täglich ihren Körper!

Wir meinen mit „Muskelschwund“ aber etwas anderes, nämlich Krankheiten, bei denen unsere Muskeln regelrecht zugrunde gehen. Im „Zentrum für Muskelerkrankungen“ (oder „Myopathien“) in der Weserbergland-Klinik in Höxter betreuen wir als Team von Fach-Physiotherapeuten intensiv Menschen mit Erkrankungen des Muskelsystems. Muskelkranke werden im Alltag vielfach missverstanden: sie sehen manchmal gar nicht krank aus, sitzen aber im Rollstuhl viele können zwar noch gehen, aber nicht mehr selber aufstehen die meisten gehen unsicher und werden nicht selten von ihrer Umwelt als „Betrunkene“ deklariert "Muskelschwund" wird oft mit MS (Multiple Sklerose) verwechselt.

So haben es Muskelkranke im Leben oft recht schwer, verstanden zu werden – und müssen sich oft genug rechtfertigen. Die meisten machen die Erfahrung, dass sich kaum jemand gut mit dieser seltsamen Erkrankung auskennt, zumal sie in diversen Erscheinungsformen auftritt. Es war ein guter Einfall von Herrn Friedrich, als er uns vor Jahren ermunterte, unsere Fachabteilung „Zentrum für Muskelerkrankungen“ zu nennen! So etwas spricht sich schnell herum bei Kranken, die ihr Leiden seit vielen Jahren gut kennen und dann mit einer hohen Erwartungshaltung und ziemlich genauen Vorstellungen über ihre Therapieziele herkommen.

Muskelschwund – gibt es diese „Krankheit“ überhaupt?

Was ist das Besondere, das die Arbeit mit Patienten in der Klinik ausmacht?

Die Mehrzahl der Mitarbeiter/innen im Team hat schon jahrelange Erfahrungen gesammelt. Das hat den großen Vorteil, dass nach einer differenzierten Befundaufnahme schnell und zielgerichtet Möglichkeiten und Risiken abgewo-gen werden können. Der Rollstuhl- Patient schwankt in seinen Empfindungen zwischen der Erleichterung, den Rollstuhl verlassen zu können, um endlich seine Verspannungen, seine Rückenschmerzen, seine Druckstellen zu lindern – und der Angst vor dem Aufstehen, bei dem er sonst kaum Hilfe erfährt: Ein falscher oder unachtsamer Griff des Helfers, und es kommt zu Stürzen. So entspricht das notwendige Funktionstraining quasi einem Hochseilakt mit kalkuliertem Risiko! Schließlich sind hier alle modernen Geräte und Hilfsmittel vorhanden: Geräte zum sicheren Umsetzen, Aufstehen, Stehen und Gehen sowie Möglichkeiten zum Erleichtern aller geschwächten Bewegungen, vom Schlingentisch bis zum Bewegungsbad. Vor diesem sicheren Hintergrund haben die Patienten keine Probleme, sich auf die zunehmenden kleinen „Gemeinheiten“ listiger Therapeuten einzulassen – schließlich macht nur gesteigerte Übung den Meister, und dazu ist ja reichlich Gelegenheit. Die große Zufriedenheit und Selbstbestätigung danach, nämlich, „es geschafft zu haben“ , ist oft nicht zu beschreiben. Dann wären da noch die „gesellschaftlichen Verpflichtungen“ der Myopathie-Kranken, denn hier sind sie keine Exoten, sondern unter ihresgleichen, quasi normal. Man trifft sich zum gemütlichen Plausch nach der Therapie, zieht mal über die Therapeuten her, informiert und berät sich gegenseitig, knüpft vielleicht Freundschaften. Es sind oft sehr lebenslustige Patienten, die sich über die „Peanuts“ des täglichen Lebens amüsieren können, die Äußerlichkeiten gering und das eigene Wohlbefinden hoch einschätzen lernen. Das ist vielleicht das Besondere am „Muskelzentrum“: Die gegenseitige Freude, sich den Hochseilakt der Therapie zuzutrauen und darin messbar neue Kräfte zu schöpfen. Martin Kemper Bilder, Videos & Infos zum Thema finden sie hier:

Homepage der WBK

Bilder der WBK

Kinder in der WBK

Filme der DMH

"DAS" Therapiezentrum / Muskelkrankheiten: Kurzfassung von Martin Kemper

 

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