Informationsveranstaltungen

Informationen sind wichtig. Genau aus diesem Grund veranstaltet die Deutsche Muskelschwund-Hilfe kostenlose Informationsveranstaltungen zu unterschiedlichen Themen. 

Anfang 2015 haben wir z.B. einen Informationsabend zum Thema "Mit Mobilitätseinschränkung ins Berufsleben starten" veranstaltet. 

Mit Mobilitätseinschränkung ins Berufsleben starten

Infoveranstaltung der DMH (Zusammenfassung)

„Mit Mobilitätseinschränkung ins Berufsleben starten“ war das Thema unseres Infoabends am 13. Januar 2015 im Hamburg-Saal des BFW Vermittlungskontor in Farmsen. Ziel der Veranstaltung war es, jungen Menschen mit Mobilitätseinschränkung Wege aufzuzeigen, wie es nach der Schule weitergehen kann.

Claudia Wenzel von der Arinet GmbH, die kurzfristig für die leider krank gewordene Britta Görlich vom BFW Vermittlungskontor eingesprungen ist, stellte die Beratungsangebote vor, die Menschen mit Behinderung in Anspruch nehmen können. Eine Möglichkeit ist z. B. das Netzwerk B. O. (Berufliche Orientierung inklusiv) das in den Schulen, jeweils ein halbes Jahr lang, Beratungen anbietet. Für Jugendliche mit einer körperlichen, psychischen oder einer Sinnesbehinderung gibt es außerhalb der Schule die Möglichkeit, sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen zu lassen. Das BFW Vermittlungskontor unterstützt die Jugendlichen dabei, ihre eigenen Stärken und Interessen zu entdecken, aussagekräftige Bewerbungsunterlagen zu erstellen, sucht mit den Teilnehmern nach geeigneten Ausbildungsbetrieben, stellt Kontakt zu den Betrieben her und bereitet auf Vorstellungsgespräche und Einstellungstests vor. Auch während der Ausbildung werden die Teilnehmer weiter durch das BFW begleitet. Finanziert wird diese Maßnahme von der Agentur für Arbeit. 

Auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben können, werden durch das Vermittlungskontor unterstützt. Hier werden ebenfalls mit den Teilnehmern individuelle Möglichkeiten und Perspektiven erarbeitet, Bewerbungsunterlagen zusammengestellt und Vorstellungsgespräche geübt. Durch Praktika in Betrieben kann die Leistungsfähigkeit getestet und der Berufswunsch überprüft werden. Das Vermittlungskontor bietet u.a. auch Einzel-Coachings an, in denen mit den Teilnehmern ganz intensiv daran gearbeitet wird, die eigenen Stärken und Potentiale zu erkennen und zu nutzen. In den Coachings werden auch Einstellungstests und Vorstellungsgespräche vorbereitet und so eine gute Ausgangslage geschaffen.

Frau Wenzel verwies auch auf das Berufsbildungswerk (bbw), das Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderem Förderbedarf unterstützt. Dieser Förderbedarf wird in der Regel von der Agentur für Arbeit festgestellt, über die auch die Anmeldung erfolgt. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können im bbw eine Ausbildung machen, die je nach Ausbildungsberuf zwischen 2 und 3,5 Jahren dauert. Darüber hinaus können verschiedene Berufsförderungsmaßnahmen in Anspruch genommen werden. Die Teilnehmer, die in allen Maßnahmen individuell begleitet und unterstützt werden, sollen nach Beendigung der Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erlangen. 

Zu Gast war ebenfalls Dr. Maike Gattermann-Kasper vom Büro für die Belange von Studierenden mit Behinderung oder chronischer Krankheit der Universität Hamburg. Sie gab den Besuchern einen guten Überblick über die Zulassungsvoraussetzungen, über Härte- und Nachteilsaus-gleichsregelungen bei der Bewerbung und beim Studium, über mögliche Finanzierungsquellen und vieles mehr. Sie wies vor allem darauf hin, wie wichtig es ist, sich frühzeitig zu informieren um ein Studium gut vorbereiten zu können. Je nach Studiengang sind z. B. lange Wege zwischen den Gebäuden zu bewältigen, was für Menschen mit Behinderung oft eine logistische Herausforderung darstellt. Zudem ist noch nicht jedes Gebäude gleichermaßen gut zugänglich. Auch die Vorbereitung eines Härtefallantrags kann viel Zeit in Anspruch nehmen, weil fachärztliche Gutachten erstellt werden müssten. Frau Dr. Gattermann-Kasper wies auch auf die vielfältigen Informations- und Beratungs-angebote der Uni für Studieninteressierte hin. Dazu gehört u.a. der „Unitag“, an dem Studien-interessierte das große Fächerangebot der Uni entdecken und eine Vielzahl von Fragen loswerden können.

Dr. Gattermann-Kasper berichtete auch auf die vielfältigen Services und Beratungsangebote des Studierendenwerks Hamburg. Dort können sich Studieninteressierte und Studierende zur Finanzierung des Lebensunterhalts, zu Sozialleistungen, zum Wohnen und vielen weiteren Themen beraten lassen. Erste Anlaufstelle ist das Beratungszentrum Soziales & Internationales – BeSI. Die Homepage bietet ein breites Spektrum an Informationen zu allen wichtigen Themen.

Das geplante Interview mit Anastasia Umrik konnte zu unserem großen Bedauern nicht stattfinden, da die defekte Elektronik ihres E-Rollis ihr Kommen verhinderte. So wurde spontan umdisponiert und improvisiert. Susanne Feess vom Integrationsfachdienst Hamburg (IFD) führte das Interview statt dessen mit Dirk Rosenkranz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e. V.. Herr Rosenkranz, der selbst an einer Muskelerkrankung leidet, berichtete von seiner Schulzeit, seiner Ausbildung zum Kellner im Hotel Vier Jahreszeiten und seinem BWL-Studium. Er sprach auch über seine vielseitigen Nebenjobs, wie z. B. seiner Tätigkeit bei der Post oder seiner Zeit im Call-Center bei Premiere. Dieser Job war damals sein Einstieg in das Unternehmen, in dem er sich vom Call-Center-Agent bis zum Personalleiter hochgearbeitet hat. Dirk Rosenkranz betonte, wie wichtig es ist, sich selbst gut zu „verkaufen“, ob nun mit Behinderung oder ohne. Dazu gehört es natürlich auch, Bewerbungsunterlagen einzureichen, die nicht nur optisch einen sehr ansprechenden Eindruck machen, sondern die auch deutlich zeigen, dass man Interesse an dem Job und dem Unternehmen hat und für das Unternehmen ein Gewinn ist – trotz der Behinderung - aber vor allem auch wegen der Behinderung. Oft hegen Menschen mit Behinderung eine tiefe Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Auch für das Betriebsklima kann ein Kollege mit Behinderung eine große Bereicherung sein. Herr Rosenkranz riet als ehemaliger Personaler dazu, die Behinderung in der Bewerbung zu erwähnen, obwohl dies nicht zwingend vorgeschriebne ist. Es sei allerdings nicht nötig, sie bis ins Detail zu erklären, statt dessen sollte viel eher auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit verwiesen werden.

Herr Rosenkranz sprach auch über die Vorbehalte von Arbeitgebern in Bezug auf die Einstellung von Menschen mit Behinderung. Oft besteht die Befürchtung, einen Menschen mit Behinderung nicht kündigen zu können. Dies ist natürlich nicht der Fall. Auch ein Mensch mit Behinderung ist mit triftigen Gründen kündbar. Das Integrationsamt muss zwar der Kündigung zustimmen, aber diese wird bei entsprechender Sachlage auch gegeben. Des Weiteren wird Menschen mit Behinderung oft unterstellt, dass sie krankheitsbedingt zu oft ausfallen würden. Natürlich kann es sein, dass ein Kollege mit Behinderung mal 4 Wochen zur Reha muss, doch auch bei einem „gesunden“ Kollegen weiß man nie, wie oft er im Jahr erkältet ist, ob er sich im Skiurlaub den Oberschenkel bricht oder ein Magengeschwür bekommt und längere Zeit ausfällt.

Herr Rosenkranz empfahl Menschen mit Behinderung, z. B. ein Praktikum beim Wunscharbeitgeber zu machen. So könnten Berührungsängste und Vorurteile abgebaut und die eigenen Fähigkeiten unter Beweis gestellt werden. Dies erleichtere oft den Einstieg ins Unternehmen.

Für Umbaumaßnahmen und technische Hilfen, die ggf. für die Einstellung eines Mitarbeiters mit Behinderung nötig sind, gibt es in der Regel finanzielle Unterstützung z. B. durch das Integrationsamt, die Rentenversicherung und die Arbeitsagenturen. Das erfordert zwar etwas Bürokratieaufwand, doch so schlimm wie oft befürchtet, ist dieser meist auch nicht. Des Weiteren berät beispielsweise auch der Integrationsfachdienst Arbeitgeber, die gewillt sind, einen Mitarbeiter mit Behinderung einzustellen.

Nach der Veranstaltung standen die Referenten den Besuchern noch für Fragen zur Verfügung.

Die Unterlagen der Referenten können bei Frau Flesch unter flesch(at)muskelschwund(dot)de angefordert werden. Diese Unterlagen sind selbstverständlich urheberrechtlich geschützt.

Im Folgenden haben wir Ihnen noch die wichtigsten Kontaktadressen zusammengestellt.

 

Kontakte

BFW Vermittlungskontor GmbH
August-Krogmann-Straße 52
Haus E
Telefon: 040 64 58 1 - 1477
Telefax: 040 64 58 1 - 1601
info(at)bfw-vermittlungskontor(dot)de
www.bfw-vermittlungskontor.com

 

IFD Hamburg für Menschen mit Körper und Sinnesbehinderung
c/o BFW Vermittlungskontor GmbH
August-Krogmann-Straße 52
22159 Hamburg
Tel.: 040 64581-1178
Fax: 040 64581-1601
susanne.feess(at)ifd-hamburg(dot)de
www.ifd-hamburg.de

 

ARINET GmbH
Das Arbeitsintegrationsnetzwerk
Projekt Netzwerk B.O.
Claudia Wenzel
Schauenburgerstraße 6
20095 Hamburg
Mobil: 0175/2983178
wenzel(at)nbo-hamburg(dot)de
www.nbo-hamburg.de

 

bbw Berufsbildungswerk Hamburg
Projekt Netzwerk B. O.
Ula Braun
Reichsbahnstraße 53
22525 Hamburg
Mobil: 0160/97872685
braun@bbw-hamburg.de 

 

Studierendenwerk Hamburg
Von-Melle-Park 2
20146 Hamburg
Telefon: +49 / 40 / 41 902 - 0
Fax: +49 / 40 / 41 902 - 6100
info(at)studierendenwerk-hamburg(dot)de
www.studierendenwerk-hamburg.de